Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

SIAM erkennt Katzen- und Hundefelle

29.03.2007
Saarbrücker Forscher decken Pelzskandal in den USA auf

Von Saarbrücker Forschern entwickeltes Verfahren kann unter anderem Hunde- und Katzenfelle von Zuchtpelzen und Imitaten unterscheiden: Erstmals werden Routinekontrollen etwa bei Import und Export möglich.

In den USA sorgte die SIAM-Methode für einen handfesten Pelzskandal: Die Biochemiker der Saar-Uni fanden für die US-amerikanische Tierschutz-Vereinigung Humane Society of the United States heraus, dass als Imitate deklarierte Pelze tatsächlich vornehmlich von Marderhunden, einer mit den Hunden verwandten Tierart, stammten.

Millionen von Katzen, Hunden und Marderhunden werden unter schlimmsten Bedingungen gefangen gehalten, gequält, auf grausamste Weise getötet oder noch bei lebendigem Leibe gehäutet. Undeklariert oder mit irreführenden Bezeichnungen landen ihre Felle in der Bekleidungs- oder Spielzeugindustrie. So geschehen in den USA, wo zwar die Einfuhr und der Handel mit Katzen- und Hundefellen verboten ist, bisher aber nicht der Handel mit Marderhundfellen.

Kleidungsstücke mit Marderhundpelzen gelangten in die dortigen Warenhäuser - als angebliche Imitate von Kaninchen, Kojote oder Waschbär: Statt Kunstpelz, zur Zeit der absolute Modehit in den USA, kauften die ahnungslosen Verbraucher echtes Tierfell und wurden somit getäuscht.

Das fanden Saarbrücker Forscher für die Tierschutz-Vereinigung Humane Society of the United States mit Hilfe der SIAM- Methode heraus (SIAM steht für Species-Identification of Animals using MALDI-TOF-MS). Diese neue Technik beruht auf der so genannten MALDI-TOF-Massenspektrometrie und wurde am Institut für Technische Biochemie der Saar-Universität von Prof. Elmar Heinzle und Dr. Klaus Hollemeyer in Zusammenarbeit mit der Spin-off-Firma Gene-Facts GbR entwickelt. Zurzeit ist das Unternehmen Gene-Facts, das von Absolventen der Universität gegründet wurde, weltweit das einzige Labor, das die Methode kommerziell anbietet.

In Europa könnte das Verfahren aus Saarbrücken bald zu größerem Einsatz kommen. Auch hier sollen Katzen- und Hundefelle verboten werden. Die EU-Kommission will ein europaweites Handels- sowie Ein- und Ausfuhrverbot für Katzen- und Hundefelle und aus ihnen hergestellte Produkte verhängen - einen entsprechenden Vorschlag hat sie im November 2006 dem Europäischen Parlament und dem Rat vorgelegt. Anfang 2008 wird mit der Verordnung gerechnet. Bislang gab es nur nationale Verbote in einigen Mitgliedsländern, in Deutschland gibt es kein solches Verbot.

Damit ein europaweites Verbot auch durchgesetzt werden kann, werden verlässliche Prüfverfahren benötigt. Haustierfelle lassen sich vom Aussehen oder Anfühlen her kaum von teuren Pelzen oder Imitaten unterscheiden. Das stellt Kontrollbehörden vor Probleme. In ihrem Vorschlag hat die EU-Kommission aus drei Analysetechniken insbesondere die MALDI-TOF-Massenspektrometrie als geeignet und besonders zuverlässig bewertet.

Auch die britische Regierung und der amtliche Verbraucherschutz der Niederlande haben die Saarbrücker SIAM-Methode bereits prüfen lassen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen bestätigten, dass SIAM als einziges Verfahren die geforderte Zuverlässigkeit erreicht.

Ursprünglich war die SIAM-Methode als Instrument zur Qualitätskontrolle für Hersteller und Händler von Bettwaren entwickelt worden, um Enten- von Gänsedaunen zu unterscheiden. Schnell zeigte sich aber weiteres Potenzial: So macht es die biochemisch-physikalische Methode möglich, routinemäßig die Tierart auch bei Säugetieren und damit die Herkunft auch von Haaren nachzuweisen. Damit erlangt das Verfahren Bedeutung für den Schutz bedrohter Tierarten oder die schnelle und sichere Ermittlung von Fälschungen.

Ein weiteres Einsatzgebiet der Methode ist die Qualitätskontrolle von Textilien tierischen Ursprungs. Recht häufig wird die teure Wolle etwa von Kaschmir-Ziegen mit preiswerteren Produkten von Yak, Angorakaninchen oder Schaf gestreckt. Werden diese Verfälschungen nicht deklariert, werden die Verbraucher beim Kauf der Fertigprodukte arglistig getäuscht. Die SIAM-Methode kann nicht nur die Verfälschungen erkennen, sondern sie auch prozentual bestimmen.

Kern der Methode sind so genannte Spaltpeptide, die entstehen, wenn Proteine von Haaren oder Federn mittels spezieller biochemischer Techniken gespalten werden. Der Aufbau der Proteine und damit die daraus entstehenden Spaltpeptide der einzelnen Tierarten unterscheiden sich. Diese Unterschiede können mit Hilfe der MALDI-TOF-Massenspektrometrie sichtbar gemacht werden. So lassen sich anhand der artspezifischen Peptide Ente und Fasan ebenso zweifelsfrei erkennen wie Hamster, Nerz, Kaninchen, Kamel und Merinoschaf - oder eben Katze und Hund. Auch das menschliche Haar lässt sich identifizieren. Die Saarbrücker Methode deckt sogar zoologische Verwandtschaften auf. Je näher Arten verwandt sind, desto mehr identische Spaltpeptide gibt es.

Die SIAM-Methode kann routinemäßig etwa auf Flughäfen oder bei Grenzkontrollen eingesetzt werden. Erforderlich ist hierfür ein Massenspektrometrie-Gerät, das derzeit speziell zum Einsatz für die Stichproben entwickelt wird. Die Saarbrücker Biochemiker haben bereits Datenbanken mit den Peptidspektren bedrohter Tierarten und auch jenen Säugtieren erstellt, deren Wolle oder Felle legal oder illegal genutzt werden. Verdächtige Proben werden mit diesen Datenbanken verglichen und identifiziert.

Zum Pelzskandal in den USA: http://abcnews.go.com/GMA/story?id=2862608&page=1
Berichterstattung unter anderem in Good Morning America bei ABC News, FOX, CNN und weiteren.
Kontakt:
Dr. Klaus Hollemeyer: 0681 / 302-3721; k.hollemeyer@rz.uni-saarland.de
Wolfgang Altmeyer (Gene-Facts): Email: wolfgangaltmeyer@web.de
und info@gene-facts.com
Prof. Dr. Elmar Heinzle: 0681 / 302-2905, -3405; e.heinzle@mx.uni-saarland.de

Claudia Ehrlich | idw
Weitere Informationen:
http://abcnews.go.com/GMA/story?id=2862608&page=1
http://www.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zika und Gelbfieber: Impfstoffe ohne Ei
21.09.2018 | Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme Magdeburg

nachricht Einbahnstraße für das Salz
21.09.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierungspotenziale bei Kaminöfen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics