Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Oktopus-Haut als Superreflektoren

11.12.2006
Forscher lüften Geheimnisse der Tarnung von Kopffüßern

Jene Moleküle, die die Haut der Oktopusse schnell an die Umgebung anpassen lassen können, wollen Forscher nun als Super-Reflektoren im Hightech-Bereich nutzen. Kraken können ihre Körperfarbe rasch an die Umgebung anpassen, um so Feinden gezielt zu entgehen, aber auch um erfolgreich zu jagen. Das Forscherteam um Roger Hanlon von dem Marine Biological Laboratory in Woods Hole, Massachusetts, hat in der Haut der Tiere bisher unbekannte Proteine entdeckt, die wirklich erstaunliche Eigenschaften aufweisen, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature-Online.

Das Wissenschaftsteam hat festgestellt, dass die unterste Hautschicht des Oktopus aus reflektierenden Zellen, so genannten Leucophoren besteht. Diese bestehen aus durchscheinenden, farblosen und reflektierenden Proteinen. "Solche Proteinreflektoren sind ziemlich seltsam im Tierreich", meint der Zoologe Hanlon, der sich seit Jahren mit Kopffüßern beschäftigt. Das Sensationelle an diesen Reflektoren ist jedoch, dass sie alle Wellenlängen von Licht reflektieren können. "Die wirken praktisch wie Breitband-Reflektoren", meint Hanlon beim Treffen der Materials Research Society in Boston. Im Resultat bedeutet dies, dass es sich um ein Material handelt, das anfangs weiß im weißen Licht und blau im blauen Licht erscheint. "Die Zellen gleichen sich auch an die Intensität des vorherrschenden Lichts an", meint Hanlons Forscherkollegin Lydia Mathger.

Die nähere Betrachtung der Oktopushaut macht aber auch noch etwas anderes deutlich: Hier gibt es noch weitere reflektierende Elemente - Iridophoren. Das sind Zellen aus dünnen Chitinplättchen, die wie ein Interferenzfilter arbeiten und in blauen, grünen und silbernen Farbtönen schillern. An den hellsten Stellen gleicht die Zahl der Iridophoren jener der Leucophoren eins zu eins. "Wie die Iridophoren die Helligkeit verstärken, ist noch nicht genau geklärt, da diese 3-D-Zellen sehr komplex sind", meint Hanlon.

... mehr zu:
»Iridophoren »Kraken »Oktopus »Protein

Die Tarnung der Kraken gehört zu den faszinierendsten Schauspielen der Natur, berichtet schon das Standardwerk Brehm's Tierleben von 1884. "Neben dem raschen Farbwechsel kann der Oktopus nämlich auch die Hautoberfläche von glatt bis warzenartig verändern - je nachdem auf welchem Untergrund er sich gerade aufhält und in welcher Stimmung er gerade ist", so der Biologe Jörg Ott vom Institut für Meeresbiologie an der Universität Wien http://www.univie.ac.at/marine-biology im pressetext-Interview. "Zahlreiche Wissenschaftler haben sich deshalb sehr intensiv mit den Kraken und ihren Leistungen beschäftigt", erklärt Ott. "Die Kopffüßer gehören zu den niederen Tieren mit den höchsten Hirnleistungen. Sie sind darüber hinaus auch sehr lernfähig", berichtet der Experte. Ein Oktopus ist in der Lage, das Verhalten eines Artgenossen - etwa das Öffnen eines verschlossenen Glases mit einem Beutetier - zu verstehen und nachzuahmen. "Unter den wirbellosen Tieren haben die Kraken das größte Gehirn", so Ott. Ein Grund für diese zum Teil immer noch unerforschten Verhaltensweisen der Tiere liege darin, dass der Lebensraum der Kraken räumlich sehr komplex ist. Zudem ist sein Beutespektrum sehr hoch, meint der Forscher abschließend.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.mbl.edu
http://www.nature.com

Weitere Berichte zu: Iridophoren Kraken Oktopus Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Stoffwechsel-Innovation in der Evolution von E. coli entstand durch eine einzige Genübertragung
19.12.2018 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Natürliche Nanofasern aus Zellulose
19.12.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: New megalibrary approach proves useful for the rapid discovery of new materials

Northwestern discovery tool is thousands of times faster than conventional screening methods

Different eras of civilization are defined by the discovery of new materials, as new materials drive new capabilities. And yet, identifying the best material...

Im Focus: Wie Bakterien ein Antibiotikum ausschalten

Forscher des HZI und HIPS haben entdeckt, dass resistente Bakterien den Wirkstoff Albicidin mithilfe eines massenhaft gebildeten Proteins einfangen und inaktivieren

Gegen die immer häufiger auftauchenden multiresistenten Keime verlieren gängige Antibiotika zunehmend ihre Wirkung. Viele Bakterien haben natürlicherweise...

Im Focus: How bacteria turn off an antibiotic

Researchers from the HZI and the HIPS discovered that resistant bacteria scavenge and inactivate the agent albicidin using a protein, which they produce in large amounts

Many common antibiotics are increasingly losing their effectiveness against multi-resistant pathogens, which are becoming ever more prevalent. Bacteria use...

Im Focus: Wenn sich Atome zu nahe kommen

„Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält“ - dieses Faust’sche Streben ist durch die Rasterkraftmikroskopie möglich geworden. Bei dieser Mikroskopiemethode wird eine Oberfläche durch mechanisches Abtasten abgebildet. Der Abtastsensor besteht aus einem Federbalken mit einer atomar scharfen Spitze. Der Federbalken wird in eine Schwingung mit konstanter Amplitude versetzt und Frequenzänderungen der Schwingung erlauben es, kleinste Kräfte im Piko-Newtonbereich zu messen. Ein Newton beträgt zum Beispiel die Gewichtskraft einer Tafel Schokolade, und ein Piko-Newton ist ein Millionstel eines Millionstels eines Newtons.

Da die Kräfte nicht direkt gemessen werden können, sondern durch die sogenannte Kraftspektroskopie über den Umweg einer Frequenzverschiebung bestimmt werden,...

Im Focus: Datenspeicherung mit einzelnen Molekülen

Forschende der Universität Basel berichten von einer neuen Methode, bei der sich der Aggregatzustand weniger Atome oder Moleküle innerhalb eines Netzwerks gezielt steuern lässt. Sie basiert auf der spontanen Selbstorganisation von Molekülen zu ausgedehnten Netzwerken mit Poren von etwa einem Nanometer Grösse. Im Wissenschaftsmagazin «small» berichten die Physikerinnen und Physiker von den Untersuchungen, die für die Entwicklung neuer Speichermedien von besonderer Bedeutung sein können.

Weltweit laufen Bestrebungen, Datenspeicher immer weiter zu verkleinern, um so auf kleinstem Raum eine möglichst hohe Speicherkapazität zu erreichen. Bei fast...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Natürliche Nanofasern aus Zellulose

19.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Studie zu Mikroben-DNA: Künstliche Intelligenz hilft, die Umwelt zu überwachen

19.12.2018 | Studien Analysen

Stoffwechsel-Innovation in der Evolution von E. coli entstand durch eine einzige Genübertragung

19.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics