Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zellwanderung: GBF-Forscher klären Signalweg auf

25.02.2004


Was den Zellen Beine macht

Von Rac über Sra und Nap zu Abi, WAVE und Arp: Was für den Laien nach einem unverständlichen Kürzel-Kauderwelsch klingt, ist tatsächlich die Formel für die Beweglichkeit von Zellen - und damit ein Schlüssel zum Verständnis so unterschiedlicher Vorgänge wie der Embryonalentwicklung, der Wundheilung oder der Ausbreitung von Krebsgeschwüren im Körper. Wissenschaftler der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig haben - gemeinsam mit italienischen Kollegen des European Institute of Oncology in Mailand - erforscht, auf welchem Weg Zellen Signale von außen in Bewegungsimpulse umsetzen. Ihre Ergebnisse beschreiben sie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "The EMBO Journal".

"Praktisch immer, wenn menschliche oder tierische Zellen ihre Form verändern, liegt dem derselbe Mechanismus zu Grunde: Die so genannte Aktin-Polymerisation", erklärt Dr. Theresia Stradal, Forscherin bei der Abteilung Zellbiologie der GBF. Dabei fügen sich einzelne Moleküle des Eiweißes Aktin an der Zellmembran zu langen Ketten zusammen und beginnen, Ausstülpungen der Zelloberfläche nach außen zu bilden. Ein bestimmter Typ solcher Ausstülpungen heißt "Führungslamelle". Beginnt eine Zelle, sich fortzubewegen, so bildet sie stets als Erstes Führungslamellen. Andere Ausstülpungs-Formen entstehen, wenn beispielsweise eine Fresszelle des Immunsystems einen Fremdkörper vertilgt.

Wachstum, Wunden und Erreger-Tricks

Ausgelöst wird die Aktin-Polymerisation meist durch Signale von außen. Wachstumsfaktoren oder andere Botenstoffe können der Zelle einen "Wanderungsbefehl" erteilen. Das geschieht etwa bei der Wundheilung, wo verschiedene Typen von Zellen schnell zum Ort der Verletzung gelangen müssen, aber auch bei der Entwicklung der Körpergewebe im Embryo. Auch manche Krankheitserreger lösen solche Vorgänge aus, wenn sie auf die Oberfläche menschlicher Zellen treffen. Ziel ihres Tricks: Die Zelle soll sie umschließen und in ihr Inneres aufnehmen. "Man wusste bislang bereits, dass diese Auslöser-Signale durch Moleküle wie das so genannte Rac1 weitergeleitet werden", erklärt Anika Steffen, die zu diesem Thema an der GBF ihre Doktorarbeit anfertigt. Am Ende der ganzen Signalkette steht ein Eiweiß-Komplex namens Arp 2/3, der die Bildung der Aktin-Ketten auslöst - auch das war bekannt. "Wir haben jetzt herausgefunden, dass zwei Proteine namens Sra-1 und Nap 1 in der Mitte des Übertragungsweges stehen", so Anika Steffen. "Blockiert man Sra oder Nap, kann die Zelle keine Lamellen mehr bilden, sich nicht mehr bewegen, nichts mehr aufnehmen."

Nachdem die Aktin-Bildung an so vielen entscheidenden Prozessen im menschlichen Körper beteiligt ist, könnte die Kenntnis dieses Signalwegs neues Licht auf viele medizinisch relevante Fragen werfen. "Man kann beispielsweise untersuchen, ob dieser Signalweg in invasiven, also abnorm beweglichen Tumorzellen oder bei gestörter Wundheilung falsch reguliert ist", erklärt Theresia Stradal.

Thomas Gazlig | GBF
Weitere Informationen:
http://www.gbf.de

Weitere Berichte zu: Molekül Signalweg Wundheilung Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zika und Gelbfieber: Impfstoffe ohne Ei
21.09.2018 | Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme Magdeburg

nachricht Einbahnstraße für das Salz
21.09.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue CBMC-Geräteschutzschaltervarianten

22.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

ISO-27001-Zertifikat für die GFOS mbH und die GFOS Technologieberatung GmbH

21.09.2018 | Unternehmensmeldung

Kundenindividuelle Steckverbinder online konfigurieren und bestellen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics