Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schilddrüse braucht Schutz vor gefährlichem Wasserstoffperoxid

07.06.2000


Die Schilddrüse produziert ein ganzes Leben lang das Zellgift Wasserstoffperoxid, weil sie nur mit dessen Hilfe die lebenswichtigen Schilddrüsenhormone bilden kann. Trotzdem bleibt sie
normalerweise intakt und erfüllt bei ausreichender Jodversorgung ihre Funktion reibungslos. Wie aber schützt sich die Schilddrüse vor dem gefährlichen Wasserstoffperoxid? Dieser Frage gehen Wissenschaftler der Universität Würzburg nach.

Im Mittelpunkt der Untersuchungen, die das Team um den Hormonforscher Prof. Dr. Josef Köhrle in der Abteilung für Molekulare Innere Medizin der Medizinischen Poliklinik durchführt, stehen die so genannten Selenoproteine. Von rund 50 bei Säugetieren vermuteten Proteinen, die das lebenswichtige Spurenelement Selen als zentrales Funktionsprinzip enthalten, sind bislang nur 15 genauer bekannt.

Die menschliche Schilddrüse hat von allen Organen den höchsten Selengehalt. Ein gleichzeitiger schwerer Mangel an Jod und Selen führt gleich nach der Geburt zu einer stark ausgeprägten Wachstums- und Entwicklungsstörung. Diese ist auf eine Vernichtung des Schilddrüsengewebes durch Wasserstoffperoxid zurückzuführen, denn das Zellgift wird bei großem Jodmangel in der Schilddrüse verstärkt gebildet. Normalerweise wird es dann unter anderem durch selenhaltige Enzyme zerstört, doch wenn dem Körper zu wenig Selen zur Verfügung steht, kann der Überschuss an Wasserstoffperoxid nicht abgebaut werden.

Neben den Enzymen, die das Wasserstoffperoxid vernichten, bildet die Schilddrüse noch mindestens vier weitere Selenoproteine. Prof. Köhrle: "Offensichtlich kann nur das koordinierte Zusammenspiel dieser Proteine mit der durch die Hormone der Hirnanhangsdrüse sehr fein und exakt regulierten Produktion von Wasserstoffperoxid die lebenslange Synthese von Schilddrüsenhormonen garantieren und die Zerstörung der Schilddrüse verhindern."

Mit den molekular- und zellbiologischen Mechanismen, die hieran beteiligt sind, befassen sich Prof. Köhrle und sein Team im Rahmen eines neu eingerichteten Schwerpunktprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Ihre Untersuchungen führen die Würzburger Wissenschaftler an Zellkulturmodellen und an Präparaten durch, die bei Kropf- und Schilddrüsentumor-Operationen gewonnen wurden. Nach Aussage von Prof. Köhrle gibt es bereits Hinweise darauf, dass eine unzureichende und nicht ausgeglichene Versorgung mit den Spurenelementen Jod und Selen an der Entstehung der häufigsten Tumore hormonbildender Drüsen, nämlich der Schilddrüsenkarzinome, und auch an der Entwicklung von Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse beteiligt ist.

Prof. Köhrle empfiehlt daher dringend, auf eine ausreichende Jodversorgung zu achten: Man solle zwei Mal pro Woche Meeresfrüchte oder Seefisch essen und ausschließlich jodiertes Speisesalz verwenden. Dieser Rat gelte vor allem Personen, die sich mit Vollwertkost oder vegetarisch ernähren und die, so der Professor, "vermeintlich gesundes" Meersalz verwenden: Dieses enthalte viel zu wenig Jod, und eine nicht ausreichende Jodversorgung führe zu einer "oxidativ gestressten" Schilddrüse: Diese verbrauche mehr Selen, wachse und werde stärker durchblutet, bleibe daher nicht so lange funktionsfähig und werde eher durch Wasserstoffperoxid zerstört.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Josef Köhrle, T (0931) 201-7101, Fax (0931) 201-7107, E-Mail: j.koehrle@mail.uni-wuerzburg.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Robert Emmerich |

Weitere Berichte zu: Jod Jodversorgung Schilddrüse Selen Wasserstoffperoxid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Chemiker der Universitäten Rostock und Yale zeigen erstmals Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen
15.10.2018 | Universität Rostock

nachricht Bio-Angeln für Seltene Erden: Wie Eiweiß-Bruchstücke Elektronik-Schrott recyceln
15.10.2018 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Im Focus: Chemiker der Universitäten Rostock und Yale zeigen erstmals Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen

Die Forschungskooperation zwischen der Universität Yale und der Universität Rostock hat neue wissenschaftliche Ergebnisse hervorgebracht. In der renommierten Zeitschrift „Angewandte Chemie“ berichten die Wissenschaftler über eine Dreierkette aus Ionen gleicher Ladung, die durch sogenannte Wasserstoffbrücken zusammengehalten werden. Damit zeigen die Forscher zum ersten Mal eine Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen, die sich im Grunde abstoßen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Professoren Mark Johnson, einem weltbekannten Cluster-Forscher, und Ralf Ludwig aus der Physikalischen Chemie der...

Im Focus: Storage & Transport of highly volatile Gases made safer & cheaper by the use of “Kinetic Trapping"

Augsburg chemists present a new technology for compressing, storing and transporting highly volatile gases in porous frameworks/New prospects for gas-powered vehicles

Storage of highly volatile gases has always been a major technological challenge, not least for use in the automotive sector, for, for example, methane or...

Im Focus: Materiezustände durch Licht verändern

Forscherinnen und Forscher der Universität Hamburg stören die kristalline Ordnung

Physikerinnen und Physikern der Universität Hamburg ist es gelungen, mithilfe von Laserpulsen die Ordnung von Quantenmaterie so zu stören, dass ein spezieller...

Im Focus: Disrupting crystalline order to restore superfluidity

When we put water in a freezer, water molecules crystallize and form ice. This change from one phase of matter to another is called a phase transition. While this transition, and countless others that occur in nature, typically takes place at the same fixed conditions, such as the freezing point, one can ask how it can be influenced in a controlled way.

We are all familiar with such control of the freezing transition, as it is an essential ingredient in the art of making a sorbet or a slushy. To make a cold...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Neurowoche 2018: 7000 Experten für Gehirn und Nerven tagen in Berlin

15.10.2018 | Veranstaltungen

Berlin5GWeek: Private Industrienetze und temporäre 5G-Inseln

15.10.2018 | Veranstaltungen

PV Days in Halle zeigen neue Chancen für die Photovoltaik

11.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Smart Glasses Guide: Neues Tool zur Auswahl von Datenbrillen und Anwendungen

15.10.2018 | Informationstechnologie

Neurowoche 2018: 7000 Experten für Gehirn und Nerven tagen in Berlin

15.10.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Grauer Star: Neues Verfahren bei der Katarakt-Operation

15.10.2018 | Medizintechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics