Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neurale Stammzellen: Multitalente aus dem Gehirn

24.01.2001


Die Entwicklung von der Eizelle über die

Zygote bis zu den fertigen Zellen und Geweben des Organismus. Die

Richtungen, in die sich die gewebespezifischen Stammzellen

weiterentwickeln können, sind durch horizontale Pfeile dargestellt.

Grafik: A.Müller


... mehr zu:
»Blutzelle »Gewebe »Organ »Stammzelle
Auf Stammzellen werden derzeit große Hoffnungen gesetzt: Diese Multitalente können unter gewissen Bedingungen Zellen unterschiedlicher Gewebe bilden. Deshalb könnten sie in der Zukunft möglicherweise verwendet
werden, um kranke Menschen wieder mit gesunden Geweben oder Organen zu versorgen. Die speziellen Eigenschaften von Stammzellen werden auch an der Universität Würzburg erforscht.

Die Evolution vielzelliger Organismen brachte verschiedene Strategien hervor, um Gewebe und Organe effizient zu erzeugen und zu erhalten. Eine dieser Strategien ist in den Stammzellsystemen verwirklicht: Diese bestehen aus einer Hierarchie von Vorläuferzellen und reifen Zellen. Da die reifen Zellen in den Geweben meist nur eine begrenzte Lebensdauer besitzen und letztendlich absterben, sind die Stammzellen die einzigen permanent im Körper vorhandenen Zellen.

Bei Wirbeltieren sind Stammzellsysteme unter anderem im Dünndarm, in den Geschlechtsorganen, der Haut, im Gehirn und im blutbildenden System vorhanden. Stammzellen besitzen die Fähigkeit, sich zu teilen und neue Stammzellen zu bilden, und sie können alle reifen Zellen ihres Stammzellsystems hervorbringen. So können während des gesamten Lebens verbrauchte Zellen ersetzt und, innerhalb gewisser Grenzen, auch Schäden repariert werden.

Prof. Dr. Albrecht Müller vom Institut für Medizinische Strahlenkunde und Zellforschung befasst sich unter anderem mit neuralen Stammzellen. Diese können nicht nur Nervenzellen, sondern überraschenderweise auch andere Zelltypen bilden, zum Beispiel Muskel- und Blutzellen. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass auch andere gewebespezifische Stammzellen ein größeres Entwicklungspotenzial besitzen als bisher angenommen.

Unklar ist laut Dr. Müller allerdings bislang, wie die Schritte von den neuralen Stammzellen zur Bildung anderer Zelltypen ablaufen. Auch sei noch nicht bekannt, ob im Körper des Menschen vielleicht gar keine gewebespezifischen Stammzellen existieren, sondern nur ein einziger Typ von Stammzellen, der alle anderen Zellarten bilden kann. Des weiteren sei nicht geklärt, welche molekularen Schalter beteiligt und notwendig sind, damit sich eine neurale Stammzelle zu einer Blutzelle weiterentwickelt.

Darum sollen in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt in der Arbeitsgruppe von Dr. Müller neurale Stammzellen hinsichtlich ihres Genexpressionsprofils sowie ihres Entwicklungspotenzials untersucht und mit blutbildenden Stammzellen verglichen werden.

Diese Forschungen sind von Bedeutung, weil sie umfassende Kenntnisse über die Biologie somatischer Stammzellen liefern werden. Sie sind eine Grundvoraussetzung für die zukünftige Nutzung von Stammzellen als Ausgangspunkt für regenerative Zellsysteme in der Medizin: Sobald die Faktoren charakterisiert sind, welche die Richtung der Weiterentwicklung von Stammzellen bestimmen, werde man Stammzellen von Spendern für Transplantationsverfahren einsetzen können, so Dr. Müller. Gerade neurale Stammzellen und Muskelstammzellen seien für zukünftige Gewebeersatzverfahren geeignet, weil sie im Labor vermehrt werden können.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Albrecht Müller, T (0931) 201-3848, Fax (0931) 201-3835, E-Mail: albrecht.mueller@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Blutzelle Gewebe Organ Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen
17.08.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht Forschende entschlüsseln das Alter feiner Baumwurzeln
17.08.2018 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics