Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ersatzgewebe aus der Retorte

12.11.2003


Nach Unfällen oder bei vielen Erkrankungen ist es nötig, menschliches Gewebe zu ersetzen. Beim tissue engineering sind Komplikationen selten, denn es werden körpereigene Zellen gezüchtet. Für Knorpelersatz ist das Fraunhofer IGB bereits zertifiziert.


Beim Züchten von menschlichen Geweben gibt es viele Laborvorschriften - Sterilität ist nur eine. ©Fraunhofer IGB



Zusammengeklebt ist der Mensch mit Kollagen (griechisch kolla = Leim). Ob in Haut, Knorpel, Sehnen, Bändern, Blutgefäßen, Zähnen oder Knochen - mit rund 25 bis 30 Prozent ist diese Gruppe strukturgebender Proteine bei Säugetieren die häufigste. Entsprechend vielfältig sind die Krankheitserscheinungen. Beispiel Knorpelnekrose: Im Gelenk lösen sich Knorpelstückchen ab und im angrenzenden Gewebe schließlich auf. In solchen pathologischen Fällen oder nach Unfällen benötigt der Mediziner Ersatzgewebe (oder aber Prothesen). Wie bei jeder Transplantation stammt es von einem anderen Körperteil, einem anderen Patienten oder vom Tier. Gerade bei den beiden letzten Spendern muss damit gerechnet werden, dass das transplantierte Gewebe nicht vertragen wird, sich entzündet oder sich wieder auflöst. Bei der jüngeren biomedizinischen Richtung des tissue engineering treten solche Komplikationen dagegen in der Regel nicht auf, denn dabei werden körpereigene Zellen im Labor gezüchtet. Aus ihnen kann das benötigte Gewebe aufgebaut werden.

... mehr zu:
»Ersatzgewebe »Gewebe »IGB »Kollagen


Nun ist auch das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart für solche Arbeiten zertifiziert: Vor einem Monat stellte die Leitstelle Arzneimittelüberwachung des Regierungspräsidiums in Tübingen eine Herstellungserlaubnis nach § 13 des deutschen Arzneimittelgesetzes aus. "Zunächst bezieht sich diese Erlaubnis auf die Herstellung von Chondrozyten, also Knorpelzellen", sagt Dr. Hans-Georg Eckert, Leiter der Abteilung Zellsysteme. "Damit gehören wir zu einem ganz kleinen Kreis nicht-kommerzieller Einrichtungen in Deutschland, die derartige Zelltherapeutika herstellen dürfen." Die während der Zertifizierung gewonnenen Erfahrungen und die aufgebaute Labor-Infrastruktur soll nun für entsprechende Kooperationsprojekte genutzt werde. Die Wissenschaftler am IGB werden in Zukunft ihre Tätigkeiten auf andere Zellen und Gewebe ausdehnen, beispielsweise Haut-, Knochen-, Blut- oder Nervenzellen. Mit diesem Leistungsspektrum sprechen die Forscher vor allem Spezialkliniken und kleinere Unternehmen an. Diese verfügen zumeist nicht über die Voraussetzungen, die in den Richtlinien der Guten Herstellungspraxis für Arzneimittel definiert sind (Good Manufacturing Practices, GMP).

"Nach einer erfolgreichen Züchtung muss das Gewebe seine spezifische Aufgabe erfüllen", hebt Dr. Ulrike Vettel nur eine Laborarbeit hervor. "Bei Knorpelzellen etwa weisen wir nach, ob die Zellen das gewünschte Kollagen vom Typ II produzieren. Wenn nicht, wird das Gewebe für eine Anwendung am Patienten nicht freigegeben."

Ansprechpartner:
Dr. Hans-Georg Eckert
Telefon 07 11 / 9 70-41 17, Fax -40 47, eck@igb.fraunhofer.de

Dr. Ulrike Vettel
Telefon 07 11 / 9 70-40 51, vet@igb.fraunhofer.de


Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw
Weitere Informationen:
http://www.igb.fraunhofer.de/WWW/KF/Biotech_Zellsysteme/start.html
http://www.fraunhofer.de/mediendienst

Weitere Berichte zu: Ersatzgewebe Gewebe IGB Kollagen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Unordnung kann Batterien stabilisieren
18.09.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Mit Nano-Lenkraketen Keime töten
17.09.2018 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Im Focus: Bio-Kunststoffe nach Maß

Zusammenarbeit zwischen Chemikern aus Konstanz und Pennsylvania (USA) – gefördert im Programm „Internationale Spitzenforschung“ der Baden-Württemberg-Stiftung

Chemie kann manchmal eine Frage der richtigen Größe sein. Ein Beispiel hierfür sind Bio-Kunststoffe und die pflanzlichen Fettsäuren, aus denen sie hergestellt...

Im Focus: Patented nanostructure for solar cells: Rough optics, smooth surface

Thin-film solar cells made of crystalline silicon are inexpensive and achieve efficiencies of a good 14 percent. However, they could do even better if their shiny surfaces reflected less light. A team led by Prof. Christiane Becker from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) has now patented a sophisticated new solution to this problem.

"It is not enough simply to bring more light into the cell," says Christiane Becker. Such surface structures can even ultimately reduce the efficiency by...

Im Focus: Mit Nano-Lenkraketen Keime töten

Wo Antibiotika versagen, könnten künftig Nano-Lenkraketen helfen, multiresistente Erreger (MRE) zu bekämpfen: Dieser Idee gehen derzeit Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der Medizinischen Hochschule Hannover nach. Zusammen mit einem führenden US-Experten tüfteln sie an millionstel Millimeter kleinen Lenkraketen, die antimikrobielles Silber zielsicher transportieren, um MRE vor Ort zur Strecke zu bringen.

In deutschen Krankenhäusern führen die MRE jährlich zu tausenden, teils lebensgefährlichen Komplikationen. Denn wer sich zum Beispiel nach einer Implantation...

Im Focus: Schaltung des Stromflusses auf atomarer Skala

Forscher aus Augsburg, Trondheim und Zürich weisen gleichrichtende Eigenschaften von Grenzflächenkontakten im ferroelektrischen Halbleiter nach.

Die Grenzflächen zwischen zwei elektrisch unterschiedlich polarisierten Bereichen im Festkörper werden als ferroelektrische Domänenwände bezeichnet. In der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von den Grundlagen bis zur Anwendung - Internationale Elektrochemie-Tagung in Ulm

18.09.2018 | Veranstaltungen

Unbemannte Flugsysteme für die Klimaforschung

18.09.2018 | Veranstaltungen

Studierende organisieren internationalen Wettbewerb für zukünftige Flugzeuge

17.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Auf der InnoTrans 2018 mit innovativen Lösungen für den Güter- und Personenverkehr

18.09.2018 | Messenachrichten

Von den Grundlagen bis zur Anwendung - Internationale Elektrochemie-Tagung in Ulm

18.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

18.09.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics