Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Regulation molekularer "Anstandsdame" aufgeklärt

23.02.2001


Struktur des Chaperon-Regulator-Komplexes.


... mehr zu:
»Hsp70 »Protein »Regulation »Zelle
Für Sitte und Anstand im Reich der Moleküle sorgt eine Gruppe von Eiweißen, die Wissenschaftler als "Chaperone" (englisch für "Anstandsdamen") bezeichnen. Sie verhindern, dass Zellproteine
"unziemliche" Beziehungen mit anderen Proteinen eingehen und dadurch unter Umständen ihre Rolle in der Zelle nicht mehr erfüllen können. Chaperone scheinen so auch den Verlauf von Erkrankungen wie beispielsweise der Huntington’schen Krankheit zu beeinflussen. Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie und am Institut für Zellbiologie der Universität Bonn haben nun herausgefunden, wie die Funktion einer solchen molekularen Anstandsdame reguliert wird. Die Ergebnisse wurden am 23. Februar in der Wissenschaftszeitschrift Science veröffentlicht.

Eiweiße oder Proteine sind Hauptbestandteile der lebenden Zelle. Sie sind aus einer Kette von Aminosäuren aufgebaut, die in einem Faltungsvorgang eine bestimmte räumliche Struktur annehmen muss. Diese Struktur bestimmt dann letztlich die Funktion der Proteine. In den letzten Jahren konnte gezeigt werden, dass an dem Faltungsvorgang in der Zelle Helferproteine, die Chaperone, beteiligt sind. Sie verhindern eine Fehlfaltung, indem unerwünschte Kontakte zu anderen Proteinen unterbunden werden.

Wie wichtig die korrekte dreidimensionale Struktur für die Funktion eines Proteins ist, verdeutlicht beispielsweise die BSE-Erkrankung: Nach heutigem Kenntnisstand nehmen bei dieser Krankheit gewisse Eiweiße in den Nervenzellen des Gehirns plötzlich eine falsche Struktur an, wodurch sie nicht mehr abgebaut werden können. Statt dessen reichern sie sich an und lassen die Nervenzelle absterben. Auch für die Huntington-Erkrankung ist eine Fehlfaltung der Proteine die Ursache. Die Aufklärung der Funktion und Regulation von molekularen Chaperonen ist daher von großem medizinischen Interesse.

Die Arbeitsgruppe des Bonner Wissenschaftlers Prof. Dr. Jörg Höhfeld hat nun in Zusammenarbeit mit dem Labor von Prof. F.-Ulrich Hartl und Dr. Ismail Moarefi am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried entscheidende Einblicke in die Regulation des Chaperons Hsp70 gewonnen. Den Forschern gelang es, einen Komplex aus dem Hsp70 mit einem Regulatorprotein zu kristallisieren und seine dreidimensionale Struktur aufzuklären. Die Untersuchungen, deren Ergebnisse in der renommierten Wissenschaftszeitschrift Science vom 23. Februar publiziert wurden, zeigen auf molekularer Ebene, wie das Regulatorprotein die Aktivität von Hsp70 beeinflusst. Interessanterweise wurde ein ähnlicher Regulationsmechanismus auch in Bakterien beobachtet, der dort aber von einem gänzlich anderen Regulatorprotein vermittelt wird.

Als nächsten Schritt sieht Höhfeld die gezielte Veränderung der zellulären Funktion von Hsp70. Auf diese Weise solle es möglich sein, auch auf humane Erkrankungen, denen eine Proteinfehlfaltung zugrunde liegt, Einfluss zu nehmen.


Weitere Informationen: Prof. Dr. Jörg Höhfeld, Tel.: 0228/73-5308, E-Mail: hoehfeld@uni-bonn.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Frank Luerweg | idw

Weitere Berichte zu: Hsp70 Protein Regulation Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bayreuther Genetiker entdecken Regulationsmechanismus der Chromosomen-Vererbung
09.04.2020 | Universität Bayreuth

nachricht Superinfektionen bei Influenza: Jenaer Lungenbläschen-Chip zeigt, wie Bakterien und Viren Zellbarrieren beschädigen
09.04.2020 | InfectoGnostics - Forschungscampus Jena e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Breites Spektrum: Neuartiges Hybridmaterial erweist sich als effizienter Fotodetektor

Digitalkameras, aber auch viele andere elektronische Anwendungen benötigen lichtempfindliche Sensoren. Um den steigenden Bedarf an solchen optoelektronischen Bauteilen zu decken, sucht die Industrie nach neuen Halbleitermaterialien. Diese sollten nicht nur einen möglichst breiten Wellenlängenbereich erfassen, sondern auch preisgünstig sein. Ein in Dresden entwickeltes Hybridmaterial erfüllt beide Anforderungen. Himani Arora, Physik-Doktorandin am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR), wies nach, dass sich eine metallorganische Verbindung als Breitband-Fotodetektor verwenden lässt. Da es keine teuren Rohstoffe enthält, kann es in großen Mengen preisgünstig produziert werden.

Metallorganische Gerüste (Metal-Organic Frameworks, MOFs) haben sich in den vergangenen zwanzig Jahren zu einem gefragten Materialsystem entwickelt. Die...

Im Focus: Broad spectrum: Novel hybrid material proves an efficient photodetector

Digital cameras as well as many other electronic devices need light-sensitive sensors. In order to cater for the increasing demand for optoelectronic components of this kind, industry is searching for new semiconductor materials. They are not only supposed to cover a broad range of wavelengths but should also be inexpensive.

A hybrid material, developed in Dresden, fulfils both these requirements. Himani Arora, a physics PhD student at Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR),...

Im Focus: Langlebigere Satelliten, weniger Weltraumschrott

Forschende der Universität Stuttgart nehmen innovatives induktives Plasmatriebwerk auf Helicon-Basis in Betrieb

Erdbeobachtungssatelliten für niedrige Flughöhen, kleiner, leichter und billiger als herkömmliche Modelle: Das sind die Ziele des EU- Projekts „DISCOVERER“, an...

Im Focus: X-ray vision through the water window

The development of the first high-repetition-rate laser source that produces coherent soft x-rays spanning the entire 'water window' heralds the beginning of a new generation of attosecond technology

The ability to generate light pulses of sub-femtosecond duration, first demonstrated some 20 years ago, has given rise to an entirely new field: attosecond...

Im Focus: Innovative Technologien für Satelliten

Er kommt ohne Verkabelung aus und seine tragende Struktur ist gleichzeitig ein Akku: An einem derart raffiniert gebauten Kleinsatelliten arbeiten Forschungsteams aus Braunschweig und Würzburg. Für 2023 ist das Testen des Kleinsatelliten im Orbit geplant.

Manche Satelliten sind nur wenig größer als eine Milchtüte. Dieser Bautypus soll jetzt eine weiter vereinfachte Architektur bekommen und dadurch noch leichter...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium AWK’21 findet am 10. und 11. Juni 2021 statt

06.04.2020 | Veranstaltungen

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungen

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Preisgekröntes Projektmanagement

09.04.2020 | Förderungen Preise

Breites Spektrum: Neuartiges Hybridmaterial erweist sich als effizienter Fotodetektor

09.04.2020 | Materialwissenschaften

Bayreuther Genetiker entdecken Regulationsmechanismus der Chromosomen-Vererbung

09.04.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics