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Stadt-Meisen singen lauter und schneller

05.12.2006
Urbane Vögel verändern ihr Verhalten, um gehört zu werden

Dass das Stadtleben nicht nur Menschen schneller werden lässt, sondern auch bei Tieren zu Verhaltensänderungen führt, haben niederländische Forscher nun festgestellt. Kohlmeisen, die in urbaner Umgebung leben, singen lauter und schneller als ihre Artverwandten auf dem Land, berichten die Biologen um Hans Slabbekoorn von der Universität Leiden in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Current Biology.

Zwei wesentliche Zwecke erfüllt der Gesang der Kohlmeisen (Parus major): Einerseits dient er der territorialen Verteidigung, andererseits soll er Weibchen anlocken. Durch den Verkehrslärm sind die Tiere dazu gezwungen, ihren Gesang zu verändern, um überhaupt gehört zu werden. "Schnelles, mehrfach wiederholtes Trillern übertönt den Verkehrslärm, der in niedrigen Frequenzen tönt, besser. Umgekehrt sind langsame Töne in der dichten Vegetation besser übertragbar", meint der Biologe, der bei Kohlmeisen in der Stadt Leiden zuvor festgestellt hatte, dass der urbane Lebensraum je nach Besiedelung der Meisen Ausschlag auf ihren Gesang hatte - je nach dem, ob die Vögel an frequentierten Straßen oder in ruhigeren Parks wohnten. "Wenn die Vögel auch in der Stadt in den niedrigen Frequenzen singen würden, würden sie die Möglichkeiten zur Kommunikation verlieren", meint Slabbekoorn. "Der Verzicht auf die niedrigen Frequenzen scheint entscheidend für das Überleben in dieser Umgebung zu sein."

Die Expansion der Städte macht diese Art der Untersuchungen zu einem interessanten Feld, meinen Forscher. Offensichtlich sind nämlich nicht alle Tiere gleich gut an die neue Umgebung angepasst. Zebrafinken etwa lernen ihre Sing-Melodie in den ersten Monaten ihres Lebens und können, so glauben die Wissenschaftler, später ihren Gesang kaum mehr verändern. "Wir haben sehr limitierte Daten über die verschiedenen Spezies und ihre Anpassung an das Leben in den Ballungsräumen", meint Slabbekoorn. Es wäre also auch sehr interessant herauszufinden, welche Tierarten bereits aus den Städten gänzlich verschwunden sind. Mit mehr Informationen darüber, wie empfindlich die einzelnen Vögel auf die Lärmentwicklung in den Städten reagieren, könnte es auch leichter werden, einige der Konsequenzen des Straßenverkehrs - vor allem bei Neubauten durch Naturgebiete - vorhersehbar zu machen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.current-biology.com
http://www.leidenuniv.nl

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