Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf dem Weg zum natürlichen Leber-Ersatz - SFB in Göttingen forscht interdisziplinär

15.05.2001


... mehr zu:
»Leberzelle »Stadium
Können ausgewachsene Organe sich erneuern? Die menschliche Leber kann - und gibt damit der medizinischen Forschung Rätsel auf. Ein neues Projekt des Göttinger Sonderforschungsbereichs (SFB) 402, den die Deutsche
Forschungsgemeinschaft (DFG) seit 1994 fördert, wird sich mit der Lösung dieses Rätsels beschäftigen. "Wir wollen verstehen, welche Faktoren die Entwicklung der Leber im embryonalen Stadium und welche die Regeneration, das heißt die Erneuerung im erwachsenen Stadium steuern, wie also aus reifen Leberzellen neue, gesunde Zellen erwachsen", sagt der Internist und Gastroenterologe Professor Dr. Giuliano Ramadori, stellvertretender Sprecher des SFB 402. "Beide Prozesse müssen zumindest in Teilaspekten übereinstimmen." Wenn das Vorhaben gelinge, könnte man eines Tages mittels im Labor kultivierten Lebergewebes unabhängiger von Spenderlebern werden als man es jetzt ist. Die Zahl der Patienten, die eine neue Leber brauchen, nimmt ständig zu. In USA stehen 17.000 Personen auf der Warteliste für eine Lebertransplantation. In Göttingen rund 30 Patienten.

"Dem neuen Projekt kommt eine Besonderheit des Sonderforschungsbereichs zu Gute", sagt der Biochemiker, Professor Dr. Kurt Jungermann, Sprecher des SFB 402. "Hier arbeiten gezielt Vertreter vorklinischer, theoretisch-medizinischer und klinischer Fächer zusammen, um das Verständnis der Ursachen von Erkrankungen und der Entwicklung und Regeneration von Leber und Darm zu verbessern." Beteiligt sind die Abteilungen Biochemie I, Entwicklungsbiochemie, Herz- und Kreislaufphysiologie, Molekulare Pharmakologie, Immunologie, Virologie, Gastroenterologie und Endokrinologie sowie die Allgemeinchirurgie aus dem Bereich Humanmedizin. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt den Sonderforschungsbereich mit jährlich zwei Millionen Mark.

Gefördert werden dreizehn Projekte. Im Projektbereich A werden die Mechanismen der zellspezifischen Expression von Genen im Gastrointestinaltrakt bearbeitet. Im Projektbereich B werden die Kommunikation zwischen Leber und Darm über Nerven und zwischen den einzelnen Zellen innerhalb von Leber und Darm über Mediatoren untersucht - vor allem im Zusammenhang mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Im Projektbereich C analysieren die Forscher virale Erkrankungen der Leber und deren Erreger, wobei die Mechanismen der Entstehung einer chronischen Leberentzündung sowohl auf der Wirts- wie auf der Virusseite im Vordergrund stehen.

Dass Vertreter vorklinischer, theoretisch-medizinischer und klinischer Fächer so eng zusammenarbeiten, ist eine besondere Stärke dieses Sonderforschungsbereichs. Weiterer sichtbarer Ausdruck dieser Kooperation ist das Graduiertenkolleg 335 "Klinische, Zelluläre und Molekulare Biologie innerer Organe", welches dem SFB 402 assoziiert ist. Das Kolleg ergänzt den SFB thematisch um Projekte der Nieren, Nebennieren und des Herzens. Etwa die Hälfte der Antragsteller des SFB 402 sind gleichzeitig Betreuer im Graduiertenkolleg. Im Verbund der Projekte profitieren die Promotionsstipendiaten von der Dichte der Information. Das Graduiertenkolleg, das seit 1997 gefördert wird, war außerdem das erste in Göttingen, in dem ausschließlich in englischer Sprache unterrichtet wird - das macht es für ausländische Studierende attraktiv.

Das Interesse der einheimischen Studentinnen und Studenten am Graduiertenkolleg 335 ist im Moment geringer als erwartet. "Der Nachwuchs für biomedizinische Forschung macht uns zur Zeit etwas Sorge", sagt der Physiologe Professor Dr. Gerhard Burckhardt, Sprecher des Kollegs. Denn momentan biete die Industrie für Biologen auch ohne Promotion gute Arbeitsmöglichkeiten.

"Hochkarätige Forschung an öffentlichen Einrichtungen und insbesondere in der Klinik ist wichtig, man darf sie nicht allein den Privaten überlassen", sagt auch Professor Ramadori. Er sieht den SFB 402 mit seinen 24 von der DFG finanzierten, zusätzlichen Stellen als "kleine Firma". Die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die die oft fehlende Anbindung der Grundlagenforschung an die Klinik kritisiert, hat jüngst der "Firma" ein positives Zeugnis ausgestellt. Auf Grund seiner sehr guten Begutachtung konnte der SFB 402 am 1. Januar 2001 in die dritte dreijährige Förderperiode gehen - mit Option auf eine weitere Verlängerung. Das Graduiertenkolleg 335 befindet sich im ersten Jahr der zweiten Förderungsperiode.

Ein digitales Foto von Leberzellen ist in der Pressestelle erhältlich.

Weitere Informationen:

Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin
Abt. Gastroenterologie und Endokrinologie
Prof. Dr. Giuliano Ramadori
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen
Tel.: 0551/39 63 01

Rita Wilp | idw

Weitere Berichte zu: Leberzelle Stadium

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Infrarotsensor als neue Methode für die Wirkstoffentwicklung
19.07.2018 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Neues aus der Schaltzentrale
18.07.2018 | Karl-Franzens-Universität Graz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Automatisiertes Befüllen von Regalen im Einzelhandel

19.07.2018 | Verkehr Logistik

Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen

19.07.2018 | Studien Analysen

Mit dem Nano-U-Boot gezielt gegen Kopfschmerzen und Tumore

19.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics