Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Südtiroler Genforscher entdecken vierte RLS-Chromosomenregion

06.09.2006
In den abgelegenen Tälern des Vinschgau in Südtirol forscht das Institut für Genetische Medizin der Europäischen Akademie Bozen (EURAC) seit vier Jahren nach möglichen genetischen Ursachen häufiger Krankheiten, wie Parkinson, Migräne oder Gallensteine.

Mikroisolate nennen die Experten jene abgelegenen Bevölkerungsinseln, in denen sich das Erbgut der Menschen über Jahrhunderte nahezu unverändert erhalten hat und die demnach ideale Voraussetzungen für die Genforschung bieten. Jetzt kann das Team um den Neurologen Peter Pramstaller seinen ersten ganz großen Erfolg verzeichnen: Die EURAC-Genetiker haben die weltweit vierte Chromosomenregion entdeckt, die für das Syndrom der unruhigen Beiden (Restless Legs Syndrome - RLS) verantwortlich ist.

RLS kennt man auch als "Zappelbeine" oder "quälende Unruhe in der Nacht". Rund 10% der Bevölkerung leidet an der Krankheit. Damit zählt sie zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen und tritt genauso häufig auf wie Migräne.

RLS kann den Patienten in schweren Fällen qualvolle Nächte bereiten: die Beschwerden zeigen sich vor allem abends oder in der Nacht, aber auch tagsüber in Ruhephasen. "Die Patienten spüren ein quälendes Ziehen, Jucken, Kribbeln oder Reißen in den Beinen, seltener auch in den Armen, das meist vergeht oder sich bessert, wenn sie sich aktiv bewegen", erklärt Pramstaller die Symptome der Erkrankung. "Schlaf- und Konzentrationsstörungen sind die Folge, nicht selten kommen auch Depressionen hinzu."

... mehr zu:
»Gen »RLS »RLS-Chromosomenregion

Weltweit suchen Forschungsinstitute seit Jahren nach den Ursachen. Zahlreiche Forschungsgruppen versuchen derzeit, das oder die krankheitsverursachenden Gene ausfindig zu machen. Bisher konnten drei Forscherteams aus Montreal, Mailand und Cleveland je eine chromosomale Regionen identifizieren, die mit RLS in Verbindung steht.

Dem EURAC-Team ist es mit seinen Forschungen im Vinschgau nun gelungen, die vierte und bislang kleinste Region zu finden.

"Die Identifikation involvierter Chromosomenregionen, in unserem Fall RLS-4, schafft erst die Voraussetzung, überhaupt nach verantwortlichen Genen zu suchen", erläutert Pramstaller die Folgen der EURAC-Entdeckung für die internationale RLS-Forschung. Weltweit versuche man nun in einem nächsten Schritt das oder die verantwortlichen Gene ausfindig zu machen. "Wird das Gen gefunden, kann dies der Schlüssel für ein besseres Verständnis der Krankheitsentstehung sein und gezieltere Behandlungsansätze ermöglichen", zeigt sich Pramstaller zuversichtlich.

Die Forschungsergebnisse der EURAC werden im Herbst von der renommierten Fachzeitschrift "American Journal of Human Genetics" publiziert und auf Kongressen in New Orleans und Kyoto vorgestellt.

Julia Reichert | idw
Weitere Informationen:
http://www.eurac.edu

Weitere Berichte zu: Gen RLS RLS-Chromosomenregion

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Behandlungsansatz für Juckreizgeplagte
15.08.2018 | Universität Zürich

nachricht Cholestase: Riss in Lebermembran lässt Galle abfließen
15.08.2018 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Macht Sinn: Fraunhofer entwickelt Sensorsystem für KMU

15.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

15.08.2018 | Informationstechnologie

FKIE-Wissenschaftler präsentiert neuen Ansatz zur Detektion von Malware-Daten in Bilddateien

15.08.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics