Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weiterer Rezeptor für Prostatavergrößerung entdeckt

23.02.2005


Gewebshormon Angiotensin II wirkt auf AT1-Rezeptor in der männlichen Vorsteherdrüse - Klinische Studien könnten therapeutischen Effekt von Rezeptor-Antagonisten nachweisen - Veröffentlichung von Forschern der Philipps-Universität Marburg im British Journal of Pharmacology


Menschliche Prostatazellen im Fluoreszenzmikroskop. Zellkerne sind blau dargestellt. Das muskeltypische Protein Aktin (gelblich) zeigt, dass es sich um Muskelzellen handelt. dei At1-Rezeptoren sind dank Immunfährbung in rot zu sehen. Aufnahme: Gunter Wennemuth



Dr. Gunther Wennemuth und Professor Dr. Gerhard Aumüller vom Institut für Anatomie und Zellbiologie der Philipps-Universität Marburg haben durch in vitro-Untersuchungen an menschlichen Prostatazellen nachgewiesen, dass in der Prostata, der Vorsteherdrüse bei Männern, der so genannte AT1-Rezeptor sowohl vorhanden als auch funktionell ist. Dieser Rezeptor kommt damit als eine der möglichen Ursachen für die krankhafte Vergrößerung (Knotenbildung) der Prostata in Betracht, die bei bis zu achtzig Prozent der Männer meist in späteren Lebensabschnitten zu teilweise großen Beschwerden führt. Die Arbeit von Wennemuth und Aumüller wurde im British Journal of Pharmacology unter dem Titel "Angiotensin II-mediated calcium signals and mitogenesis in human prostate stromal cell line hPCPs" (BJP (2005) 144, 3-10) veröffentlicht.



Die Wissenschaftler waren von der Fragestellung ausgegangen, wie es zur so genannten benignen Prostata-Hyperplasie (BPH), zur gutartigen Vergrößerung der Prostata kommt. In letzter Zeit war vermehrt vermutet worden, dass eine Reihe von Botenstoffen, unter anderem Angiotensin II (ein Gewebshormon, das Muskelzellen in den Blutgefäßen zum Wachstum stimuliert), dafür in Betracht kommt. Aus Mangel an Tiermodellen - BPH ist nur bei Menschen, Hunden und Löwen bekannt, was die Forschung bisher stark behinderte - haben Wennemuth und Aumüller nun an einer Zellkultur von Prostata-Muskelzellen nachweisen können, dass der AT1-Rezeptor in den knotenbildenden Muskelzellen der Prostata vorhanden ist und dass Angiotensin II an ihn bindet.

Somit besteht Hoffnung, so ein begleitender Kommentar im BJP, "dass eine bereits existierende Medikamentenfamilie, die AT1-Rezeptor-Antagonisten, genutzt werden könnte, um eine der am weitesten verbreiteten Beschwerden älterer Männer zu behandeln und ihr vorzubeugen, nämlich der BPH". Rezeptor-Antagonisten verhindern, dass Angiotensin an die Rezeptoren bindet - so kann das Hormon seine wachstumsfördernde Wirkung nicht entfalten. Kann in klinischen Studien nun ein Zusammenhang zwischen der Funktion des AT1-Rezeptors und BPH nachgewiesen werden, könnten künftigen Patienten viele Beschwerden erspart bleiben, von Behinderungen bei der Harnentleerung bis hin zu Blasenschwäche. Gleichzeitig hätte dies angesichts der hohen Zahl von Patienten auch positive ökonomische Konsequenzen.

Auch zuvor wurden bereits verschiedene andere Rezeptoren in den glatten Muskelzellen der Prostata entdeckt. Allerdings zeigte deren Blockade durch Medikamente bislang keinen durchschlagenden therapeutischen Erfolg.

Die gutartige BPH ist zu unterscheiden von dem bösartigen Prostatakarzinom, an dem allein in der Bundesrepublik jährlich bis zu 20.000 Patienten sterben. Gleichwohl steht zu erwarten, dass die weitere Erforschung der Prostatafunktionen auch zu Erkenntnissen über diese häufig tödliche Krebskrankheit führt.

Kontakt

HD Dr. Gunther Wennemuth: Institut für Anatomie und Zellbiologie der Philipps-Universität Marburg, Robert-Koch-Straße 8, 35037 Marburg
Tel. (06421) 28 64042, E-Mail: wennemut@staff.uni-marburg.de

Thilo Körkel | idw
Weitere Informationen:
http://www.staff.uni-marburg.de
http://www.guntherwennemuth.com

Weitere Berichte zu: AT1-Rezeptor Angiotensin BPH Prostata Rezeptor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Enzyme besser nutzen: Neues Forschungsprojekt an der Jacobs University Bremen
19.09.2018 | Jacobs University Bremen gGmbH

nachricht Unordnung kann Batterien stabilisieren
18.09.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Im Focus: Bio-Kunststoffe nach Maß

Zusammenarbeit zwischen Chemikern aus Konstanz und Pennsylvania (USA) – gefördert im Programm „Internationale Spitzenforschung“ der Baden-Württemberg-Stiftung

Chemie kann manchmal eine Frage der richtigen Größe sein. Ein Beispiel hierfür sind Bio-Kunststoffe und die pflanzlichen Fettsäuren, aus denen sie hergestellt...

Im Focus: Patented nanostructure for solar cells: Rough optics, smooth surface

Thin-film solar cells made of crystalline silicon are inexpensive and achieve efficiencies of a good 14 percent. However, they could do even better if their shiny surfaces reflected less light. A team led by Prof. Christiane Becker from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) has now patented a sophisticated new solution to this problem.

"It is not enough simply to bring more light into the cell," says Christiane Becker. Such surface structures can even ultimately reduce the efficiency by...

Im Focus: Mit Nano-Lenkraketen Keime töten

Wo Antibiotika versagen, könnten künftig Nano-Lenkraketen helfen, multiresistente Erreger (MRE) zu bekämpfen: Dieser Idee gehen derzeit Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der Medizinischen Hochschule Hannover nach. Zusammen mit einem führenden US-Experten tüfteln sie an millionstel Millimeter kleinen Lenkraketen, die antimikrobielles Silber zielsicher transportieren, um MRE vor Ort zur Strecke zu bringen.

In deutschen Krankenhäusern führen die MRE jährlich zu tausenden, teils lebensgefährlichen Komplikationen. Denn wer sich zum Beispiel nach einer Implantation...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Experten der Orthopädietechnik tagen in Göttingen

19.09.2018 | Veranstaltungen

Von den Grundlagen bis zur Anwendung - Internationale Elektrochemie-Tagung in Ulm

18.09.2018 | Veranstaltungen

Unbemannte Flugsysteme für die Klimaforschung

18.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Fester Platz im Unternehmen - 36 Auszubildende und Studierende der Friedhelm Loh Group erhalten Zeugnisse

19.09.2018 | Unternehmensmeldung

Virtual Reality ohne Kopfschmerz oder Simulationsübelkeit

19.09.2018 | Informationstechnologie

Kaiserslauterer Architekten setzen Holzkuppel dank Software einfach wie Puzzle zusammen

19.09.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics