Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ungebetene sechsbeinige Gäste bei der Weihnachtsbäckerei

15.12.2006
Vorratsschutz-Experten der Biologischen Bundesanstalt geben Ratschläge zur Lagerung von Vorräten und Bekämpfung der Schädlinge im Haushalt und testen handelsübliche Verpackungen

Die Weihnachtsbäckerei ist im vollen Gange. Gemahlene Mandeln, Haselnüsse, Trockenfrüchte und Gewürze stapeln sich in den Supermarkt-Regalen und in privaten Haushalten. Die Zutaten für die eigenhändig fabrizierten Leckereien ziehen Vorratsschädlinge magisch an. Damit der heimische Küchenschrank nicht zur Brutstätte ungeliebter Gäste wird, sollten einige Regeln beachtet werden.

Die Weihnachtszutaten sollten möglichst rasch aufgebraucht werden. "Keinesfalls die Reste für längere Zeit in offenen Tüten aufbewahren", sagt Dr. Cornel Adler vom Institut für Vorratsschutz der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA). Er empfiehlt, die Inhalte in luftdicht schließende Gläser oder Kunststoffgefäße umzufüllen. Plätzchen und Zutaten sollten nicht dauerhaft in Blechdosen verbleiben. Zerkleinerte Nüsse sind im Kühlschrank besser aufgehoben.

Der häufigste Vorratsschädling ist die Dörrobstmotte (Plodia interpunctella). Die Mottenart befällt Getreide und Getreideprodukte, Trockenfrüchte, Nüsse, Mandeln, Erdnüsse und Schokolade. Nussschokolade und Kekse mit Schokolade sind außerdem für Speichermotten (Ephestia elutella) attraktiv. Die Mehlmotte (Ephestia kuehniella) trägt ihr Leibgericht bereits im Namen, verschmäht aber auch ganze Getreidekörner, fertige Backwaren, Schokolade, Trockenobst und Erdnüsse nicht. In Zimt und Nelken gibt es keine Schadinsekten, da deren ätherische Öle insektizid wirken.

... mehr zu:
»BBA »Motte »Verpackung »Vorratsschädling

Bemerkt man die für Motten typischen Gespinstfäden in einer Backzutat, ist es wichtig alle weiteren Vorräte zu inspizieren. "Befallene Packungen sollten rasch entsorgt werden. Die Lagerung für drei Tage im Tiefkühler (minus 20 Grad Celsius) tötet sowohl lebende Insekten ab als auch außen abgelegte Eier an Tüten ohne augenscheinlichen Befall", berichtet Dr. Adler. Die Schränke sollten ausgesaugt und mit Seifenlauge feucht ausgewischt werden. Sind Motten schon länger im Haus, so müssen die Umgebung der befallenen Vorräte und Zimmerecken nach Kokons abgesucht werden, in denen sich die Mottenlarven verpuppen. Der Vorratsschutzexperte der BBA rät davon ab, Motten oder Käfer im Küchenbereich mit Chemie zu bekämpfen. "Diese Vorratsschädlinge wird man durch die beschriebenen Hygienemaßnahmen gut los und es besteht kein Risiko, dass Lebensmittel mit den chemischen Stoffen kontaminiert werden."

Oft kauft man die ungeliebten Untermieter mit der Ware ein. Damit dies nicht passiert, unternimmt auch die Lebensmittel verarbeitende Industrie gezielt Anstrengungen. Das A und O sind hierbei die Verpackungen. Regelmäßig testen Wissenschaftler der BBA Verpackungen auf ihre Insektendichtigkeit. "Häufig erweisen sich dabei die Verschlüsse und Nähte als Schwachstelle. Andere Beutel sind zunächst dicht, werden aber z.B. durch die Nadelwalzen der Transporteinrichtungen beschädigt", berichtet Dr. Adler.

Kleinste Löcher in Verpackungen werden am Vorratsschutzinstitut der BBA in Berlin mit zwei Methoden aufgespürt: Zum einen werden leere Packungen mit spezieller Farblösung gefüllt, um undichte Stellen zu markieren. Zum anderen werden volle Verpackungen mit lebenden Motten in Wannen zusammengebracht. Die Insekten finden kleinste Löcher in den Verpackungen. Dörrobstmotten legen ihre Eier rund um die Öffnungen, z.B. die Laschen einer Faltschachtel. So stellen sie sicher, dass ihr Nachwuchs gleich nach dem Schlupf genug Nahrung vorfindet. Nach dem Tod der Mütter werden die Wannen noch weitere 3 Wochen bei 25 Grad bebrütet. Dann wird nach Larven gesucht. Aus Kooperationen der BBA u. a. mit dem Forschungskreis der Ernährungsindustrie sind marktgängige, insektendichte Papierbeutel und Faltschachteln hervorgegangen, die den Eindringlingen Stand halten. Auch Polyethylen- Polypropylen, Acetat- oder andere Kunststofffolien lassen sich insektendicht verschweißen. Allerdings sind diese insektendichten Verkaufsverpackungen nicht überall zum Einsatz.

Kontakt:
Dr. Cornel Adler
Institut für Vorratsschutz
Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft
Königin-Luise-Str. 19, 14195 Berlin
Tel.: 030 / 8304-2502
E-Mail: c.adler(at)bba.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.bba.bund.de
http://www.bba.bund.de/cln_045/nn_805044/DE/veroeff/popwiss/pdfs/krabbeltierekueche.html

Weitere Berichte zu: BBA Motte Verpackung Vorratsschädling

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen
17.08.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht Forschende entschlüsseln das Alter feiner Baumwurzeln
17.08.2018 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics