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Eine der größten Diatomeen-Datenbanken ist online

27.01.2004


Diatomee (Auliscus sculptus), Foto: Friedel Hinz, AWI


Diatomee (Thalassiosira ritscheri), Foto: Friedel Hinz, AWI


Forscherinnen und Forscher können jetzt auf eine der größten Diatomeen-Datenbanken im Internet zugreifen. Bei einer gegenwärtigen Größe von etwa 30 000 Materialproben und rund 80 000 mikroskopischen Präparaten ist die Sammlung von unschätzbarem Wert für die Wissenschaft.


Kieselalgen (Diatomeen) sind einzellige Pflanzen, die sowohl im Meerwasser als auch im Süßwasser vorkommen. Sie sind wichtiger Teil der Nahrungskette und nützlich als Indikatoren für ökologische und klimatische Veränderungen. Ihr einzigartiges Merkmal ist die Zellwand, die aus in Mustern angeordneten Silikaten besteht. Auf der Basis dieser Muster ist die ganze Gruppe klassifiziert.

Der Friedrich-Hustedt-Arbeitsplatz für Diatomeenkunde, benannt nach dem gleichnamigen Bremer Forscher, wurde 1965 am Institut für Meeresforschung unter seinem ersten Kurator Dr. Reimer Simonsen gegründet und 1986 ins Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) integriert. Es handelt sich um eine der größten und am besten ausgestatteten Diatomeensammlungen der Welt. Sie bildet ein Fundament für Meeres- und Süßwasserforschung. "Wer die Organismen in Seen oder Meeren untersucht, benötigt einen Bezugspunkt für deren Identifizierung, und dieser wird angeboten durch eine sorgfältige Regelung der Nomenklatur und ein System von Beispielorganismen. Im Falle der Diatomeen basiert dieses auf lichtmikroskopischen Präparaten", sagt der jetzige Leiter des Friedrich-Hustedt-Arbeitsplatzes, Dr. Richard Crawford.


In den vergangenen Jahren wurde an der Erstellung einer Datenbank gearbeitet. Es können Arten, Informationen über ihre Entdecker, der Fundstelle, die Art des Lebensraumes, ihre Größe, Bilder der Diatomeen und vieles mehr in der Datenbank aufgerufen werden.

Seit seiner Gründung hat der Friedrich-Hustedt-Arbeitsplatz zahlreiche Beispielorganismen neuer Arten aus aller Welt erhalten. Jüngstes Beispiel ist das der norwegischen Forscherin Prof. Dr. Grethe Hasle, die dem Friedrich-Hustedt-Arbeitsplatz ca. 2500 ihrer Diatomeenpräparate zur Verfügung stellte. Sie entdeckte die Kieselalge Pseudo-nitzschia multiseries, die ein sehr hochwirksames Gift produziert, das sich in Muscheln ansammelt. Von Menschen gegessen, kann es Gedächtnisverlust verursachen und führt manchmal sogar zum Tod.

Die molekularbiologische Arbeitsgruppe von Dr. Linda Medlin am AWI entwickelt ein Gerät, das einen DNA-Mikrochip enthält, der Pseudo-nitzschia - Arten nachweisen kann. Auf diesem Wege sollen potenziell schädliche Algen im Meerwasser der Deutschen Bucht identifiziert werden. Friedel Hinz, technische Assistentin am Friedrich-Hustedt-Arbeitsplatz, war Co-Autorin einer Publikation über potenziell toxische Pseudo-nitzschia-Algen in argentinischen Gewässern, die 1999 veröffentlicht wurde.

Durch die Diatomeen-Datenbank wird die internationale Vernetzung dieser Daten möglich, während das Referenzsystem die Identifizierung vereinfacht. In Europa ist die Datenbank ein Focus für ein entstehendes online-Bestimmungssystem für Süßwasser-Diatomeen unter dem Algaterra - Projekt.

Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten Breiten. Das AWI koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher "Polarstern" für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das AWI ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Dipl.-Ing. Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi-bremerhaven.de/Research/hustedt1-d.html

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