Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leipziger Forscherin erkundet Populationsbiologie der Smaragdeidechse

07.09.2004


Das in verschiedenen Grüntönen schimmernde Schuppenkleid gab ihr den Namen: Smaragdeidechse. Männchen bringen es unter günstigen Bedingungen auf die stattliche Größe von bis zu 35 Zentimetern. Doch hierzulande waren die günstigsten Bedingungen spätestens mit dem Höhepunkt der letzten Warmzeit (400 v.d.Z) vorbei. Wie es denen geht, die dennoch im kühlen Norden leben und ob man gar das Aussterben dieser seltenen Art in Deutschland befürchten muss, wird derzeit an der Universität Leipzig erforscht.


Diplom-Biologin Manja Böhme muss für ihre Promotion auf Jagd gehen. Dort, wo die Smaragdeidechsen (Lacerta viridis) leben ¯ und so entstehen schon die ersten wissenschaftlichen Fragen. "Hier auf dieser Europa-Karte sieht man, dass es neben der großen Zentralpopulation zwischen der ungarischen Tiefebene, Griechenland und Rumänien noch mehrere isolierte Randpopulationen gibt", erläutert sie die weit auseinander liegenden Punkte in Deutschland, der Tschechischen Republik, Österreich, Slowenien und der Ukraine. "Ich möchte mit meiner Arbeit sehr viele Fragen beantworten, zum Beispiel: Wodurch unterscheiden sich die Tiere in den einzelnen Regionen? Welche Auswirkungen hatte die Fragmentierung, also die Zerstückelung, der Lebensräume? Inwieweit ist in den kleineren Populationen die genetische Variabilität reduziert? Schränkt das die Überlebenschancen der Art ein?" Unterstützt wird die junge Wissenschaftlerin dabei durch ein Stipendium der Evangelischen Studienstiftung, durch Fördermittel der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) und durch die Heinz-Sielmann-Stiftung.

Bei besagter Jagd geht es Manja Böhmes "Opfern" jedoch keineswegs ans Leben. Ganz vorsichtig legt sie dem Reptil eine Schlinge um den Hals und greift entschlossen zu. Die Tiere müssen lediglich einen Tropfen Blut hergeben, sich vermessen lassen und erdulden, dass sie bis zu nächsten Häutung mit einem weißen Nagellack-Pünktchen auf den Kopfschuppen herumlaufen. Diese Markierung verhindert, dass das Tier doppelt in die Analyse eingeht. Bis zu 30 Tiere am Tag kann die junge Forscherin auf diese Art und Weise registrieren, bei schlechtem Wetter ist sie auch mal umsonst unterwegs. Deshalb muss sie möglichst jene Stunden am Vormittag oder am frühen Abend abpassen, in denen sich die Smaragdeidechsen in der Sonne aufwärmen.


Bisher war Manja Böhme vor allem in Brandenburg unterwegs, wo eine der beiden wichtigen deutschen Populationen zu Hause ist. Weitere Untersuchungen führten Sie nach Tschechien, Österreich, Slowenien und Ungarn. Aus anderen Regionen wie Rumänien, Serbien und der Ukraine bekommt sie die Blutproben von Kooperationspartnern.

Doch das Laufen durch die Natur ist der geringere Teil der wissenschaftlichen Arbeit. Mit den Blutproben und Notizen kehrt die Biologin nach Leipzig an die Fakultät für Biowissenschaften zurück und beginnt dort im Labor und am Schreibtisch die wesentlich aufwändigere Auswertung ihrer Sammelergebnisse. Wichtigster Bestandteil dieser Arbeit ist die Analyse der Blutproben. Es gilt, die DNA zu isolieren sowie die genetischen Eigenheiten und Gemeinsamkeiten aller Tiere zu registrieren. So kann ¯ ähnlich wie beim menschlichen Vaterschaftstest ¯ ermittelt werden, welche Smaragdeidechse mit welcher näher verwand ist. Doch die DNA-Untersuchungen geben noch mehr Auskünfte. Sie beantworten vor allem die Frage nach der noch gegebenen oder schon verlorengegangenen genetischen Variabilität innerhalb kleinerer, isolierter Populationen. Was unterscheidet beispielsweise die rund 280 brandenburgischen von den zigtausenden anderen Eidechsen?

In diesem Zusammenhang suchte Manja Böhme im Genom der Smaragdeidechsen spezielle hochvariable Sequenzabschnitte, die Mikrosatelliten, mit deren Hilfe sie auch kleinste genetische Unterschiede aufdecken kann.

Praktische Bedeutung haben die Leipziger Studien bereits jetzt für die Zuchtarbeit der Naturschutzstation Rhinluch im brandenburgischen Linum, wo auch über die frei lebenden Tiere Buch geführt wird. "Falls der genetische Pool der kleinen Brandenburger Population schon zu klein ist, könnten z.B. Infektionskrankheiten schlagartig viele Tiere ausrotten", befürchtet Manja Böhme. Werden die Individuenzahlen der Populationen durch biologische oder menschliche Einflüsse weiter verringert, wächst außerdem die Gefahr der artgefährdenden Inzucht. Also müssen die Tierschützer eventuell dafür sorgen, dass die 280 Eidechsen immer Kontakt zueinander haben, beispielsweise indem sie Korridore anlegen. Und sie könnten durch Wildfang und Zucht eine Art genetische Reserve vorbereiten. Die Argumente für diese Investitionen bekommt die Zuchtstation gegebenenfalls durch meine Arbeit."

Was die Biowissenschaftler und Naturschützer jedoch keinesfalls ins Auge fassen, ist die Vermischung mit den anderen europäischen Populationen, da sich durch die isolierte Lage der Habitate vielleicht schon genetische Unterschiede innerhalb der Art entwickelt haben. Marlis Heinz

Dr. Bärbel Adams | Pressestelle Uni Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de

Weitere Berichte zu: Blutprobe Manja Population Smaragdeidechse Smaragdeidechsen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ein neues Mittel gegen Zöliakie
24.09.2018 | Technische Universität Wien

nachricht Zika und Gelbfieber: Impfstoffe ohne Ei
21.09.2018 | Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Therapien bei Gefäßerkrankungen

Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) vom 12. bis 15. September in Münster stellten Gefäßspezialisten aus ganz Deutschland die neuesten Therapien bei Gefäßerkrankungen vor. Vor allem in den Bereichen periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) und venöse Verschlusskrankheiten wie die Tiefe Venenthrombose (TVT) gibt gute Neuigkeiten für die Patienten. Viele der 720 Gefäßspezialisten, die an der Jahrestagung teilnahmen, stellten neueste Studienergebnisse vor.

Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Gefäßerkrankungen, allein rund fünf Millionen unter der „Schaufensterkrankheit“, medizinisch periphere...

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mit traditionellen Methoden gegen extreme Trockenheit

24.09.2018 | Geowissenschaften

Europäische Spitzenforschung auf der EuMW

24.09.2018 | Messenachrichten

Neue Therapien bei Gefäßerkrankungen

24.09.2018 | Medizintechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics