Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pflanzen mobilisieren keine Schwermetalle in MVA-Schlacke

16.01.2002


Diese Prozesse können zur Ansäuerung der alkalischen Bodenlösung von mit Vegetation bedeckter MVA-Schlacke auf einer Deponie und damit zu einer Mobilisierung von Schwermetallen führen. Gezeigt ist eine Pflanze namens Rotschwingel


Können Pflanzen, die in deponierter Müllschlacke wurzeln, dort Schwermetalle mobil machen? Das wollen Botaniker von der Universität Würzburg herausfinden. Das Bayerische Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen hat jetzt die Mittel für ein entsprechendes Forschungsprojekt von Prof. Dr. Hartmut Gimmler und Dr. Markus Woitke um 345.000 auf insgesamt 763.000 Mark aufgestockt.

... mehr zu:
»MVA-Schlacke »Schwermetall

Das Projekt der Würzburger Pflanzenwissenschaftler wird im Rahmen des Bayerischen Forschungsverbundes BayFORREST (Abfallforschung und Reststoffverwertung) gefördert. Es läuft in Kooperation mit dem Forschungs- und Entwicklungszentrum Sondermüll (FES) in Schwabach.

Im Mittelpunkt stehen Schlacken, die in Müllverbrennungsanlagen (MVA) anfallen. Geochemischen Modellen zufolge werden aus solchen Schlacken erst nach Jahrhunderten bis Jahrtausenden verstärkt Schwermetalle freigesetzt. Bei diesen Voraussagen wurden nach Angaben der Würzburger Botaniker bislang allerdings nur unbelebte Einflüsse wie Niederschlag oder Mineralisierung berücksichtigt.


Was aber passiert, wenn Pflanzen in der Schlacke wurzeln? Hier erforschen Gimmler und Woitke vor allem, ob Pflanzenwurzeln die MVA-Schlacke so stark ansäuern können, dass es zu einer erhöhten Mobilisierung von Schwermetallen und zu einem verstärkten Transfer dieser Metalle in die Pflanze kommen kann.

Die Forscher haben zum Beispiel bewachsene mit unbewachsenen Schlackeflächen verglichen. Dabei haben sie bislang unter anderem herausgefunden, dass aus beiden Flächen selbst nach längerer Zeit kein erhöhter Austrag von Schwermetallen ins Grundwasser erfolgt. Das liege einerseits an der hohen Pufferkapazität der Schlacke, andererseits an der geringen Wurzeltiefe von auf Schlacke wachsenden Pflanzen und an der relativ geringen Ansäuerungskapazität ihrer Wurzeln. Allerdings nehme die Vegetation auf Schlackeflächen wegen des erhöhten Angebots im Vergleich zu den Kontrollböden mehr Schwermetalle auf. Prof. Gimmler: "Die gemessenen Gehalte sind allerdings weder bedenklich für die Pflanze selber noch für potenzielle Nahrungsketten."

Die experimentellen Daten des Projekts fließen in ein geochemisches Rechenmodell ein, mit dem sich die Pufferkapazität von MVA-Schlacke modellieren lässt. Mit diesem Computermodell könne, so Gimmler, die langfristige Umweltverträglichkeit der Schlacke nachgewiesen werden. Heutzutage werde MVA-Schlacke weitgehend nicht mehr deponiert, sondern im Tiefbau als Ersatz für den Baustoff Sand eingesetzt.

Über einen Nebenaspekt des Forschungsvorhabens berichten Woitke und Gimmler in einer Broschüre, für die sie vom Staatsministerium einen Druckkostenzuschuss von 10.000 Mark erhalten haben. Wie die Wissenschaftler darin schreiben, erweise sich entgegen der Erwartung vieler Naturschützer die Reststoffdeponie Hopferstadt (Landkreis Würzburg) unbeabsichtigter Weise als Biotop für viele Pflanzen, die in der Kulturlandschaft keinen Lebensraum mehr finden, ja sogar als "Trittstein" für die Vermehrung selten gewordener Pflanzen. Die Artenvielfalt auf dem Deponiegelände sei deutlich höher als in der unmittelbaren Umgebung, welche die Autoren als artenarme "Kultursteppe" einstufen. Der Erhalt der Artenvielfalt ist eine Forderung der Agenda 21. Die Broschüre ist ab Januar 2002 bei den Autoren kostenlos zu erhalten.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Hartmut Gimmler, Tel. (0931) 888-6114, Fax (0931) 888-6157, E-Mail: gimmler@botanik.uni-wuerzburg.de


Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.botanik.uni-wuerzburg.de/bot1/akgimmler/projekte.html

Weitere Berichte zu: MVA-Schlacke Schwermetall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Corona-Forschung an BESSY II: Zwei Tage Messbetrieb für die Suche nach dem richtigen Schlüssel
02.04.2020 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

nachricht Mehr Vielfalt: Öko-Landwirtschaft bietet Heimat für 60% mehr Schmetterlingsarten
02.04.2020 | Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenimaging: Unsichtbares sichtbar machen

Verschränkte Lichtteilchen lassen sich nutzen, um Bildgebungs- und Messverfahren zu verbessern. Ein Forscherteam am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena hat eine Quantenimaging-Lösung entwickelt, die in extremen Spektralbereichen und mit weniger Licht genaueste Einblicke in Gewebeproben ermöglichen kann.

Optische Analyseverfahren wie Mikroskopie und Spektroskopie sind in sichtbaren Wellenlängenbereichen schon äußerst effizient. Doch im Infrarot- oder...

Im Focus: Sensationsfund: Spuren eines Regenwaldes in der Westantarktis

90 Millionen Jahre alter Waldboden belegt unerwartet warmes Südpol-Klima in der Kreidezeit

Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Geowissenschaftlern des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI)...

Im Focus: A sensational discovery: Traces of rainforests in West Antarctica

90 million-year-old forest soil provides unexpected evidence for exceptionally warm climate near the South Pole in the Cretaceous

An international team of researchers led by geoscientists from the Alfred Wegener Institute, Helmholtz Centre for Polar and Marine Research (AWI) have now...

Im Focus: Blockierung des Eisentransports könnte Tuberkulose stoppen

Tuberkulose-Bakterien brauchen Eisen zum Überleben. Wird der Eisentransport in den Bakterien gestoppt, so kann sich der Tuberkulose-Erreger nicht weiter vermehren. Nun haben Forscher der Universität Zürich die Struktur des Transportproteins ermittelt, das für die Eisenzufuhr zuständig ist. Dies eröffnet Möglichkeiten zur Entwicklung neuer Medikamente.

Einer der verheerendsten Erreger, der sich im Inneren menschlicher Zellen vermehren kann, ist Mycobacterium tuberculosis – der Bazillus, der Tuberkulose...

Im Focus: Blocking the Iron Transport Could Stop Tuberculosis

The bacteria that cause tuberculosis need iron to survive. Researchers at the University of Zurich have now solved the first detailed structure of the transport protein responsible for the iron supply. When the iron transport into the bacteria is inhibited, the pathogen can no longer grow. This opens novel ways to develop targeted tuberculosis drugs.

One of the most devastating pathogens that lives inside human cells is Mycobacterium tuberculosis, the bacillus that causes tuberculosis. According to the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungen

Europäischer Rheumatologenkongress EULAR 2020 wird zum Online-Kongress

30.03.2020 | Veranstaltungen

“4th Hybrid Materials and Structures 2020” findet web-basiert statt

26.03.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Quantenimaging: Unsichtbares sichtbar machen

02.04.2020 | Physik Astronomie

Innovative Materialien und Bauelemente für die Terahertz-Elektronik

02.04.2020 | Materialwissenschaften

Besser gewappnet bei Überflutungen in der Stadt

02.04.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics