Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum Kleiderläuse bald nicht mehr Kaninchenblut saugen müssen

12.07.2002




Projekt zur Zucht von Läusen über künstliche Membranen an der Freien Universität Berlin

... mehr zu:
»Kaninchen »Kleiderläuse »Läuse »Membran

Parasitologen züchten Kleiderläuse, um u.a. Arzneimittel gegen Läuse des Menschen auf ihre Wirksamkeit zu testen. Kleiderläuse sind blutsaugende Parasiten des Menschen und können mehrere Fiebererreger übertragen. Bereits 1948 gelang es, einen Kleiderlausstamm an Kaninchen zu füttern. Seit dieser Zeit dient das Kaninchen in der Forschung als Ersatzwirt zur Zucht der Läuse. Tierschutzorganisationen üben an dieser Blutfütterung seit Jahren Kritik. Deshalb werden derzeit im Rahmen eines Forschungsprojekts Kleiderläuse in vitro über künstliche Membranen ernährt und gezüchtet. Das Projekt wird von der Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch (ZEBET) des Bundesinstitutes für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) unterstützt.

Die Kleiderlaus (Pediculus humanus corporis) kann auch über Membranen mit Humanblut ernährt werden. Dies ergaben Untersuchungen von Dr. Birgit Habedank vom Institut für Parasitologie und Internationale Tiergesundheit der Freien Universität Berlin, die dafür nicht geeignete oder überlagerte Blutkonserven des Deutschen Roten Kreuzes verwendete. Eine dauerhafte Zucht der Kleiderlaus setzt jedoch ein geeignetes Nährmedium voraus, das unter Laborbedingungen kontinuierlich zur Verfügung steht. Dabei wird angestrebt, auch langfristig unabhängig von freiwilligen Blutspendern zu bleiben. Zur Zeit werden Untersuchungen durchgeführt, um ein geeignetes Nährmedium zur Fütterung der Läuse zu entwickeln. Hierzu gehört es zum Beispiel zu prüfen, inwieweit die Läuse konservierungs- und lagerungsbedingte Änderungen wesentlicher Blutkomponenten akzeptieren und wie die bisher übliche tägliche Parasitenfütterung an Membranen auf vier bis fünf Tage pro Woche reduziert werden kann.


Dazu müssen die Kleiderläuse mit der so genannten In-vitro-Fütterung über wenigstens zehn Generationen überprüft werden. Untersucht wird dabei, wie sich diese Kleiderläuse in ihrer Entwicklung und in ihrer Sensibilität gegenüber an Kaninchen ernährten Kleiderläusen unterscheiden. Ziel des Projektes unter der Leitung von Prof. Dr. Eberhard Schein ist es, ein Verfahren zur Zucht der Kleiderläuse zu entwickeln, um die Blutfütterung der Kleiderläuse an Kaninchen langfristig zu ersetzen und eine tierschutzgerechte Zucht bzw. Massenzucht dieser Humanparasiten zu ermöglichen.

Die Blutfütterung von Kleiderläusen an Kaninchen kann, auch aufgrund des Tierschutzgesetzes, bisher nur in sehr wenigen Laboratorien praktiziert werden. Eine Zucht der sehr nah verwandten und im Gegensatz zur Kleiderlaus in Deutschland weit verbreiteten Kopflaus ist bisher überhaupt nicht möglich. Der internationalen Forschung stehen daher keine Parasiten für Labortests zur Verfügung. So konzentrieren sich viele Studien weniger auf grundlegende Forschungen, sondern z.B. auf epidemiologische Studien, wie die Verbreitung der Parasiten und der von ihnen übertragenen Erreger. Zahlreiche Publikationen weisen bereits darauf hin, dass Kopfläuse des Menschen zunehmend gegen die zugelassenen Medikamente Resistenzen aufweisen. Für die Entwicklung neuer Wirkstoffe und moderner Bekämpfungsverfahren sind Laborzuchten dieser Erreger unerlässlich. Daher müssen solche In-vitro-Forschungen weiterhin durch Fördermittel unterstützt werden, um auf diesem Wege tierschutzgerecht Kleiderläuse in großer Zahl bereitstellen zu können. Nur so sind wesentliche Fortschritte in der Entwicklung moderner, für Mensch und Umwelt unschädlicher Bekämpfungsmittel oder -verfahren zu erzielen.

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern:
Dr. Birgit Habedank und Prof. Dr. Eberhard Schein, Institut für Parasitologie und Internationale Tiergesundheit der Freien Universität Berlin, Königsweg 67, 14163 Berlin, Tel.: 030 / 838-62324, E-Mail: habedank@zedat.fu-berlin.de und schein@vetmed.fu-berlin.de

Ilka Seer | idw

Weitere Berichte zu: Kaninchen Kleiderläuse Läuse Membran

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Aus-Schalter für Nebenwirkungen
22.06.2018 | Max-Planck-Institut für Biochemie

nachricht Ein Fall von „Kiss and Tell“: Chromosomales Kissing wird fassbarer
22.06.2018 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Phänomene im magnetischen Nanokosmos

22.06.2018 | Physik Astronomie

Roboter zeichnet Skizzen von Messebesuchern

22.06.2018 | Messenachrichten

Wärmestrahlung bei kleinsten Teilchen

22.06.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics