Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biotechnologen der Saar-Uni forschen an Stoffen der Zukunft

30.11.2017

Seien es neue Wirkstoffe für Insektizide in der Landwirtschaft, nachhaltige Kunststoffe oder Omega-3-Fettsäuren als Nahrungsergänzungsmittel: Die Biotechnologie ist eine Schlüsselwissenschaft für den technologischen Fortschritt. Saarbrücker Biotechnologen haben nun gleich drei hochkarätige Forschungsprojekte eingeworben, in denen sie die Herstellung solcher synthetischer Stoffe auf Grundlage natürlicher Stoffe und Bakterien erforschen. Insgesamt erhalten die Forschungsverbünde dafür über vier Millionen Euro. 2,6 Millionen davon gehen an die Forscher der Saar-Uni.

Die Biotechnologie gilt als eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. In vielen Bereichen des Alltags spielt sie eine Rolle, sei es in der Herstellung von Lebensmitteln oder bei der Behandlung von Diabetes.


Christoph Wittmann (l.) arbeitet in seiner Forschungsgruppe an der Saar-Uni an neuen, nachhaltigen Kunststoffen aus natürlichen Rohstoffen.

Foto: AG Wittmann

Dabei leistet die sogenannte weiße Biotechnologie einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz und zur Ressourcenschonung. Neue nachhaltige Herstellungsverfahren auf Basis nachwachsender Rohstoffe machen dies möglich. Dabei gibt es noch erheblichen Forschungsbedarf, viele Verfahren sind erst in der Entwicklung.

Nun haben drei Wissenschaftler der Saar-Uni, Professor Andriy Luzhetskyy (Pharmazeutische Biotechnologie), Professor Rolf Müller (Pharmazeutische Biotechnologie und Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland, HIPS) und Professor Christoph Wittmann (Systembiotechnologie), hochkarätige Forschungsprojekte eingeworben, um solche neuen Verfahren zu entwickeln und zu etablieren.

Zwei der Projekte werden im Rahmen der nationalen BMBF-Initiative „Maßgeschneiderte Biologische Inhaltsstoffe“ gefördert. Dies umfasst in Zusammenarbeit mit dem neu gegründeten saarländischen Biotechnologie-Unternehmen MyBiotech aus Überherrn die Entwicklung eines neuartigen Herstellungsverfahrens für seltene Omega-3-Fettsäuren.

Durch die Forscher um Rolf Müller/Christoph Wittmann neu entdeckte Synthesewege sollen im Projekt „Nachhaltige Produktion von Omega-3-Fettsäuren auf der Basis myxobakterieller Gene (MYXO4PUFA)” die effiziente Herstellung dieser komplexen Moleküle ermöglichen. Omega-3-Fettsäuren spielen eine wichtige Rolle in unserer Ernährung. Sie fördern die Entwicklung des Gehirns, besonders bei Neugeborenen, verbessern die Durchblutung und schützen die Gelenke.

Das zweite Projekt „Maßgeschneiderte Streptomyces-Zellfabriken für die biobasierte Produktion von Polyketide (MyBio)” um Christoph Wittmann/Andriy Luzhetskyy zielt auf die Synthese hochpreisiger Wirkstoffe aus der Gruppe der sogenannten Polyketide ab, einer Substanzfamilie mit vielfältigen vorteilhaften Eigenschaften.

In Zusammenarbeit mit der BASF, dem größten Chemieunternehmen der Welt, dem Hightech-Bioinformatik-Unternehmen Genedata sowie dem Genomzentrum in Bielefeld soll das Bodenbakterium Streptomyces albus zu einem möglichst vielseitigen Produktionsorganismus für Wirkstoffe entwickelt werden. Dabei hat sich das Team zunächst die Herstellung des Wirkstoffes Pamamycin vorgenommen, einem vielversprechenden Insektizid für die Agrarindustrie.

Darüber hinaus werden sich die Wissenschaftler um Professor Wittmann im Projekt „Herstellung von Bio-Polyhydroxyalkanoaten aus Lignin-basierten Aromaten (LignoValue)” international mit der ressourcenschonenden Nutzung nachwachsender Rohstoffe für die globale, industrielle Produktion befassen.

Dabei zielt ein BMBF-Projekt im Rahmen der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit mit Chile die zielgerichtete Nutzung von Lignin ab. Der Holzbestandteil fällt weltweit in riesigen Mengen an, wird aber derzeit aus Mangel an Alternativen nur verbrannt. Neue Zellfabriken sollen helfen, zukünftig wertvolle Biokunststoffe aus Lignin herzustellen.

Die Arbeitsgruppen der Wissenschaftler werden in diesen Projekten eng miteinander zusammenarbeiten. Der Zuschnitt ihrer Arbeitsgebiete macht diesen interdisziplinären Ansatz möglich. Die drei Projekte, die gleichzeitig seit 1. September laufen und bis Ende August 2020 gefördert werden, haben ein Gesamtvolumen von über vier Millionen Euro. Davon fließen 2,6 Millionen an die Arbeitsgruppen der drei Saarbrücker Forscher.

In der Biotechnologie verfügt die Saar-Uni auch über ein exzellentes Angebot in der Lehre. An der Schnittstelle zwischen Biologie, Chemie, Bioinformatik und Verfahrenstechnik vermittelt der Master-Studiengang Biotechnologie vielfältige Kompetenzen an die angehenden Biotechnologinnen und Biotechnologen. Mit den neuen Projekten haben die Saarbrücker Studierenden in den kommenden Jahren nun weitere spannende Möglichkeiten, in der Forschung mitzuarbeiten.

Kontakt:
Prof. Dr. Christoph Wittmann
Institut für Systembiotechnologie
Tel.: (0681) 30271971
E-Mail: christoph.wittmann@uni-saarland.de

Thorsten Mohr | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen
17.08.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht Forschende entschlüsseln das Alter feiner Baumwurzeln
17.08.2018 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics