Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenig gestresster Karpfen erliegt schon einem Parasiten

11.09.2002


Wageninger Forscher haben entdeckt, dass leicht gestresste Karpfen viel anfälliger für Parasiten sind, als ihre ungestressten Artgenossen. Alle Laborkarpfen, die eine Minute pro Tag aus dem Wasser geholt worden waren, starben an der Infektion mit Parasiten. Von den Karpfen, die nicht dieser leichten Stressbehandlung unterzogen worden waren, starb lediglich vierzig Prozent.

Die Forscher studierten die Reaktion von Karpfen auf den einzelligen Parasiten Trypanoplasma borreli. Ein Verwandter aus der Familie dieses Parasiten verursacht bei Menschen die Schlafkrankheit. Fischzüchter stören sich an den Parasiten, weil sie Epidemien mit Fischsterben verursachen können.

Jeden Tag holten die Forscher die mit Parasiten infizierten Karpfen aus dem Aquarium. Die Karpfen bekamen eine Injektion mit einem Scheinmedikament und durften wieder zurück ins Wasser. Die Injektion diente dazu, eine (Impfung)Vakzination zu imitieren, der Fische in Zuchtanlagen unterzogen werden. Dabei waren die Karpfen eine Minute pro Tag nicht im Wasser.

Keiner der gestressten, infizierten Karpfen lebte länger als vierzig Tage. Von den zehn infizierten Karpfen, die in Ruhe gelassen wurden, blieben allerdings sechs am Leben.

Während der Stressuntersuchung entdeckten die Biologen wie das Stresshormon Cortisol, die Abwehrreaktion gegen den Parasiten verschlechtert. Gestresste Karpfen produzieren vermehrt Cortisol. Beim Karpfen scheint Cortisol vier Eiweiße zu hemmen, die normalerweise entscheidend dazu beitragen, den Fisch zu schützen. Außerdem bewirkt Cortisol, dass bestimmte, schützende weiße Blutzellen Absterben. Auch senkt Cortisol die Menge an Antioxidanten in den Zellen. Dies macht den Fisch besonders anfällig für Sauerstoffradikale (Oxidantien), die vom eigenen Abwehrsystem gegen Parasiten produziert werden.

Der Parasit bewirkt dann, dass die Immunantwort des Karpfens überschießt und der Karpfen selbst daran zugrunde geht. Der Parasit lässt den Karpfen besonders viel Stickstoffmonoxid produzieren. Das Oxidants ist für die meisten Krankheitserreger giftig, so auch für diesen Parasiten. Der Karpfen produziert jedoch so viel Stickstoffmonoxid, dass die Karpfenzellen die den Erreger beseitigen, geschwächt werden. Der Parasit kann sich dadurch ungehindert vermehren.

Weltweit werden die meisten Karpfen, gut neunzig Prozent der Weltproduktion, in China gezüchtet. Dort werden Karpfen als Speisefische sehr geschätzt. In den Niederlanden ist der Karpfen wegen der vielen Gräten als Speisefisch weniger beliebt. In der Natur sind circa 80% der Karpfen mit dem Parasiten infiziert. Die meisten wilden Karpfen sind dem Parasiten jedoch gewachsen und überstehen die Infektion.

Nähere Informationen bei Dr. Dipl.-Ing. Jeroen Saeij (Universität Wageningen, Lehrstuhlgruppe Zellbiologie und Immunologie), Tel. +31 (0)317 483708 oder +31 (0)317 482732 (Kopromotor Dr. Dipl.-Ing. Geert Wiegertjes), Fax +31 (0)317 483955, Email: jeroen.saeij@celb.edc.wau.nl Die Promotion fand am 4. September statt, Promotor war Prof. Dr. W.B. van Muiswinkel.

Msc Michel Philippens | idw

Weitere Berichte zu: Cortisol Karpfen Parasit Speisefisch Stickstoffmonoxid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen
17.08.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht Forschende entschlüsseln das Alter feiner Baumwurzeln
17.08.2018 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics