Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit dem Tandem gegen Brustkrebs

08.06.2005


Designermedikament für kombinierte hormonelle und chemotherapeutische Behandlung



Die Suche nach neuen Medikamenten gegen Krebserkrankungen steht nach wie vor ganz oben auf der To-do-Liste der Pharmaforscher. Eine noch junge Variante sind polymere Chemotherapeutika, Wirkstoffe, die an ein "Rückgrat" aus langen Kettenmolekülen geknüpft werden. Ein britisches Team geht nun noch einen Schritt weiter und pfropft zwei verschiedene Pharmaka auf ein gemeinsames Rückgrat. Auf diese Weise zu einer Art molekularer Tandemfahrer vereint, sollen ein Cytostatikum und ein Hormontherapeutikum synergistisch den Kampf gegen den östrogenabhängigen Brustkrebs aufnehmen.



Die "polymere Darreichungsform" von Chemotherapeutika bietet Vorteile: Die sperrigen Moleküle dringen nicht so leicht aus dem Blut in gesundes Gewebe ein wie kleine Moleküle. Die Tumorzellen dagegen erreicht der Wirkstoff auch in dieser Form gut genug, denn die frisch gebildeten Blutgefäße von Tumoren sind deutlich durchlässiger als normale Adern - das gesunde Gewebe wird geschont. An Polymerketten gebunden sind Wirkstoffe weniger toxisch als in ihrer freien Form. Zudem können sie nicht so leicht von den Resistenzmechanismen der Tumorzellen "geknackt" werden. Das erste synthetische Polymer-Chemotherapeutikum, das die klinische Testphase erreichte, war ein Konjugat aus dem gut verträglichen N-(2-Hydroxypropyl)methacrylamid und dem bewährten Cytostatikum Doxorubicin (Dox). Um dessen Wirksamkeit bei Brustkrebs zu erhöhen, so die Idee des Teams um Ruth Duncan und María J. Vicent, sollte es mit einem weiteren Wirkstoff kombiniert werden, einem Hormontherapeutikum. Denn die Mehrheit der Brustkrebsfälle zählt zum hormonabhängigen Typus: Östrogen fördert das Wachstum des Tumors. Dabei sind die Tumorzellen nicht auf eine Östrogenzufuhr von "außen" angewiesen, sie produzieren das Hormon selber. Ein Weg, um die Wirkung von Östrogen auf den Tumor zu unterbinden, ist die Hemmung seiner Biosynthese mit einem Aromatase-Hemmstoff.

Und so knüpften die Forscher das Cytostatikum Dox und den Aromatase-Hemmer Aminoglutethimid an ein gemeinsames Polymer-Rückgrat. Eine wichtige Rolle kommt dabei den Verbindungsstücken zu, kurzen maßgeschneiderten Peptidketten, über die die Wirkstoffe an das Rückgrat gebunden werden. Während des Transports durch die Blutgefäße und der Aufnahme in die Zellen sollen sie die Wirkstoffmoleküle fest am Rückgrat halten. In der Zelle müssen sie sich dann durch Enzyme spalten lassen, damit die Wirkstoffe freigesetzt werden.

"Unser Polymerkonjugat," sagt Duncan, "das erstmals Hormontherapie und Chemotherapie kombiniert, war gegenüber einer Tumorzelllinie deutlich cytotoxischer als eine Mischung aus den beiden einzelnen Wirkstoffen in polymerer Form."

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://www.angewandte.de

Weitere Berichte zu: Brustkrebs Cytostatikum Rückgrat Tumorzelle Wirkstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Experimentelles Tumormodell offenbart neue Ansätze für die Immuntherapie bei Glioblastom-Patienten
18.02.2020 | Universitätsmedizin Mannheim

nachricht Kleber für gebrochene Herzen
18.02.2020 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lichtpulse bewegen Spins von Atom zu Atom

Forscher des Max-Born-Instituts für Nichtlineare Optik und Kurzpulsspektroskopie (MBI) und des Max-Planck-Instituts für Mikrostrukturphysik haben durch die Kombination von Experiment und Theorie die Frage gelöst, wie Laserpulse die Magnetisierung durch ultraschnellen Elektronentransfer zwischen verschiedenen Atomen manipulieren können.

Wenige nanometerdünne Filme aus magnetischen Materialien sind ideale Testobjekte, um grundlegende Fragestellungen des Magnetismus zu untersuchen. Darüber...

Im Focus: Freiburg researcher investigate the origins of surface texture

Most natural and artificial surfaces are rough: metals and even glasses that appear smooth to the naked eye can look like jagged mountain ranges under the microscope. There is currently no uniform theory about the origin of this roughness despite it being observed on all scales, from the atomic to the tectonic. Scientists suspect that the rough surface is formed by irreversible plastic deformation that occurs in many processes of mechanical machining of components such as milling.

Prof. Dr. Lars Pastewka from the Simulation group at the Department of Microsystems Engineering at the University of Freiburg and his team have simulated such...

Im Focus: Transparente menschliche Organe ermöglichen dreidimensionale Kartierungen auf Zellebene

Erstmals gelang es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, intakte menschliche Organe durchsichtig zu machen. Mittels mikroskopischer Bildgebung konnten sie die zugrunde liegenden komplexen Strukturen der durchsichtigen Organe auf zellulärer Ebene sichtbar machen. Solche strukturellen Kartierungen von Organen bergen das Potenzial, künftig als Vorlage für 3D-Bioprinting-Technologien zum Einsatz zu kommen. Das wäre ein wichtiger Schritt, um in Zukunft künstliche Alternativen als Ersatz für benötigte Spenderorgane erzeugen zu können. Dies sind die Ergebnisse des Helmholtz Zentrums München, der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität München (TUM).

In der biomedizinischen Forschung gilt „seeing is believing“. Die Entschlüsselung der strukturellen Komplexität menschlicher Organe war schon immer eine große...

Im Focus: Skyrmions like it hot: Spin structures are controllable even at high temperatures

Investigation of the temperature dependence of the skyrmion Hall effect reveals further insights into possible new data storage devices

The joint research project of Johannes Gutenberg University Mainz (JGU) and the Massachusetts Institute of Technology (MIT) that had previously demonstrated...

Im Focus: Skyrmionen mögen es heiß – Spinstrukturen auch bei hohen Temperaturen steuerbar

Neue Spinstrukturen für zukünftige Magnetspeicher: Die Untersuchung der Temperaturabhängigkeit des Skyrmion-Hall-Effekts liefert weitere Einblicke in mögliche neue Datenspeichergeräte

Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat einen weiteren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

4. Fachtagung Fahrzeugklimatisierung am 13.-14. Mai 2020 in Stuttgart

10.02.2020 | Veranstaltungen

Alternative Antriebskonzepte, technische Innovationen und Brandschutz im Schienenfahrzeugbau

07.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Höhere Treibhausgasemissionen durch schnelles Auftauen des Permafrostes

18.02.2020 | Geowissenschaften

Supermagnete aus dem 3D-Drucker

18.02.2020 | Maschinenbau

Warum Lebewesen schrumpfen

18.02.2020 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics