Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftliche Sensation: 200-jährige Samen keimen

21.09.2006
Südafrikanische Pflanzen gedeihen in den Kew Gardens

Einem britischen Forscherteam um den Wissenschaftler Matt Daws von den Royal Botanic Gardens Kew ist es gelungen, 200 Jahre alte Samen zum Keimen zu bringen. In der Geschichte der Botanik handelt es sich um eine Sensation, wie auch BBC-Online berichtet. Die Samen, die vom Holländer Jan Teerlink 1802/3 in Kapstadt erworben wurden, lagen in einem Notizbuch und wurden vor einigen Monaten dem botanischen Garten in Kew übergeben.

"Ehrlich gesagt, glaubten wir nicht daran, dass diese Samen noch keimen würden", so Matt Daws im pressetext-Interview. "Da die kleinen Papierbriefchen, in denen sich die Körner befunden hatten, genau beschrieben waren, konnten wir feststellen, dass die Pflanzensamen aus Südafrika kamen." Da das Klima in der Kap-Region ähnlich jenem im Mittelmeerraum ist, probierten die Forscher eine Keimung über Rauch aus. Sie imitierten ein Buschfeuer. "Tatsächlich haben zwei Samen bereits nach knapp zehn Tagen zu keimen begonnen, andere erst nach drei Monaten", so der Wissenschaftler, der als Experte in der Millennium Seed Bank tätig ist. "Wenn man bedenkt, dass die Samen mindestens ein Jahr lang mit dem preußischen Schiff "Henriette" von Südafrika nach Europa unterwegs waren, das dann von den Briten mit all seiner Fracht erbeutet wurde und im Tower von London lagerten, ehe sie vor zehn Jahren in die National Archives überstellt wurden, ist es ein echtes Wunder", so der Forscher.

Im Mai haben die Wissenschaftler dann die Samen erhalten. "Üblicherweise probieren wir unter solchen Umständen verschiedene Möglichkeiten aus. Da es aber nur 32 Samen waren, war das nicht möglich", meint Daws. Offensichtlich war Daws Versuch erfolgreich: Bei der einen Spezies handelt es sich um die Hülsenfrucht Liparia villosa, bei den beiden anderen handelt es sich um zwei noch nicht genau identifizierte Acacia- sowie eine Protea-Spezies. "Bei der Liparia haben von 25 Samen insgesamt 16 gekeimt. Das Problem bei der Acacia war sehr kompliziert. Hier hatten wir nur zwei Samen, wobei einer durch Insekten bereits zerstört war", erklärt Daws.

... mehr zu:
»Keime »Samen

Neben der genauen Datierung auf den kleinen Briefchen und im Notizbuch, ergaben auch Karbonmessungen, dass die Samen mindestens 150 Jahre alt sein mussten, so der Forscher. "Das sind nicht die ältesten Samen, die zum Keimen gebracht wurden", meint Daws. Ein in der Mandschurei gefundener Lotus-Samen, der auf ein Alter von 1.200 Jahren datiert wurde, ist in einem US-Labor zum Keimen gebracht worden", berichtet der Wissenschaftler. Dies sei auch wissenschaftlich beschrieben worden. Hingegen gebe es für die 2.000 Jahre alten Dattel-Samen, die angeblich zum Keimen gebracht wurden, keine wissenschaftlichen Berichte. "Das besondere an den nun gezogenen Samen ist jedoch, dass die Lagerung nicht wirklich sorgsam war", so der Forscher. "Wenn die Pflanzen ein wenig älter geworden sind, werden wir genetische Analysen durchführen und die alten Pflanzen mit den modernen vergleichen. Dadurch wollen wir Unterschiede in der Flora der Kap-Region herausarbeiten", meint Daws abschließend.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.rbgkew.org.uk
http://www.kew.org

Weitere Berichte zu: Keime Samen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Antibiotika aus dem Meer
18.11.2019 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Auch parasitische Wespen machen Fettsäuren selbst
18.11.2019 | Universität Regensburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neu entwickeltes Glas ist biegsam

Eine internationale Forschungsgruppe mit Beteiligung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat ein Glasmaterial entwickelt, das sich bei Raumtemperatur bruchfrei verformen lässt. Das berichtet das Team aktuell in "Science". Das extrem harte und zugleich leichte Material verspricht ein großes Anwendungspotential – von Smartphone-Displays bis hin zum Maschinenbau.

Gläser sind ein wesentlicher Bestandteil der modernen Welt. Dabei handelt es sich im Alltag meist um sauerstoffhaltige Gläser, wie sie etwa für Fenster und...

Im Focus: Images from NJIT's big bear solar observatory peel away layers of a stellar mystery

An international team of scientists, including three researchers from New Jersey Institute of Technology (NJIT), has shed new light on one of the central mysteries of solar physics: how energy from the Sun is transferred to the star's upper atmosphere, heating it to 1 million degrees Fahrenheit and higher in some regions, temperatures that are vastly hotter than the Sun's surface.

With new images from NJIT's Big Bear Solar Observatory (BBSO), the researchers have revealed in groundbreaking, granular detail what appears to be a likely...

Im Focus: Veränderungen der Chiralität von Molekülen in Echtzeit beobachten

Chirale Moleküle – Verbindungen, die als Bild und Spiegelbild vorkommen – spielen eine wichtige Rolle in biologischen Prozessen und in der chemischen Synthese. Chemikern der ETH Zürich ist es nun erstmals gelungen, mit Hilfe von Ultrakurzzeit-Laserpulsen Änderungen der Chiralität während einer chemischen Reaktion in Echtzeit zu beobachten.

Manche Moleküle können in zwei spiegelbildlichen Formen existieren, ähnlich wie unsere Hände. Obwohl solche sogenannten Enantiomere fast identische...

Im Focus: Durchbruch in der Malariaforschung

Eine internationale Forschungsgruppe um den Zellbiologen Volker Heussler von der Universität Bern hat hunderte genetische Schwachstellen des Malaria-Parasiten Plasmodium identifiziert. Diese sind in der Medikamenten- und Impfstoffentwicklung dringend erforderlich, um die Krankheit dereinst ausrotten zu können.

Trotz grosser Anstrengungen in Medizin und Wissenschaft, sterben weltweit immer noch mehr als 400'000 Menschen an Malaria. Die Infektionskrankheit wird durch...

Im Focus: Bauplan eines bakteriellen Kraftwerks entschlüsselt

Wissenschaftler der Universität Würzburg und der Universität Freiburg gelang es die komplexe molekulare Struktur des bakteriellen Enzyms Cytochrom-bd-Oxidase zu entschlüsseln. Da Menschen diesen Typ der Oxidase nicht besitzen, könnte dieses Enzym ein interessantes Ziel für neuartige Antibiotika sein.

Sowohl Menschen als auch viele andere Lebewesen brauchen Sauerstoff zum Überleben. Bei der Umsetzung von Nährstoffen in Energie wird der Sauerstoff zu Wasser...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Antibiotika aus dem Meer

18.11.2019 | Biowissenschaften Chemie

Lebende Brücken: Mit alten indischen Bautechniken moderne Städte klimafreundlich gestalten

18.11.2019 | Architektur Bauwesen

„Moonwalk“ für die Wissenschaft zeigt Verzerrungen im räumlichen Gedächtnis

18.11.2019 | Studien Analysen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics