Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schimmelpilzgifte sicher nachweisen

12.09.2000


Wissenschaftlicher Pressedienst Chemie 44/00 vom 11. September 2000

Schimmelpilzgifte sicher nachweisen
Aflatoxinmessung out-door

Gehalte an krebserzeugenden Aflatoxinen in Lebensmitteln wie Nüssen, Pistazien, Feigen oder Paprika lassen sich seit kurzem mit einem neu entwickelten, einfachen und dennoch sehr empfindlichen Messverfahren bereits in den Versandlägern in den weltweiten Erzeugerländern ermitteln. Auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag vom 11. bis 13. September 2000 in Stuttgart-Hohenheim wurde das als ein großer Fortschritt für den Verbraucherschutz gewertet, da nun belastete Waren bereits am Ort der Erzeugung aussortiert werden können. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft, Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), zeichnete in Stuttgart den Lebensmittelchemiker Jörg Stroka für das von ihm in Ispra (Italien) entwickelte Verfahren aus.

Aflatoxine sind hochgiftige und krebserregende Substanzen, die durch Schimmelpilze gebildet werden und in Lebensmitteln vorkommen können. Die Überprüfung von Lebensmitteln auf Aflatoxine ist daher ein wichtiges Ziel des vorbeugenden Verbraucherschutzes, das hohe Ansprüche an die Lebensmittelanalytik stellt. Der in Europa gültige Grenzwert liegt nämlich sehr niedrig, bei nur zwei Mikrogramm Aflatoxin B1 pro Kilogramm Lebensmittel; dies sind zwei millionstel Gramm pro Kilogramm.

Weltweit ist der Gehalt an Aflatoxinen in über 130 Ländern rechtlich geregelt, wobei die jeweiligen Grenzwerte von Land zu Land schwanken. Die effiziente und präzise Messbarkeit der Aflatoxingehalte stellt ein wichtiges
Kriterium bei der Festlegung dieser Grenzwerte dar. Die Überwachung der Lebensmittel mit möglichst einfachen aber genauen Mitteln ist eine wichtige Grundlage für den Verbraucherschutz, speziell in Ländern der Dritten Welt, die sehr oft mit der Problematik des Vorkommens von Aflatoxinen in Lebensmitteln zu kämpfen haben.

Eines der wichtigsten Werkzeuge zum Nachweis der Aflatoxine ist die sogenannte Dünnschichtchromatographie. Dabei werden die einzelnen Aflatoxine nach einer geeigneten Isolierung und Anreicherung aus dem Lebensmittel auf einer Schicht von Mikropartikeln aus Kieselgel getrennt. Aufgrund der starken Fluoreszenz der Aflatoxine kann ihre Identifizierung und die Gehaltsbestimmung im einfachsten Fall durch Schätzung des Gehaltes aus dem Vergleich mit Standardsubstanzen unter UV-Licht erfolgen. Diese Methode erfordert jedoch viel Erfahrung und ein gutes Auge des Chemikers.

Die zuverlässigere Alternative hierzu ist die Erfassung mit einem Detektor, der es ermöglicht, die Aflatoxine schon ab einer Menge von etwa einem Nanogramm (ein milliardstel Gramm) - oder sogar noch etwas weniger - auf der Dünnschichtplatte nachzuweisen. Die bisher verfügbaren Detektor-Messgeräte, sogenannte Densitometer, benötigen einen Stromnetzanschluss und sind aufgrund hoher apparativer Anforderungen sehr teuer (mehrere zehntausend Mark).

An der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission in Ispra wurden daher in Zusammenarbeit mit Partnern aus Afrika (Zambia) und weiteren Forschungseinrichtungen dünnschichtchromatographische Messmethoden gesucht, die es erlauben, die Aflatoxine mit einfachen Mitteln in Lebensmitteln präzise zu bestimmen.

Zum einen wurde eine einfache Analysenmethode erarbeitet, die im Gegensatz zu vielen anderen existierenden Methoden völlig auf umweltschädliche chlorierte Lösungsmittel verzichtet, deren Arbeitsbereich bis unterhalb der gültigen Grenzwerte reicht und die sehr anwenderfreundlich ist.

Weiterhin wurden Alternativen zu kommerziell erhältlichen Detektoren entwickelt. Ein Ergebnis dieser Arbeit ist der Prototyp eines vollkommen auf Halbleitertechnik basierenden, handlichen Detektors. Dieses Gerät zeichnet sich durch seine geringen Herstellungskosten und durch geringen Strombedarf aus, der es erlaubt, das Gerät in Verbindung mit einem Laptop allein mit Batterien zu betreiben.

Das von Jörg Stroka entwickelte, bestechend einfache und dabei sowohl hohen ökologischen als auch ökonomischen Ansprüchen genügende Verfahren wurde aufgrund seines besonderen innovativen und kreativen Potenzials in Stuttgart mit dem Bruno-Roßmann-Preis 2000 ausgezeichnet.

Dr. Kurt Begitt |

Weitere Berichte zu: Aflatoxin Grenzwert Schimmelpilzgift Verbraucherschutz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zika und Gelbfieber: Impfstoffe ohne Ei
21.09.2018 | Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme Magdeburg

nachricht Einbahnstraße für das Salz
21.09.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierungspotenziale bei Kaminöfen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics