Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pharmaforschung in Garching

26.08.2005


Die Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz der TU München in Garching wird künftig verstärkt auch Projekten aus dem Bereich Pharmaforschung offen stehen. Langfristig soll sich hieraus ein eigener, exponierter Forschungsschwerpunkt entwickeln, der von den außergewöhnlichen technischen Gegebenheiten, dem hohen Neutronenfluss und der modernsten Instrumentierung der Garchinger Neutronenquelle profitiert. Ein erstes, kürzlich gestartetes Forschungsprojekt aus diesem Umfeld befasst sich mit der "Charakterisierung kolloidaler Arzneistoffträgersysteme und Arzneistoffdispersionen auf molekularer Ebene", die am hochauflösenden Flugzeitspektromenter TOFTOF untersucht werden.



Nicht nur der richtige Wirkstoff ist bei der Entwicklung neuer Medikamente wichtig, sondern auch die Methode, mit welcher der Arzneistoff dem Körper zugeführt wird. Er soll seine Wirkung optimal entfalten, Nebenwirkungen jedoch möglichst unterdrücken. Der Arzneistoff wird hierzu häufig in winzige Partikel (Arzneistoffträger) "eingepackt", die wiederum in einer Flüssigkeit (Dispersionsmittel) fein verteilt werden. Die dabei entstehenden flüssigen Systeme werden als Dispersionen bezeichnet.



An der Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz untersuchen Dr. Tobias Unruh und sein Team erstmals nanodisperse Arzneistoffträgersysteme mittels der Neutronenspektroskopie. Mit dieser Methodik lassen sich die Struktur und Dynamik von Molekülen charakterisieren, um letztlich das Freisetzungsverhalten der Arzneistoffe besser verstehen und für die Anwendung optimieren zu können. Die Beweglichkeit von Arzneistoffmolekülen ist verantwortlich für die Geschwindigkeit ihres Transportes aus dem Inneren des Nanopartikels an dessen Grenzfläche zum Dispersionsmittel. Nur von dieser Grenzfläche kann der Arzneistoff nach einer intravenösen Injektion der Nanodispersion ins Blut gelangen und vom Körper aufgenommen werden. Zudem gibt der über Neutronenspektroskopie zugängliche Grad intramolekularer Bewegungen der Arzneistoffmoleküle Aufschluss über ihre Anbindung an den Arzneistoffträger. "Dank der Förderung durch den Bund der Freunde der TU München können wir mit diesem Projekt nun eine Art Keimzelle für pharmazeutische Forschung hier an der Garchinger Forschungs-Neutronenquelle bilden", so Tobias Unruh. "Das Potential der Neutronenspektroskopie wird erstmals in diesem Bereich intensiv genutzt."

Für die Pharmaindustrie hat die Weiterentwicklung nanodisperser Arzneistoffträgersysteme hohe Bedeutung. Unter anderem wird hierdurch die Arzneistoffaufnahme im Körper verbessert und die chemische Stabilität des Arzneistoffes erhöht. Der Arzneistoff lässt sich auch gezielt an bestimmten Orten im Körper freisetzen (drug targeting). Die Zahl der Arzneimittel, die auf der Basis nanodisperser Arzneistoffträger hergestellt werden und bereits auf dem Markt sind, ist noch sehr gering. Neben den aufwändigen Herstellungsverfahren und Stabilitätsproblemen liegt dies vor allem auch an ihrem komplexen inneren Aufbau, der daher Forschungsgegenstand in der modernen Pharmazie ist.

Dieter Heinrichsen M.A. | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-muenchen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neues aus der Schaltzentrale
18.07.2018 | Karl-Franzens-Universität Graz

nachricht Chemische Waffe durch laterale Gen-Übertragung schützt Wollkäfer gegen schädliche Pilze
18.07.2018 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics