Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genetische Rolle bei Lymphdrüsenkrebs entdeckt

16.12.2005


Individuelle Genvariationen erhöhen das Erkrankungsrisiko



Einem internationalen Wissenschaftsteam, dem auch die beiden deutschen Epidemiologen Alexandra Nieters und Nikolaus Becker vom Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) angehören, haben erstmals die genetischen Ursachen für die Entstehung von Non-Hodgkin-Lymphomen NHL entdeckt. Das Non-Hodgkin-Lymphom beim Erwachsenen ist eine Erkrankung, bei der (bösartige) Krebszellen im Lymphsystem gefunden werden. Das Lymphsystem verzweigt sich über dünne Gefäße - ähnlich Adern - über den gesamten Körper.



An der InterLymph-Studie flossen Daten aus acht Fallkontrollstudien aus verschiedenen Ländern mit insgesamt 3.586 NHL-Patienten und 4.018 gesunden Personen als Vergleichsgruppe ein. Die Forscher des International Lymphoma Epidemiology Consortiums fanden heraus, dass Variationen einzelner DNA-Bausteine in Genen, die für die zellulären Signalmoleküle Tumornekrosefaktor (TNF) und Interleukin 10 (IL-10) kodieren, das Risiko erhöhen, an einem Non-Hodgkin-Lymphom zu erkranken. Das Studienergebnis wird als ein großer Schritt zu einem besseren Verständnis der Entstehung der Erkrankung bezeichnet. In Zukunft könnten daraus neue Ansätze in der Prävention und der Therapie geschaffen werden.

Die Epidemiologen interessierten sich für 12 verschiedene Varianten einzelner DNS-Bausteine, so genannte Einzelnukleotid-Polymorphismen. Diese liegen in Genen, deren Produkte wichtige Funktionen in der Immunabwehr und bei der Entzündungsantwort steuern. Die Forscher fanden bei zwei Varianten ein erhöhtes individuelles Risiko, an NHL zu erkranken. Bei der Analyse verschiedener NHL-Subtypen stellten sie fest, dass die beiden Genvarianten spezifisch das Risiko erhöhen, an einem diffus großzelligen B-Zell-Lymphom zu erkranken, der häufigsten Form bösartiger Lymphome.

Becker und Nieters haben sich in den vergangenen Jahren auch intensiv mit den umwelt- und lebensstilbedingten Risikofaktoren der Lymphome beschäftigt. "Diese Art der Erkrankungen ist für die Wissenschaftler problematisch zu untersuchen, da es viele unterschiedliche Subtypen gibt. Zudem sind, um verbindliche Aussagen zu tätigen, internationale Studienergebnisse erforderlich", so Nieters gegenüber pressetext. "Wir haben entdeckt, dass Allergien einen protektiven Charakter haben", erklärt Nieters. Hingegen wiesen HIV-Erkrankte ein höheres Lymphomrisiko auf.

Die jetzt im Wissenschaftsmagazin Lancet veröffentlichte Studie ist ein wichtiger Schritt, auch die genetischen Faktoren in der NHL-Entstehung besser zu verstehen. "Wir haben bei zwölf untersuchten Faktoren zwei Treffer gelandet. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit, da wir in Zukunft nicht nur den Einfluss genetischer Faktoren auf die Entstehung von Non-Hodgkin-, sondern von Lymphomen generell untersuchen wollen", erklärt Nieters. Von Interesse wären hier im Grunde alle Gene, die Signalwege in der Zelle z.B. bei entzündlichen Prozessen oder in zelleigenen DNA-Reparatursystemen beeinflussen. In Zukunft wollen die Wissenschaftler verstärkt genetische und umweltbedingte Einflüsse der Lymphom-Entstehung gleichzeitig untersuchen. "In Australien und den USA wurden etwa bei den Risikofaktoren ähnliche Ergebnisse erzielt wie hier." Das unterstreiche die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit nach genetischen Ursachen chronischer Erkrankungen, erklärt die Forscherin abschließend zu pressetext.

Im InterLymph Consortium arbeiten seit 2002 Forscher aus USA, Kanada, Australien, Deutschland, Italien, England, Frankreich, Spanien, Irland, Tschechien, Schweden und Dänemark zusammen, um nach möglichen Ursachen und Risikofaktoren für die Entstehung von Lymphdrüsenkrebs zu suchen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Berichte zu: CONSORTIUM Gen Non-Hodgkin-Lymphom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Enzyme besser nutzen: Neues Forschungsprojekt an der Jacobs University Bremen
19.09.2018 | Jacobs University Bremen gGmbH

nachricht Unordnung kann Batterien stabilisieren
18.09.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Im Focus: Bio-Kunststoffe nach Maß

Zusammenarbeit zwischen Chemikern aus Konstanz und Pennsylvania (USA) – gefördert im Programm „Internationale Spitzenforschung“ der Baden-Württemberg-Stiftung

Chemie kann manchmal eine Frage der richtigen Größe sein. Ein Beispiel hierfür sind Bio-Kunststoffe und die pflanzlichen Fettsäuren, aus denen sie hergestellt...

Im Focus: Patented nanostructure for solar cells: Rough optics, smooth surface

Thin-film solar cells made of crystalline silicon are inexpensive and achieve efficiencies of a good 14 percent. However, they could do even better if their shiny surfaces reflected less light. A team led by Prof. Christiane Becker from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) has now patented a sophisticated new solution to this problem.

"It is not enough simply to bring more light into the cell," says Christiane Becker. Such surface structures can even ultimately reduce the efficiency by...

Im Focus: Mit Nano-Lenkraketen Keime töten

Wo Antibiotika versagen, könnten künftig Nano-Lenkraketen helfen, multiresistente Erreger (MRE) zu bekämpfen: Dieser Idee gehen derzeit Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der Medizinischen Hochschule Hannover nach. Zusammen mit einem führenden US-Experten tüfteln sie an millionstel Millimeter kleinen Lenkraketen, die antimikrobielles Silber zielsicher transportieren, um MRE vor Ort zur Strecke zu bringen.

In deutschen Krankenhäusern führen die MRE jährlich zu tausenden, teils lebensgefährlichen Komplikationen. Denn wer sich zum Beispiel nach einer Implantation...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Experten der Orthopädietechnik tagen in Göttingen

19.09.2018 | Veranstaltungen

Von den Grundlagen bis zur Anwendung - Internationale Elektrochemie-Tagung in Ulm

18.09.2018 | Veranstaltungen

Unbemannte Flugsysteme für die Klimaforschung

18.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Fester Platz im Unternehmen - 36 Auszubildende und Studierende der Friedhelm Loh Group erhalten Zeugnisse

19.09.2018 | Unternehmensmeldung

Virtual Reality ohne Kopfschmerz oder Simulationsübelkeit

19.09.2018 | Informationstechnologie

Kaiserslauterer Architekten setzen Holzkuppel dank Software einfach wie Puzzle zusammen

19.09.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics