Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biomarker zeigen Aggressivität des Tumors an

26.07.2017

Berliner Studie an Patienten mit Dickdarmkrebs im frühen Stadium / Reparaturmechanismen der DNA und Aktivität des Gens MACC1 weisen auf Prognose und Ansprechen auf Chemotherapie hin

Patienten, die an Dickdarmkrebs im frühen Stadium leiden, könnten in Zukunft von spezifischen Gentests profitieren, die ihre Prognose vorhersagen und dabei helfen, die richtige Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie zu treffen.

Zwei Biomarker dafür sind das MACC1-Gen, dessen Aktivität mit der Ausbildung von Metastasen und aggressivem Tumorwachstum verbunden ist, und das dMMR-System, das fehlerhafte Reparaturmechanismen der DNA und Tumorbildung anzeigt. Das Vorhandensein eines fehlerhaften Reparaturmechanismus und eine niedrige Genaktivität von MACC1 erhöht die Lebenserwartung der Patienten.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Delbrück Centrums für Molekulare Medizin (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin, Berlin, haben eine Untersuchung an rund 600 Darmkrebs-Patienten im Stadium II (lokal-aggressiver Tumor ohne Metastasen) erstmals gezeigt, dass der MACC1-Gentest dazu beitragen kann, die Patienten mit fehlerhaftem Reparatursystem weiter zu differenzieren.

Ist bei ihnen die MACC1-Genaktivität niedrig, so haben sie eine ähnlich günstige Prognose wie Patienten, deren Reparatursystem fehlerhaft ist; ihre Überlebenszeit nach fünf Jahren liegt bei 100 Prozent. Die Gentests könnten Auswirkungen auf die Behandlungsempfehlung haben, da diese Patienten nicht von einer Chemotherapie profitieren.

Die Ergebnisse der Berliner Studie unter der Leitung von Prof. Ulrike Stein, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, MDC/Charité - Universitätsmedizin Berlin, wurden in der Zeitschrift „Annals of Oncology“ veröffentlicht. Sie entstand in Kooperation mit den Firmen Hoffmann La-Roche, Schweiz und Deutschland, und Ventana Medical Systems, Tuscon, USA, sowie mit dem Walter and Eliza Hall Institute, Melbourne, Australien, und der Universität Freiburg, Deutschland.

Bluttests können bei der Entscheidung über Chemotherapie helfen

Dickdarmkrebs ist der zweithäufigste Krebs bei Männern und Frauen in Deutschland; rund 60.000 Patienten erkranken jedes Jahr. Die Überlebensrate nach fünf Jahren beträgt durchschnittlich 70 Prozent. Der Behandlungserfolg ist wesentlich davon abhängig, ob der Tumor in einem frühen Stadium gefunden wird, vollständig entfernt werden kann und auf Chemotherapie anspricht.

In den vergangenen Jahren ist es gelungen, genetische Subtypen der bösartigen Darmtumoren zu identifizieren, die eine unterschiedliche Prognose der Erkrankung haben. So weisen bis zu 15 Prozent der bösartigen Tumoren des Dickdarms fehlerhafte DNA-Reparaturmechanismen auf, die sogenannte DNA mismatch repair deficiency (dMMR). Ein aussagekräftiger Biomarker ist ebenfalls das Gen MACC1, das von Ulrike Stein und Kollegen 2009 am MDC in Berlin identifiziert worden ist. MACC1 steht für „Metastasis-Associated in Colon Cancer 1“ - mit Metastasen bei Dickdarmkrebs assoziiertes Gen. Ein Bluttest für den Nachweis von MACC1 ist patentiert.

Die 5-Jahres-Überlebenszeit der Patienten mit Darmkrebs im Stadium I - III und einem niedrigem MACC1-Wert liegt bei 80 Prozent, im Vergleich zu nur 15 Prozent für Patienten mit hohen MACC1-Werten. „Der Bluttest kann das erhöhte Risiko für eine Rückkehr des Tumors und eine Metastasierung anzeigen“, so Ulrike Stein. „Er hilft bei der schwierigen Entscheidung, ob Patienten im frühen Stadium eine Chemotherapie bekommen sollen.“ Dies bezieht nun auch die Patienten ein, deren Reparaturmechanismen im Stadium II der Erkrankung eingeschränkt sind.

In einem Editorial der „Annals of Oncology“ bewerten Wissenschaftler des MD Anderson Cancer Center, Houston, USA, diese Studie als einen weiteren Beleg dafür, dass die Identifizierung von genetischen Subtypen und deren Kombination auch im frühen Stadium der Tumorerkrankung von Bedeutung ist, u.a. für die Prognose und Therapieentscheidung über eine Chemotherapie. Für die Zukunft empfehlen sie, Gentests mit weiteren genetischen und epigenetischen Daten von Patienten zu verknüpfen, „um den prognostischen Wert des komplexen molekularen Szenarios von Darmkrebs im frühen Stadium zu verstehen.“

Literatur:

U.-P. Rohr, P. Herrmann, K. Ilm, H. Zhang, S. Lohmann, A. Reiser, A. Muranyi, J. Smith, S. Burock, M. Osterland, K. Leith, S. Singh, P. Brunhoeber, R. Bowermaster, J. Tie, M. Christie, H.-L. Wong, P. Waring, K. Shanmugam, P. Gibbs, U. Stein (2017): „Prognostic value of MACC1 and proficient mismatch repair status for recurrence risk prediction in stage II colon cancer patients: the BIOGRID studies.“ Annals of Oncology 00: 1 -7, 2017. doi:10.1093/annonc/mdx207

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Weitere Informationen:

https://insights.mdc-berlin.de/de/?p=12551 – Meldung auf den Seiten des MDC
https://www.mdc-berlin.de/1151866/ – Website der Forschungsgruppe von Ulrike Stein
https://academic.oup.com/annonc/article-lookup/doi/10.1093/annonc/mdx207 – Publikation bei Annals of Oncology

Annette Tuffs | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Chemische Reaktionen per Licht antreiben
25.04.2019 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Kraftwerk ohne DNA
25.04.2019 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Volle Fahrt voraus für SmartEEs auf der Automotive Interiors Expo 2019

Flexible, organische und gedruckte Elektronik erobert den Alltag. Die Wachstumsprognosen verheißen wachsende Märkte und Chancen für die Industrie. In Europa beschäftigen sich Top-Einrichtungen und Unternehmen mit der Forschung und Weiterentwicklung dieser Technologien für die Märkte und Anwendungen von Morgen. Der Zugang seitens der KMUs ist dennoch schwer. Das europäische Projekt SmartEEs - Smart Emerging Electronics Servicing arbeitet an der Etablierung eines europäischen Innovationsnetzwerks, das sowohl den Zugang zu Kompetenzen als auch die Unterstützung der Unternehmen bei der Übernahme von Innovationen und das Voranschreiten bis zur Kommerzialisierung unterstützt.

Sie umgibt uns und begleitet uns fast unbewusst durch den Alltag – gedruckte Elektronik. Sie beginnt bei smarten Labels oder RFID-Tags in der Kleidung,...

Im Focus: Full speed ahead for SmartEEs at Automotive Interiors Expo 2019

Flexible, organic and printed electronics conquer everyday life. The forecasts for growth promise increasing markets and opportunities for the industry. In Europe, top institutions and companies are engaged in research and further development of these technologies for tomorrow's markets and applications. However, access by SMEs is difficult. The European project SmartEEs - Smart Emerging Electronics Servicing works on the establishment of a European innovation network, which supports both the access to competences as well as the support of the enterprises with the assumption of innovations and the progress up to the commercialization.

It surrounds us and almost unconsciously accompanies us through everyday life - printed electronics. It starts with smart labels or RFID tags in clothing, we...

Im Focus: Neuer LED-Leuchtstoff spart Energie

Das menschliche Auge ist für Grün besonders empfindlich, für Blau und Rot hingegen weniger. Chemiker um Hubert Huppertz von der Universität Innsbruck haben nun einen neuen roten Leuchtstoff entwickelt, dessen Licht vom Auge gut wahrgenommen wird. Damit lässt sich die Lichtausbeute von weißen LEDs um rund ein Sechstel steigern, was die Energieeffizienz von Beleuchtungssystemen deutlich verbessern kann.

Leuchtdioden oder LEDs können nur Licht einer bestimmten Farbe erzeugen. Mit unterschiedlichen Verfahren zur Farbmischung lässt sich aber auch weißes Licht...

Im Focus: Münchner Lichtquanten-Destillerie

Garchinger Physiker entwickeln eine Technik, um reine einzelne Photonen zu extrahieren

Das Destillieren von Spirituosen steigert den Gehalt von Alkohol relativ zum Wasseranteil. Ähnlich wirkt eine Methode auf Lichtquanten, Photonen, die ein Team...

Im Focus: Energy-saving new LED phosphor

The human eye is particularly sensitive to green, but less sensitive to blue and red. Chemists led by Hubert Huppertz at the University of Innsbruck have now developed a new red phosphor whose light is well perceived by the eye. This increases the light yield of white LEDs by around one sixth, which can significantly improve the energy efficiency of lighting systems.

Light emitting diodes or LEDs are only able to produce light of a certain colour. However, white light can be created using different colour mixing processes.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie sieht das Essen der Zukunft aus?

25.04.2019 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz: Lernen von der Natur

17.04.2019 | Veranstaltungen

Mobilität im Umbruch – Conference on Future Automotive Technology, 7.-8. Mai 2019, Fürstenfeldbruck

17.04.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

UKP-Laser erobern Makrobearbeitung

25.04.2019 | Verfahrenstechnologie

Kraftwerk ohne DNA

25.04.2019 | Biowissenschaften Chemie

Chemische Reaktionen per Licht antreiben

25.04.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics