Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

CD22: Ein Hemmstoff von B-Zellen mit Vorliebe für Zucker

25.11.2003


Wenn bestimmte Immunzellen allzu heftig stimuliert werden, dann können sich Autoimmunkrankheiten oder Krebsleiden, so genannte Lymphome, entwickeln. Um das zu verhindern, tragen die Zellen Proteine auf der Oberfläche, die ihre Immunantwort abschwächen. Der Immunologe Lars Nitschke von der Uni Würzburg untersucht die Funktion eines dieser Proteine und dessen Regulation durch die Bindung an körpereigene Zuckermoleküle.



B-Lymphozyten sind die Zellen des Immunsystems, die Antikörper gegen Krankheitserreger produzieren. Diese Abwehrstoffe sind zunächst auf der Oberfläche der B-Zellen gebunden, wo sie durch Bestandteile von Mikroorganismen stimuliert werden müssen. Auf ihrer Außenhaut tragen die B-Lymphozyten noch weitere Proteine, die so genannten hemmenden Ko-Rezeptoren: Sie verhindern, dass die Zellen bei ihrer Abwehrarbeit zu sehr in Fahrt kommen.



Der wichtigste "Bremser" ist das Protein CD22. In der Arbeitsgruppe von Nitschke wurden in den vergangenen Jahren genetisch veränderte Mäuse hergestellt, denen genau dieses Protein fehlt. Dadurch konnten die Forscher seine physiologische Rolle aufklären: Ohne CD22 werden die B-Zellen stärker als normal über die zellgebundenen Antikörper stimuliert. Das hat Auswirkungen auf ihre Reifung und die Immunantwort.

CD22 tritt auch in Kontakt mit körpereigenen Zuckermolekülen, den so genannten Sialinsäuren. Diese kommen bei Menschen und Säugetieren auf der Oberfläche vieler Zellen vor. Die Bindung an diese Zucker ermöglicht den B-Lymphozyten die Kontaktaufnahme mit anderen Zellen und steuert ihre Wanderung im Gewebe. Zum Beispiel bewirkt sie, dass die B-Zellen aus den Blutgefäßen ins Knochenmark eindringen können, wie die Würzburger Wissenschaftler herausgefunden haben.

"Die Bindung an Sialinsäuren reguliert aber auch die Hemmung der B-Zellen", so Nitschke. Darum soll nun in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt die zuckerbindende Funktion von CD22 und ihre Auswirkung auf das Immunsystem untersucht werden.

CD22 gehört zu einer Proteinfamilie namens "Siglecs". Die Mitglieder dieser Familie finden sich auch auf anderen weißen Blutzellen, aber über ihre Funktion ist noch wenig bekannt. Sie alle binden Sialinsäuren und wirken hemmend auf die Zellen. Da Sialinsäuren im Menschen häufig vorkommen, bei Mikroorganismen aber selten sind, könnte es sich bei ihnen um Strukturen handeln, mit deren Hilfe das

Immunsystem körpereigene Bestandteile als solche erkennt. Krankheitserreger, die diese Strukturen nicht besitzen, würden folglich als fremd eingestuft und bekämpft.

In Zusammenarbeit mit dem Forscher Paul Crocker aus Dundee (Großbritannien) will die Gruppe von Lars Nitschke die Funktion der "Siglecs" im Immunsystem untersuchen. Dafür sollen genetisch veränderte Mäuse eingesetzt werden, bei denen ein Siglec-Gen ausgeschaltet wurde. Auch dieses Vorhaben ist Teil des von der DFG geförderten Projekts.

Weitere Informationen: PD Dr. Lars Nitschke, T (0931) 201-49957, Fax (0931) 201-49243, E-Mail: nitschke@vim.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: B-Zelle CD22 Immunsystem Protein Sialinsäure Zucker

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mister Raney bekommt Konkurrenz - Ein neuer Katalysator auf Nickel-Basis nutzt Nano-Strukturen
16.07.2018 | Leibniz-Institut für Katalyse e. V. an der Universität Rostock

nachricht Duftrezeptoren können viel mehr als nur riechen
16.07.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mister Raney bekommt Konkurrenz - Ein neuer Katalysator auf Nickel-Basis nutzt Nano-Strukturen

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

16.07.2018 | Physik Astronomie

Rostocker Forscher testen neue Generation von Offshore-Windenergie-Anlagen

16.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics