Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Uran-Verbindung synthetisiert

06.02.2006


Carl-Duisberg-Gedächtnispreis für junge LMU-Chemikerin



Ohne Spezialhandschuhe, Ledermantel, Gesichtsvollschutz, Erdung und Ohrenschutz geht gar nichts. Denn Dr. habil. Margaret-Jane Crawford am Lehrstuhl für Anorganische Chemie von Professor Dr. Thomas Klapötke an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München hat nicht nur mit gefährlichen Substanzen zu tun, sie erzeugt sie auch noch selbst. So gelang ihr, aus radioaktivem Uran und dem explosiven Azid-Ion ein so genanntes Uran-Azid zu synthetisieren, wie Ende letzten Jahres im Fachmagazin "Angewandte Chemie" berichtet. Dafür erhält Crawford jetzt den Carl-Duisberg-Gedächtnispreis, die höchste Auszeichnung der Gesellschaft Deutscher Chemiker für junge Wissenschaftler. Crawford wird den Preis auf einer Festveranstaltung während der jährlichen Chemiedozententagung am 20. März 2006 in Hamburg entgegennehmen. Die von Crawford synthetisierte Verbindung und ähnliche Substanzen könnten neuartige Eigenschaften zeigen, aber auch als Ausgangsmaterial für gesuchte, effizientere Brennstoffe in Nuklearreaktoren und als bessere Uran-Katalysatoren dienen.

... mehr zu:
»Azid »Azid-Ion »LMU »Synthese »Uran


Azide sind Salze der Stickstoffwasserstoffsäure. Die von Crawford synthetisierte Verbindung, ein Ammonium-Salz eines Uran-Polyazids, namentlich ein Heptaazidouran-Anion, ist in dieser Gruppe in mehrfacher Hinsicht einzigartig: Es handelt sich um das erste strukturell charakterisierte Heptaazid, also eine Verbindung mit sieben Azid-Ionen. Die Substanz ist aber auch das erste binäre Azid eines der so genannten Actinioiden-Elemente, zu denen Uran gehört. Zeitgleich mit Crawford gelang einer kalifornischen Forschergruppe die Synthese einer weiteren Uran-Stickstoff-Verbindung. Beide Substanzen wurden Ende letzten Jahres in einem Artikel der Zeitschrift "Chemical and Engineering News" der "American Chemical Society" gewürdigt. Darin wird unter anderem die Vielfalt möglicher Anwendungen hervorgehoben. Gleichzeitig aber wird betont, dass sich dank der neuartigen Verbindungen auch ganz neuartige Materialklassen eröffnen könnten. Die ersten Erfolge Crawfords und ihrer Kollegen sind deshalb wahrscheinlich nur Vorboten einer neuen Actinoiden-Chemie, die auf Uran und anderen Schwermetallen beruht, die mit anderen Elementen die besondere Verbindung eingehen. Die dabei möglicherweise synthetisierten Substanzen könnten aufgrund ihrer neuartigen chemischen Grundlage auch bislang unbekannte Eigenschaften zeigen.

Uran wurde bisher vor allem als Uranoxid, also in Verbindung mit Sauerstoff, genutzt. So werden keramische Pellets aus diesem Material in Leichtwasserreaktoren als Brennstoff genutzt. Problematisch dabei ist, dass das Uran oft nicht komplett verbraucht wird. Mit Hilfe der neuen Verbindungen auf der Grundlage von Uran könnten möglicherweise Ausgangsmaterialien entstehen, die aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften eine weit höhere Effizienz erlauben. Actinoiden-Metalle wie Uran werden unter anderem auch in Industriekatalysatoren erprobt. Ein großflächiger Einsatz dieser Substanzen ist wegen der Radioaktivität zwar unwahrscheinlich. Bessere Materialien, die möglicherweise auf neuen Molekül-Verbindungen beruhen, sind aber auch für die eingeschränkte Nutzung erwünscht. Dabei sind die Azid-Verbindungen von so großem Interesse, dass vielfach sogar von einer "Azid-Renaissance" die Rede ist. Auch Crawford ist mit der Synthese weiterer Azidverbindungen beschäftigt. "Unser Heptaazid mit sieben Azid-Ionen lässt hoffen, dass auch die Synthese eines stabilen Oktaazids, also einer Verbindung mit acht Azid-Ionen, möglich ist", meint sie. "Denkbar ist natürlich auch, dass wir die Synthese anderer Uranazide schaffen können."

Dr. habil. Margaret-Jane Crawford ist 1975 im schottischen Lochgilphead geboren. Sie studierte Chemie an der Universität Glasgow und promovierte dann an der LMU in nur zwei Jahren zum Thema "Small, Highly Reactive Molecules: Azides, Pseudohalides and Fluorine-Containing Compounds". Crawford verbrachte anschließend als Feodor-Lynen-Stipendiatin der Alexander-von-Humboldt-Stiftung zwei Jahre als Postdoktorandin an der University of New Brunswick in Kanada. Von 2001 bis 2005 habilitierte sie an der LMU über präparative Uran-Chemie.

Ansprechpartner:
Dr. habil. Margaret - Jane Crawford
Department für Chemie und Biochemie
Tel.: 089-2180-77503
Fax: 089-2180-77492
E-Mail: mjc@cup.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de/

Weitere Berichte zu: Azid Azid-Ion LMU Synthese Uran

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Aus-Schalter für Nebenwirkungen
22.06.2018 | Max-Planck-Institut für Biochemie

nachricht Ein Fall von „Kiss and Tell“: Chromosomales Kissing wird fassbarer
22.06.2018 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics