Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Brutpflege-Gen steuert Arbeitsteilung bei Ameisen

18.06.2018

Der Erfolg von Ameisenstaaten beruht auf einer klaren Arbeitsteilung. Welche Gene das Verhalten der Arbeiterinnen steuern, ist aber bisher kaum bekannt. WissenschaftlerInnen der Universität Mainz und des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums haben jetzt ein Gen identifiziert, dessen Aktivität die Empfindlichkeit für Brutgeruch steuert und damit das Brutpflegeverhalten von Ameisen beeinflusst. Dies zeigen genetische Untersuchungen und Experimente an der nordamerikanischen Ameisenart Temnothorax longispinosus, berichtet die Gruppe aktuell in der Fachzeitschrift „PLoS Biology“.

Im Ameisenstaat herrscht strenge Arbeitsteilung. Die Königin ist primär für die Fortpflanzung zuständig. Die Arbeiterinnen erledigen den Rest der anfallenden Aufgaben, die sich im Laufe ihres Lebens wesentlich ändern. Junge Arbeiterameisen kümmern sich um den Nachwuchs und betreiben Brutpflege. Im mittleren Alter kümmern sich Arbeiterinnen um ihre erwachsenen Nestgenossinnen. Gegen Ende ihres Lebens gehen sie dann auf Nahrungssuche.


Junge Ameisen der nordamerikanischen Ameisenart Temnothorax Longispinosus bei der Brutpflege.

Foto: Barbara Feldmeyer

WissenschaftlerInnen der Universität Mainz und des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums haben jetzt ein Gen identifiziert, das bei diesen wechselnden Zuständigkeiten eine zentrale Rolle spielt.

„In einer Genexpressionsstudie haben wir gesehen, dass bei Brutpflegerinnen das Vitellogenin-Gen like-A viel aktiver ist als bei Arbeiterinnen, die auf Nahrungssuche gehen. Diese unterschiedliche Genaktivität beeinflusst, wie stark die Ameisen aufgabenbezogene Reize wahrnehmen. Dementsprechend ändern sich die von ihnen ausgeführten Aufgaben“, erklärt Prof. Susanne Foitzik, Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Im Anschluss an die genetischen Studien prüfte die Gruppe die Rolle des Vitellogenin-Gens like-A experimentell. Dazu wurde das Gen in jungen Arbeiterinnen der nordamerikanischen Art Temnothorax longispinosus inaktiviert. Die so manipulierten Ameisen pflegten die Brut in geringerem Maße als gleichaltrige Ameisen einer Kontrollgruppe.

Stattdessen kümmerten sie sich vermehrt um erwachsene Nestgenossinnen, eine Aufgabe, die sie normalerweise erst später im Leben übernehmen.

Entsprechend theoretischer Modelle zur Aufgabenverteilung in sozialen Insekten zeigte sich, dass dieser Aufgabenwechsel damit einhergeht, dass die Ameisen für Brutgerüche weniger und für die Signale der erwachsenen Arbeiterinnen stärker empfindlich sind.

Ameisen sind wie Bienen, Wespen und Termiten soziale Insekten. Ihre komplexen Gemeinschaften sind erfolgreich, weil sich Gruppenmitglieder auf bestimmte Aufgaben spezialisieren und diese effizienter ausführen. Bisher liegen jedoch wenige Erkenntnisse dazu vor, welche Mechanismen die Spezialisierung der Arbeiterinnen steuern.

„Lediglich bei Honigbienen wurde bisher ein Gen nachgewiesen, das die Sammelaktivität steuert. Mit unserem Erstnachweis eines Gens bei Ameisen, das die Brutpflege – also eine weitere wichtige Aufgabe – reguliert, schließen wir eine Wissenslücke in der genetisch basierten Verhaltenssteuerung sozialer Insekten“, resümiert Dr. Barbara Feldmeyer, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum.

Kontakt

Dr. Barbara Feldmeyer
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. +49 (0)69 7542 1839
barbara.feldmeyer@senckenberg.de

Prof. Susanne Foitzik
Institut für Organismische und Molekulare Evolutionsbiologie,
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. +49 (0)6131 - 39 27840
foitzik@uni-mainz.de

Sabine Wendler
Pressestelle
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. +49 (0)69- 7542 1818
pressestelle@senckenberg.de

Publikation

Kohlmeier, P., Feldmeyer, B. and Foitzik, S. (2018):Vitellogenin-like A–associated shifts in social cue responsiveness regulate behavioral task specialization in an ant. PLoS Biology 16(6): e2005747. doi: 10.1371/journal.pbio.2005747

Die Pressebilder können kostenfrei für redaktionelle Berichterstattung zu dieser Pressemeldung verwendet werden unter der Voraussetzung, dass der genannte Urheber mit veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zulässig.

Die Pressemitteilung und Bildmaterial finden Sie auch unter www.senckenberg.de/presse

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert.

Mehr Informationen unter www.senckenberg.de

Sabine Wendler | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Warum Fresszellen in gesundem Gewebe fasten
15.11.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Tropische Bäume in den Anden weichen dem Klimawandel aus
15.11.2018 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Im Focus: A Chip with Blood Vessels

Biochips have been developed at TU Wien (Vienna), on which tissue can be produced and examined. This allows supplying the tissue with different substances in a very controlled way.

Cultivating human cells in the Petri dish is not a big challenge today. Producing artificial tissue, however, permeated by fine blood vessels, is a much more...

Im Focus: Optimierung von Legierungswerkstoffen: Diffusionsvorgänge in Nanoteilchen entschlüsselt

Ein Forschungsteam der TU Graz entdeckt atomar ablaufende Prozesse, die neue Ansätze zur Verbesserung von Materialeigenschaften liefern.

Aluminiumlegierungen verfügen über einzigartige Materialeigenschaften und sind unverzichtbare Werkstoffe im Flugzeugbau sowie in der Weltraumtechnik.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Emulsionen masschneidern

15.11.2018 | Materialwissenschaften

LTE-V2X-Direktkommunikation für mehr Verkehrssicherheit

15.11.2018 | Informationstechnologie

Daten „fühlen“ mit haptischen Displays

15.11.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics