Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schneller Stoffwechsel verlängert Lebenserwartung

02.06.2004


Widerlegung einer jahrhundertealten Theorie



Mäuse mit einer sehr hohen Stoffwechselrate leben weit länger als ihre trägen Artgenossen, haben britische Forscher herausgefunden. Die Forscher nehmen nun an, dass auch die menschliche Lebenserwartung mit Medikamenten, die den Metabolismus (Stoffwechsel) ankurbeln, verlängert werden könnte, berichten sie im Wissenschaftsmagazin Nature.



Die Stoffwechselrate ist jene Stufe, bei der der Körper Nahrung verbrennt, um Energie zu produzieren. John Speakman von der Universität Aberdeen und seine Kollegen haben den Stoffwechsel von 42 Mäusen basierend auf dem Anteil von Sauerstoff, den sie verbrauchten, untersucht. Die Gruppe von Tieren mit den höchsten Stoffwechselraten lebte über ein Drittel länger als die Gruppe mit den niedrigsten Raten. Sie hatte einen circa 30 Prozent schnelleren Stoffwechsel, haben die Forscher herausgefunden. Wenn diese These auch auf Menschen zutrifft, bedeutet das, dass Menschen mit einem besonders raschen Stoffwechsel 27 zusätzliche Jahre an die durchschnittliche Lebenserwartung von 70 Jahren anhängen könnten.

Die Entdeckung stellt die jahrhundertealte Theorie in Frage, dass Tiere mit höheren Stoffwechselraten jünger sterben. Das beruht auf der Beobachtung, dass große Tiere mit niedrigen Stoffwechselraten, wie Elefanten, kleine mit hohen Raten, wie Mäuse, überleben: daher stammt auch das alte Sprichwort: "live fast - die young." Während sich dieser Trend bei dem Vergleich verschiedener Spezies bewahrheitet, könnte die neue Studie für Tiere einer Art genau das Gegenteil bedeuten. "Es war die totale Überraschung", so Speakman.

Das Geheimnis der Langlebigkeit könnte in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle, liegen, die bei der Stoffwechselrate mitwirken. Sie benützen Sauerstoff, um Nahrungsmoleküle zu verbrennen und dadurch chemischen Brennstoff zu produzieren, der von der Zelle verwendet wird. Aber innerhalb dieses Prozesses werden auch schädliche freie Radikale generiert, die andere Moleküle beschädigen und mit dem Altern in Zusammenhang stehen. Speakmans Team hat den Beweis erbracht, dass Mäuse mit einer hohen Stoffwechselrate mehr kräftige "loslösende Proteine" haben, die bewirken, dass die Mitochondrien Hitze statt des Brennstoffs produzieren. Wenn mehr von ihrer Energie als Hitze austritt, müssen die Mitochondrien auf Höchstgeschwindigkeit arbeiten um genug chemischen Brennstoff für die Zelle zu generieren.

Gleichzeitig könnten die Mitochondrien effizienter arbeiten und weniger schädliche freie Radikale freisetzen, wodurch der Alterungsprozess verlangsamt würde. Speakman möchte nun untersuchen, ob eine höhere Stoffwechselrate ein Menschenleben verlängern kann, warnt aber auch davor, dass eine solche Lösung für das Altern kaum "um die Ecke zu finden" sei. Obwohl Drogen wie Amphetamine bekannt dafür sind, dass sie den Stoffwechsel anregen, können sie nicht gleichzeitig die Aktivität der loslösenden Proteine steigern, die den Schlüssel für die Einschränkung der Produktion der freien Radikale darstellen und somit potenziell Leben verlängern. Der Experte Wayne Van Voorhies warnt vor der Schwierigkeit, Präparate zu finden, die die Produktion entsprechender Proteine erhöhen. "Dabei bastelt man wirklich an fundamentalen Charakteristika der Zelle herum", so der Experte.

pressetext.austria | Marietta Gross
Weitere Informationen:
http://www.nature.com

Weitere Berichte zu: Lebenserwartung Mitochondrium Stoffwechsel Stoffwechselrate Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen
17.08.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht Forschende entschlüsseln das Alter feiner Baumwurzeln
17.08.2018 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics