Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher wollen die Pumpe eines Pilzes lahm legen

16.05.2001


... mehr zu:
»Aktivierung »Gen »Medikament
Bei der Behandlung von Pilzinfektionen gibt es zwei große Probleme: Zum einen stehen den Ärzten nur wenige Medikamente zur Verfügung, zum anderen können die Pilze gegen diese Arzneien resistent werden. Dass bei
den widerstandsfähigen Pilzen häufig ein ganz bestimmtes Gen aktiv ist, haben Wissenschaftler vom Zentrum für Infektionsforschung der Universität Würzburg herausgefunden.

Dr. Joachim Morschhäuser und seine Arbeitsgruppe untersuchen die Resistenz des häufigsten krankheitserregenden Pilzes (Candida albicans) gegen Medikamente aus der Gruppe der Azole. Diese müssen in die Pilzzelle aufgenommen werden, damit sie wirken können.

"Häufig werden die Pilze dadurch resistent, dass sie das Medikament einfach wieder aus der Zelle hinauspumpen", so der Würzburger Forscher. Das geschehe dadurch, dass die Pilze die Produktion der Pumpen ankurbeln: Dazu werden verstärkt die Gene aktiviert, die den Bauplan für die Pumpen liefern. Wie diese Aktivierung genau abläuft, ist bisher nicht bekannt.

In der Arbeitsgruppe von Dr. Morschhäuser wurden verschiedene resistente Vertreter von Candida albicans untersucht. Dabei kam heraus, dass in den resistenten Pilzen sehr häufig ein Gen angeschaltet ist, das die Forscher auf den Namen MDR1 tauften. Dieses Kürzel steht für "Multiple Drug Resistance" (mehrfache Arzneistoff-Resistenz). Bei den nicht-resistenten Pilzen ist dieses Gen unter denselben Wachstumsbedingungen nicht aktiviert.

Jetzt wollen die Wissenschaftler herausfinden, auf welche Weise es zur Aktivierung des Gens und damit zur Resistenz kommt. Mit diesem Wissen könnte man dann gezielt in die Aktivierung der MDR1-Pumpe eingreifen. Außerdem soll die Struktur der Pumpe analysiert werden, um sie künftig möglicherweise blockieren zu können. Dann wäre auch das Herauspumpen von Medikamenten aus der Pilzzelle unterbunden.

Diese Untersuchungen werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Sie sollen dazu beitragen, dass die wenigen Medikamente, die zur Bekämpfung von Pilzinfektionen eingesetzt werden können, auch in Zukunft wirksam bleiben.

Pilze sind in den vergangenen Jahren, zusätzlich zu den Viren, Bakterien und Parasiten, zunehmend als Krankheitserreger in Erscheinung getreten. Für gesunde Menschen sind sie meistens ungefährlich, da sie wenig aggressiv sind und vom Abwehrsystem gut in Schach gehalten werden. Bei einer Unterdrückung des Immunsystems, die zum Beispiel durch eine HIV-Infektion verursacht sein kann, die aber auch therapeutisch zur Behandlung von Krebs oder nach Organtransplantationen herbeigeführt wird, können bestimmte Pilze jedoch schwere Infektionen auslösen.

Der häufigste dieser Pilze ist Candida albicans. Dabei handelt es sich um einen Hefepilz, der bei den meisten gesunden Menschen als harmloser Bewohner des Verdauungstrakts vorkommt. Er kann aber auch - je nachdem, wie stark das Immunsystem unterdrückt ist - massiv die Oberfläche der Schleimhäute befallen und sogar zu lebensbedrohlichen Infektionen der inneren Organe führen.

Weitere Informationen: Dr. Joachim Morschhäuser, T (0931) 31-2152, Fax (0931) 31-2578, E-Mail: 
joachim.morschhaeuser@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Aktivierung Gen Medikament

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Komplexe biologische Systeme können nicht ohne Chaos existieren
17.02.2020 | Universität Rostock

nachricht Neue Hauptdarsteller im Meeresboden: Eine bislang kaum beachtete Bakteriengruppe im Rampenlicht
17.02.2020 | Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lichtpulse bewegen Spins von Atom zu Atom

Forscher des Max-Born-Instituts für Nichtlineare Optik und Kurzpulsspektroskopie (MBI) und des Max-Planck-Instituts für Mikrostrukturphysik haben durch die Kombination von Experiment und Theorie die Frage gelöst, wie Laserpulse die Magnetisierung durch ultraschnellen Elektronentransfer zwischen verschiedenen Atomen manipulieren können.

Wenige nanometerdünne Filme aus magnetischen Materialien sind ideale Testobjekte, um grundlegende Fragestellungen des Magnetismus zu untersuchen. Darüber...

Im Focus: Freiburg researcher investigate the origins of surface texture

Most natural and artificial surfaces are rough: metals and even glasses that appear smooth to the naked eye can look like jagged mountain ranges under the microscope. There is currently no uniform theory about the origin of this roughness despite it being observed on all scales, from the atomic to the tectonic. Scientists suspect that the rough surface is formed by irreversible plastic deformation that occurs in many processes of mechanical machining of components such as milling.

Prof. Dr. Lars Pastewka from the Simulation group at the Department of Microsystems Engineering at the University of Freiburg and his team have simulated such...

Im Focus: Transparente menschliche Organe ermöglichen dreidimensionale Kartierungen auf Zellebene

Erstmals gelang es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, intakte menschliche Organe durchsichtig zu machen. Mittels mikroskopischer Bildgebung konnten sie die zugrunde liegenden komplexen Strukturen der durchsichtigen Organe auf zellulärer Ebene sichtbar machen. Solche strukturellen Kartierungen von Organen bergen das Potenzial, künftig als Vorlage für 3D-Bioprinting-Technologien zum Einsatz zu kommen. Das wäre ein wichtiger Schritt, um in Zukunft künstliche Alternativen als Ersatz für benötigte Spenderorgane erzeugen zu können. Dies sind die Ergebnisse des Helmholtz Zentrums München, der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität München (TUM).

In der biomedizinischen Forschung gilt „seeing is believing“. Die Entschlüsselung der strukturellen Komplexität menschlicher Organe war schon immer eine große...

Im Focus: Skyrmions like it hot: Spin structures are controllable even at high temperatures

Investigation of the temperature dependence of the skyrmion Hall effect reveals further insights into possible new data storage devices

The joint research project of Johannes Gutenberg University Mainz (JGU) and the Massachusetts Institute of Technology (MIT) that had previously demonstrated...

Im Focus: Skyrmionen mögen es heiß – Spinstrukturen auch bei hohen Temperaturen steuerbar

Neue Spinstrukturen für zukünftige Magnetspeicher: Die Untersuchung der Temperaturabhängigkeit des Skyrmion-Hall-Effekts liefert weitere Einblicke in mögliche neue Datenspeichergeräte

Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat einen weiteren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

4. Fachtagung Fahrzeugklimatisierung am 13.-14. Mai 2020 in Stuttgart

10.02.2020 | Veranstaltungen

Alternative Antriebskonzepte, technische Innovationen und Brandschutz im Schienenfahrzeugbau

07.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste Untersuchungsergebnisse zum "Sensations-Meteoritenfall" von Flensburg

17.02.2020 | Geowissenschaften

Lichtpulse bewegen Spins von Atom zu Atom

17.02.2020 | Physik Astronomie

Freiburger Forscher untersucht Ursprünge der Beschaffenheit von Oberflächen

17.02.2020 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics