Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Natürliche Killer-Zellen gegen Krebszellen aktiviert

12.12.2007
Göttinger Forschungsergebnis mit Patentanmeldung erfolgreich verkauft. MBM ScienceBridge GmbH vermittelt Lizenz-Vertrag zwischen der Universi-tätsmedizin Göttingen und einem Biotech-Unternehmen.

Forscher der Universitätsmedizin Göttingen haben einen Weg gefunden, wie natürliche Killer-Zellen gezielt gegen Krebszellen aktiviert werden können. Das Ergebnis aus der Grundlagenforschung ist zum Patent angemeldet. Die Nutzungs-rechte daran wurden jetzt erfolgreich an ein Biotech-Unternehmen lizenziert. Der Lizenzvertrag mit dem Unternehmen bringt finanzielle Unterstützung für die For-scher und ihre weiteren Forschungen und Geld für die Universitätsmedizin Göttin-gen. Vermittelt wurde der Vertrag von der MBM ScienceBridge GmbH, der Techno-logietransferorganisation der Georg-August-Universität Göttingen.

"Die gezielte Aktivierung natürlicher Killer-Zellen könnte neue Perspektiven für die Immuntherapie bestimmter Krebsarten eröffnen", sagt Priv. Doz. Dr. Ralf Dressel aus der Abteilung Zelluläre und Molekulare Immunologie (Direktor: Prof. Dr. Jürgen Wienands) an der Universitätsmedizin Göttingen. Der Weg für eine Behandlung von Krebs, den er und sein Team gefunden haben, setzt da an, wo Krebszellen sich für ihr Überleben im Körper einsetzen.

Krebszellen sind im Körper häufig Stress ausgesetzt, zum Beispiel weil sie nicht optimal mit Sauerstoff oder Nährstoffen versorgt werden. Sie reagieren darauf mit der Herstellung bestimmter "Stress-Proteine". Diese helfen ihnen zu überleben. Die Stressreaktion kann eine herkömmliche Behandlung mit Chemotherapie erschwe-ren. Einige Stress-Proteine, die von Krebszellen zu ihrem Schutz hergestellt wer-den, alarmieren auch das körpereigene Immunsystem, das auf diese Weise auf "gefährliche" Situationen im Körper aufmerksam gemacht werden kann.

Die Immunologen um Dr. Ralf Dressel haben festgestellt: Krebszellen im Tier-modell (Mäusen) wachsen langsamer als Kontrollzellen, wenn sie so verändert wurden, dass sie große Mengen des Stressproteins HSP70 herstellen. Krebszel-len, die HSP70 produzieren, bilden auch keine Metastasen mehr, sie "streuen" nicht. Das Forscherteam um Privatdozent Dr. Ralf Dressel erklärt sich diesen Ef-fekt so: Das Stressprotein HSP70 aktiviert offenbar so genannte "Natürliche Killer (NK)-Zellen". Diese Killer-Zellen "haben die Lizenz", Krebszellen zu töten, wenn diese bestimmte Merkmale auf ihrer Zelloberfläche aufweisen.

Was brauchen die "Killerzellen gegen Krebs", um zu wirken? "Wir haben in Frage kommende Merkmale untersucht und festgestellt, dass in Tumoren durch den zellulären Stress weitere Moleküle, so genannte NKG2D-Liganden, produziert werden. Diese werden von aktivierten Killer-Zellen erkannt und veranlassen sie, die Krebszellen zu töten", sagt Dr. Dressel. Diese Erkenntnis gilt zunächst nur für Mäuse: Die Stressproteine HSP70 und NKG2D-Liganden, die auf verschiedene Stresssignale reagieren, können gemeinsam das Immunsystem gegen Krebs akti-vieren und so eine Streuung (Metastasierung) bei Krebserkrankungen verhindern.

Abbildung: Ein so genannter "Immunoblot" zeigt, dass Tumorzellen, die HSP70 in großer Menge produzieren, dies auch freisetzen, so dass es außerhalb der Tu-morzellen NK-Zellen aktivieren kann. Ein Kontrollprotein (co) wird auch von den Kontrollzellen freigesetzt. Quelle: "Elsner et al., J. Immunol. 179:5523. Copyright 2007 The American Association of Immunologists, Inc.

Das Göttinger Team untersucht nun, ob auch menschliche Killer-Zellen durch HSP70 aktiviert werden können. "Wir hoffen, dass diese Zellen in Zukunft genutzt werden können, um menschliche Krebsarten zu behandeln, die NKG2D-Liganden aufweisen", sagt Dressel.

Die Ergebnisse der Grundlagenforschung wurden von Wissenschaftlern aus den Abteilungen Zelluläre und Molekulare Immunologie, Hämatologie und Onkolo-gie, Genetische Epidemiologie und Medizinische Statistik der Universitätsmedizin Göttingen sowie der Technischen Universität München, der Universität Würzburg und des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen gewonnen. Beteiligt waren zu-dem Doktoranden und Mitglieder des Göttinger Graduiertenkollegs "Die Bedeutung genetischer Polymorphismen in der Onkologie: Von den Grundagen zur individuali-sierten Therapie". Die Zusammenarbeit mit den Münchener Wissenschaftlern er-folgt im Rahmen des Europäischen Verbundprojekts TRANS-NET.

WEITERE INFORMATIONEN:
MBM Science Bridge GmbH
Barbara Fink, Telefon 0551 / 30724151, info@sciencebridge.de
Hans-Adolf-Krebs-Weg 1, 37077 Göttingen
www.sciencebridge.de
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abteilung Zelluläre und Molekulare Immunologie
Priv.-Doz. Dr. Ralf Dressel, Telefon 0551 / 39-5884, rdresse@gwdg.de
Heinrich-Düker-Weg 12, 37073 Göttingen

Stefan Weller | idw
Weitere Informationen:
http://www.universitaetsmedizin-goettingen.de/

Weitere Berichte zu: Hsp70 Killer-Zellen Krebszelle NKG2D-Liganden Stressprotein Zelluläre

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sinneswahrnehmung ist keine Einbahnstraße
17.10.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Neuer ALS-Bluttest: Hilfe bei der Differenzialdiagnose und Hinweise auf Krankheitsverlauf
17.10.2018 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Im Focus: Chemiker der Universitäten Rostock und Yale zeigen erstmals Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen

Die Forschungskooperation zwischen der Universität Yale und der Universität Rostock hat neue wissenschaftliche Ergebnisse hervorgebracht. In der renommierten Zeitschrift „Angewandte Chemie“ berichten die Wissenschaftler über eine Dreierkette aus Ionen gleicher Ladung, die durch sogenannte Wasserstoffbrücken zusammengehalten werden. Damit zeigen die Forscher zum ersten Mal eine Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen, die sich im Grunde abstoßen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Professoren Mark Johnson, einem weltbekannten Cluster-Forscher, und Ralf Ludwig aus der Physikalischen Chemie der...

Im Focus: Storage & Transport of highly volatile Gases made safer & cheaper by the use of “Kinetic Trapping"

Augsburg chemists present a new technology for compressing, storing and transporting highly volatile gases in porous frameworks/New prospects for gas-powered vehicles

Storage of highly volatile gases has always been a major technological challenge, not least for use in the automotive sector, for, for example, methane or...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2018

16.10.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz in der Medizin

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Sinneswahrnehmung ist keine Einbahnstraße

17.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Space Farming dank Pflanzenhormon Strigolacton

17.10.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Oberflächen mit flexiblen und handlichen Plasmaquellen aktivieren

17.10.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics