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Giftfrösche leiden unter Giftmangel

09.11.2006
Habitatzerstörung macht Amphibien wehrlos gegen Feinde

Die Zerstörung des Lebensraumes bringt die Tier- und Pflanzenwelt stark unter Druck. Nun haben Forscher der Cornell University in Ithaca/New York entdeckt, dass Giftfrösche in Madagaskar deutlich an Toxizität verloren haben. Die Alkaloide, die die Forscher in den Fröschen finden konnten, waren deutlich geringer als in Studien zuvor. Für die kleinen bunten Frösche bedeutet dies, dass sie Feinden mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert sind, berichtet das Wissenschaftsmagazin National Geographic.

Die Chemikerin Valerie Clark und ihr Team hatten Frösche in den Regenwäldern untersucht und entdeckt, dass diese bis zu 30 verschiedene Alkaloide in ihrer Haut tragen. Im Vergleich dazu tragen jene Frösche, die in Wäldern nahe von landwirtschaftlichen Anbaugebieten vorkamen, nur insgesamt 12 verschiedene Alkaloide auf ihrer Haut. Alkaloide wie etwa Koffein, Nikotin und Kokain sind bitter schmeckende basische Verbindungen, die für Menschen und Säugetiere giftig sind. In vergangenen Studien haben Forscher festgestellt, dass die Alkaloide in den Fröschen über ihre Nahrung, meist Ameisen oder andere Insekten, aufgenommen werden. "Die Gifte zur Abwehr von Feinden über die Nahrung aufzunehmen, ist sehr intelligent, denn es erspart den Tieren die Energie zur Biosynthese, um selbst Gifte herstellen zu müssen", so Clark.

Forscher haben sich für die Gifte der Amphibien schon seit einiger Zeit interessiert, denn wie auch andere Substanzen könnten diese in der Humanmedizin durchaus positive Wirkungen entfalten. "Obwohl die Alkaloide in der Amphibienhaut Insekten abhalten können, werden diese wohl nie als Repellentien Verwendung finden, weil sie zu giftig sind", meint der Pharmakologe John Daly vom National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases in Bethesda. Daly ist Experte auf dem Gebiet der Identifizierung von bioaktiven Alkaloiden in Giftfröschen. Allerdings gebe es andere Anwendungsbereiche für diese Substanzen wie etwa Autoimmunerkrankungen.

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Auch Daly hat in Panama ähnliche Erfahrungen mit der Abnahme der Alkaloide auf der Froschhaut gemacht wie Clark. Gemeinsam mit Forscherkollegen der Florida International University hat der Forscher entdeckt, dass ein kleiner Tausendfüssler einer der Hauptlieferanten für die Alkaloide ist. In weiteren Untersuchungen wollen die Wissenschaftler nun feststellen, ob die Fragmentierung des Regenwaldes tatsächlich mit der Abnahme der Gifte in der Froschhaut einhergeht. Bereits in vorhergehenden Untersuchungen anderer Wissenschaftler wurde festgestellt, dass "Wald-Inseln ohne Korridore" zu den am meisten gefährdeten Zonen gehören. Dort nimmt die gesamte Biodiversität extrem ab, zurück bleibt lediglich ein Stück leerer Wald. Wenn die knallbunten Frösche ihr Abwehr-Gift verlieren, befürchten Forscher, könnte das ihr Ende bedeuten, denn die Fressfeinde würden sich von den Signalfarben allein nicht ewig täuschen lassen.

"Obwohl die beiden Froscharten - es handelt sich um die süd- und mittelamerikanischen Dendrobatidae, die auch als Pfeilgiftfrösche bezeichnet werden und die madegassischen Mantella-Frösche - nicht miteinander verwandt sind, weisen sie jedoch große Ähnlichkeiten im Verhalten und auch in der Optik auf", so der Ökologe Peter Weish von der Universität für Bodenkultur in Wien im pressetext-Interview. "Das Gift der Pfeilgiftfrösche dient nicht nur zur Abwehr von Feinden, sondern schützt sie auch vor Bakterien und Pilzen auf der Haut." Die Abnahme des Giftes sei auch bei Terrarienhaltern aufgefallen. Weish berichtet auch darüber, dass Amphibienexperten in Costa Rica davon berichten, dass die Dichte der Tiere in den vergangenen 15 Jahren stetig abgenommen habe.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nationalgeographic.com
http://www.boku.ac.at

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