Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biologe untersucht gesundheitsfördernde Wirkstoffe in Pflanzen - Für einige Pflanzen Schädlingsabwehr, für Menschen gesund

21.06.2006
In Asien erkranken laut einer Studie weniger Menschen an Brustkrebs als in westeuropäischen Ländern. In diesem Fall wird vermutet, dass sich das Erkrankungsrisiko durch Genistein verringert, einer Substanz, die in Sojapflanzen vorkommt. Genistein gehört zu einer Gruppe von pflanzlichen Wirkstoffen, die als Flavonoide bezeichnet werden. Bis jetzt sind über 6.000 unterschiedliche Substanzen bekannt und sie finden sich in pflanzlichen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse bis hin zu grünem Tee und kakaohaltiger Schokolade.

Herwig O. Gutzeit, Professor für Zoologie und Entwicklungsbiologie an der TU Dresden, erforscht zurzeit die Wirkung der Flavonoide auf Proteine in menschlichen und tierischen Zellen. Daraus sollen zum einen wichtige Rückschlüsse zum Beispiel für die Behandlungsmöglichkeiten von Krankheiten gezogen werden. Zum anderen wollen die Wissenschaftler für den Menschen eventuell gefährliche Wirkungen untersuchen.

Flavonoide werden vom Menschen mit der Nahrung aufgenommen. Sie binden im Organismus an bestimmte Proteine, können diese dadurch blockieren und deren Wirkung unterdrücken. Professor Gutzeit untersucht mit seiner Arbeitsgruppe die Wechselwirkung von Flavonoiden mit einigen Proteinen, die wichtige Funktionen in menschlichen Zellen haben. Nicht alle Proteine, die durch Flavonoide in ihrer Aktivität verändert werden, sind bereits bekannt. Es wird daher auch versucht, weitere Proteine zu identifizieren, deren Aktivität durch Flavonoide beeinträchtigt wird. Die so gefundenen Wechselwirkungen können für die Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung von Entzündungen, Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen genutzt werden.

Um die Wirksamkeit der Naturstoffe zu erhöhen, werden in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Organischen Chemie der TU Dresden auch chemisch gezielt veränderte Flavonoide getestet. Die Wirkung der Naturstoffe wird zunächst an ausgewählten und gereinigten menschlichen Proteinen überprüft und die vielversprechendsten Substanzen dann an Krebszellen des Menschen getestet. An spezialisierten Zelltypen aus Fischen wird die Wirkung der Substanzen genauer untersucht, beispielsweise auf die Bewegungsfähigkeit von Zellen. Die Fähigkeit von Krebszellen, im Körper zu wandern, ist bei der Bildung von Metastasen von Bedeutung.

... mehr zu:
»Flavonoide »Genistein »Protein »Wirkstoff

Eigentlich sind Flavonoide Polyphenole, die eine wichtige Rolle im Stoffwechsel vieler Pflanzen spielen. Einige schützen sich damit vor Schädlingen oder sie werden als Signalmoleküle für symbiotische Bakterien benutzt. Genistein hat sogar östrogene Wirkung. Die Arbeitsgruppe um Professor Gutzeit konnte zeigen, dass sich schon durch geringe Mengen dieses Flavonoids aus männlichen Fischembryonen vollkommen normale Weibchen entwickeln.

In den USA sind Flavonoide als Nahrungsmittelergänzung bereits im Handel erhältlich. Professor Gutzeit merkt allerdings an, dass die Wirkung in konzentrierter Form noch nicht ausreichend untersucht ist und eine toxische Wirkung nicht ausgeschlossen werden kann. Bei der Aufnahme mit Nahrungsmitteln gäbe es allerdings keine Bedenken.

Weitere Informationen: Prof. Dr. phil. habil. Herwig O. Gutzeit, Tel. 0351 463-37536, E-Mail: gutzeit@Rcs1.urz.tu-dresden.de

Kim-Astrid Magister | idw
Weitere Informationen:
http://www.biologie.tu-dresden.de/zoologie/dev-home.html

Weitere Berichte zu: Flavonoide Genistein Protein Wirkstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neues aus der Schaltzentrale
18.07.2018 | Karl-Franzens-Universität Graz

nachricht Chemische Waffe durch laterale Gen-Übertragung schützt Wollkäfer gegen schädliche Pilze
18.07.2018 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics