Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schützt der kalte Winter vor Insektenplagen im Sommer?

16.03.2006


Sind wir im kommenden Sommer vor Schädlingen, Mücken oder anderen lästigen Insekten sicher? Diese Frage wird wegen des strengen Winters derzeit oft gestellt. Es kursieren viele Geschichten mit mehr oder weniger wahrem Kern. Experten der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA), die sich mit vielen landwirtschaftlichen Schädlingen und Nützlingen - meist Insekten - beschäftigen, nehmen Stellung.

... mehr zu:
»Insekt »Milben »Schädling »Spinnen »Temperatur

Es ist bekannt, dass sich alle in mitteleuropäischen winterkalten Gebieten heimischen Insekten, Milben oder Spinnen gut an die hiesigen Witterungsbedingungen angepasst haben. Die Tiere befinden sich mit Einbruch des Winters in einem Überwinterungsstadium, haben sich ein dickes Polster an Reservestoffen angefressen und können so niedrige Temperaturen über lange Zeit ertragen. "Der Maiszünsler, ein wichtiger Schädling in Maiskulturen, kann gut geschützt im Maisstängel Temperaturen von -26 Grad Celsius über längere Zeit ohne Probleme überleben", so Dr. Bernd Hommel vom Institut für integrierten Pflanzenschutz der BBA. "Ganz gleich, ob es die Eier von Blattläusen, die ausgewachsenen Larven des Apfelwicklers oder erwachsene Marienkäfer oder Kartoffelkäfer sind, die überwintern: alle sind mit eigenen Strategien gewappnet, die Kälteperiode ohne Schaden zu überstehen". Viele Insekten und Spinnen haben obligatorisch eine Entwicklungspause (Diapause) eingeschaltet. Dies wird vererbt und ist an ein bestimmtes Stadium gebunden. Andere schalten eine Ruhephase ein, wenn es kälter wird und die Tage kürzer werden. Nur diejenigen, die bei einem milden Herbst diese Vorbereitungen "verpassen", haben dann bei einem strengen Winter wie in diesem Jahr keine Überlebenschance.

Die jetzt ungewöhnlich lang anhaltende Dauerkälte, verbunden mit relativer Trockenheit, schadet Insekten, Milben oder Spinnen nicht, da sie in ihrem sicheren Schutzzustand verbleiben. Erst, wenn eine für jede Art individuelle, so genannte "Temperatursumme" erreicht wird, wird das Ruhestadium aufgegeben und die Entwicklung fortgesetzt. "In diesem Jahr ist dieser Zeitpunkt mindestens zwei Wochen später als sonst, denn generell ist die Entwicklung in der Natur entsprechend "verspätet"", bestätigt Dr. Gerhard Bartels vom BBA-Institut für Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland.


"Ein feuchter Herbst und ein feuchtes Frühjahr verbunden mit einem nicht zu kalten Winter sind viel bedeutendere Faktoren, um Insektenpopulationen zu dezimieren", so Dr. Hommel. Pilze, die Insekten befallen, können sich dann gut entwickeln. Auch ein plötzlicher Kälteeinbruch im Mai (die Eisheiligen) kann Tieren wie Pflanzen wesentlich stärker schaden als im Winter. Die Kälteanpassung ist zu diesem Zeitpunkt schon aufgehoben und die Tiere sind auf Reproduktion eingestellt. Ob sich einzelne Arten in diesem Sommer besonders gut entwickeln können, hängt daher viel von den Witterungsbedingungen im Frühjahr ab.

Fazit: Insekten sind Überlebenskünstler und haben außergewöhnliche Strategien entwickelt, um mit extremen Temperaturen, extremer Trockenheit und anderen Umwelteinflüssen fertig zu werden.

Hintergrundinformation "Temperatursumme"

Die "Temperatursumme" spielt eine große Rolle in Modellen, um das erste Auftreten von Schädlingen wie dem Kartoffelkäfer im Frühjahr vorhersagen zu können. Die Geschwindigkeit der Entwicklung wird bei Insekten, Milben, Spinnen (und anderen wechselwarmen Arten) vor allem von der Temperatur bestimmt. D. h. für einen bestimmten Temperaturbereich ist die Entwicklung der Tiere umso schneller, je höher die Temperatur ist und umso geringer, je niedriger sie ist (van’t Hoffsche Regel). Unterhalb einer bestimmten Temperatur (= Entwicklungsnullpunkt) findet keine Entwicklung mehr statt. Die mit einem technischen Gerät ermittelte effektive "Temperatursumme" akkumuliert nun jene Tageswerte, die unmittelbar oberhalb der Grenze von Entwicklungsruhe und Entwicklungsbeginn liegen. Bei bedeutenden Schädlingen konnte in Experimenten ermittelt werden, wie viel "Temperatursumme" effektiv notwendig ist, damit die Tiere ihre Winterruhe aufgeben und die Entwicklung fortsetzen.

Dr. Gerlinde Nachtigall | idw
Weitere Informationen:
http://www.bba.de

Weitere Berichte zu: Insekt Milben Schädling Spinnen Temperatur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Komplexe biologische Systeme können nicht ohne Chaos existieren
17.02.2020 | Universität Rostock

nachricht Neue Hauptdarsteller im Meeresboden: Eine bislang kaum beachtete Bakteriengruppe im Rampenlicht
17.02.2020 | Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lichtpulse bewegen Spins von Atom zu Atom

Forscher des Max-Born-Instituts für Nichtlineare Optik und Kurzpulsspektroskopie (MBI) und des Max-Planck-Instituts für Mikrostrukturphysik haben durch die Kombination von Experiment und Theorie die Frage gelöst, wie Laserpulse die Magnetisierung durch ultraschnellen Elektronentransfer zwischen verschiedenen Atomen manipulieren können.

Wenige nanometerdünne Filme aus magnetischen Materialien sind ideale Testobjekte, um grundlegende Fragestellungen des Magnetismus zu untersuchen. Darüber...

Im Focus: Freiburg researcher investigate the origins of surface texture

Most natural and artificial surfaces are rough: metals and even glasses that appear smooth to the naked eye can look like jagged mountain ranges under the microscope. There is currently no uniform theory about the origin of this roughness despite it being observed on all scales, from the atomic to the tectonic. Scientists suspect that the rough surface is formed by irreversible plastic deformation that occurs in many processes of mechanical machining of components such as milling.

Prof. Dr. Lars Pastewka from the Simulation group at the Department of Microsystems Engineering at the University of Freiburg and his team have simulated such...

Im Focus: Transparente menschliche Organe ermöglichen dreidimensionale Kartierungen auf Zellebene

Erstmals gelang es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, intakte menschliche Organe durchsichtig zu machen. Mittels mikroskopischer Bildgebung konnten sie die zugrunde liegenden komplexen Strukturen der durchsichtigen Organe auf zellulärer Ebene sichtbar machen. Solche strukturellen Kartierungen von Organen bergen das Potenzial, künftig als Vorlage für 3D-Bioprinting-Technologien zum Einsatz zu kommen. Das wäre ein wichtiger Schritt, um in Zukunft künstliche Alternativen als Ersatz für benötigte Spenderorgane erzeugen zu können. Dies sind die Ergebnisse des Helmholtz Zentrums München, der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität München (TUM).

In der biomedizinischen Forschung gilt „seeing is believing“. Die Entschlüsselung der strukturellen Komplexität menschlicher Organe war schon immer eine große...

Im Focus: Skyrmions like it hot: Spin structures are controllable even at high temperatures

Investigation of the temperature dependence of the skyrmion Hall effect reveals further insights into possible new data storage devices

The joint research project of Johannes Gutenberg University Mainz (JGU) and the Massachusetts Institute of Technology (MIT) that had previously demonstrated...

Im Focus: Skyrmionen mögen es heiß – Spinstrukturen auch bei hohen Temperaturen steuerbar

Neue Spinstrukturen für zukünftige Magnetspeicher: Die Untersuchung der Temperaturabhängigkeit des Skyrmion-Hall-Effekts liefert weitere Einblicke in mögliche neue Datenspeichergeräte

Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat einen weiteren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

4. Fachtagung Fahrzeugklimatisierung am 13.-14. Mai 2020 in Stuttgart

10.02.2020 | Veranstaltungen

Alternative Antriebskonzepte, technische Innovationen und Brandschutz im Schienenfahrzeugbau

07.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste Untersuchungsergebnisse zum "Sensations-Meteoritenfall" von Flensburg

17.02.2020 | Geowissenschaften

Lichtpulse bewegen Spins von Atom zu Atom

17.02.2020 | Physik Astronomie

Freiburger Forscher untersucht Ursprünge der Beschaffenheit von Oberflächen

17.02.2020 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics