Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

BMBF fördert Marburger Verbundprojekt zur Nanoforschung an der Klinik für Pneumologie

02.08.2010
Für Risikobewertung von eingeatmeten Kohlenstoff-Nanopartikeln werden 2,5 Millionen Euro bereitgestellt

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert im Rahmen des NanoCare-Programms für die Dauer von drei Jahren mit einem Gesamtvolumen von ca. 2.5 Mio € den Forschungsverbund ”Prädiktion humantoxikologischer Wirkung synthetischer Carbon Black Nanopartikel”, der unter maßgeblicher Beteiligung des Marburger Labors für Zellbiologie der Lunge etabliert wurde.

Neben der Marburger Arbeitsgruppe unter Leitung von Professor Dr. Bernd Müller gehören die Universität Lübeck, die technische Universität Karlsruhe, das Leibnitz-Forschungszentrum Borstel und das Fraunhofer Institut für Toxikologie und die Experimentelle Medizin Hannover zum Forschungsverbund. Bei diesem Forschungsprojekt werden gesundheitsrelevante Aspekte von künstlich hergestellten Nanopartikeln, winzig kleine Verbünde von Molekülen oder Atomen, untersucht. Das so gewonnene Wissen dient als Grundlage zur innovativen Materialforschung.

Der Forschungsverbund „ Carbon Black“ beschäftigt sich mit Kohlenstoff-Nanopartikeln in Form von industriellen Carbon Black (CBNP). Bei der zunehmenden Entwicklung, Produktion und Anwendung von Nanomaterialien nehmen Kohlenstoff-Nanopartikel in Form von industriellem Carbon Black (CBNP) aufgrund ihrer jährlichen Megatonnen-Produktion eine besondere Stellung ein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte sie als potenzielle Gefahr für den Menschen ein. Dabei ist unklar, inwieweit das Gefährdungspotenzial von den verschiedenen Eigenschaften der CBNP abhängt.

Mit einer Gasaustauschoberfläche von etwa 120m² und einer eingeatmeten Luftmenge von mehr als 10.000 Liter pro Tag ist die Lunge sowohl Haupteintrittspforte für Luftschadstoffe und -partikel als auch eines der am empfindlichsten auf Schadstoffe und Partikel reagierenden Organe. Gesamtziel des Verbundvorhabens ”Carbon Black” ist es, ein mehrstufiges Prüfsystem mit Testmodellen steigender Komplexität zu etablieren, um die für den Menschen schädlichen Auswirkungen von modifizierten und detailliert charakterisierten CBNP in den Atemwegen und der Lunge zu überprüfen. Die Besonderheit des mehrstufig angelegten Prüfsystems besteht in der gleichzeitigen Untersuchung der verschiedenen funktionellen Lungenbereiche wie Luftröhre, große und keine Bronchien sowie Lungenbläschen durch die einzelnen Expertengruppen. Dabei werden Untersuchungen in vivo (Gesamtorganismus), ex vivo (isolierte Zellen) und in vitro (Zellkulturen) durchgeführt. Die einzelnen Untersuchungsergebnisse fügen sich später wie Mosaiksteinchen zu einem Gesamtbild zusammen.

Die systematische Analyse des Einflusses von CBNP-Modifikationen und ihrer potentiell giftigen Wirkung auf die Lunge hat Implikationen für die industrielle Herstellung, den Umgang und die Verwendung von künstlich hergestellten CBNP. Durch eine gezielte Auswahl toxikologisch unbedenklicher Modifikationen ließe sich ein mögliches Gesundheitsrisiko vermindern, ohne die technischen Anwendungsbereiche einzuschränken. Das hohe technische und wirtschaftliche Potenzial von Nanomaterialien und Technologien lässt erwarten, dass die Herstellung und Verwendung sowohl von Kohlenstoff- als auch anderen Nanomaterialien in Zukunft deutlich zunimmt. Dem Prüfverfahren für die Gesundheitsgefährdung für den Menschen, das der Forschungsverbund entwickeln wird, kommt große Bedeutung zu, da es dazu führen wird, dass nur weitestgehend unschädliche Substanzen industriell hergestellt werden. Prof. Dr. B. Müller betont daher die „fundamentale gesellschaftliche Relevanz“ der Forschung zur Risikobewertung inhalierter Nanopartikel.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Bernd Müller
Laboratory of Respiratory Cell Biology
Division of Pneumology
Department of Internal Medicine
Faculty of Medicine
Philipps University
Baldingerstrasse
35033 Marburg
Tel: +49-(0)6421-5864969
email: bmueller@staff.uni-marburg.de

Dr. Susanne Igler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-marburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bienen brauchen es bunt
20.08.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Künstliche Enzyme aus DNA
20.08.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Mischung macht‘s: Jülicher Forscher entwickeln schnellladefähige Festkörperbatterie

Mit Festkörperbatterien sind aktuell große Hoffnungen verbunden. Sie enthalten keine flüssigen Teile, die auslaufen oder in Brand geraten könnten. Aus diesem Grund sind sie unempfindlich gegenüber Hitze und gelten als noch deutlich sicherer, zuverlässiger und langlebiger als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Jülicher Wissenschaftler haben nun ein neues Konzept vorgestellt, das zehnmal größere Ströme beim Laden und Entladen erlaubt als in der Fachliteratur bislang beschrieben. Die Verbesserung erzielten sie durch eine „clevere“ Materialwahl. Alle Komponenten wurden aus Phosphatverbindungen gefertigt, die chemisch und mechanisch sehr gut zusammenpassen.

Die geringe Stromstärke gilt als einer der Knackpunkte bei der Entwicklung von Festkörperbatterien. Sie führt dazu, dass die Batterien relativ viel Zeit zum...

Im Focus: It’s All in the Mix: Jülich Researchers are Developing Fast-Charging Solid-State Batteries

There are currently great hopes for solid-state batteries. They contain no liquid parts that could leak or catch fire. For this reason, they do not require cooling and are considered to be much safer, more reliable, and longer lasting than traditional lithium-ion batteries. Jülich scientists have now introduced a new concept that allows currents up to ten times greater during charging and discharging than previously described in the literature. The improvement was achieved by a “clever” choice of materials with a focus on consistently good compatibility. All components were made from phosphate compounds, which are well matched both chemically and mechanically.

The low current is considered one of the biggest hurdles in the development of solid-state batteries. It is the reason why the batteries take a relatively long...

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Quantenverschränkung erstmals mit Licht von Quasaren bestätigt

20.08.2018 | Physik Astronomie

1,6 Millionen Euro für den Aufbau einer Forschungsgruppe zu Quantentechnologien

20.08.2018 | Förderungen Preise

IHP-Technologie darf in den Weltraum fliegen

20.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics