Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Völkerverständigung im Bienenstock

04.06.2008
Die Tanzsprache der Honigbienen gehört zu den am besten untersuchten Kommunikationsformen im Tierreich. Trotzdem ist sie immer wieder für Überraschungen gut: Bienenforscher der BEEgroup vom Biozentrum der Universität Würzburg haben jetzt gemeinsam mit Kollegen aus China und Australien herausgefunden, dass sich europäische und asiatische Honigbienen miteinander verständigen können, obwohl sich ihre Tanzsprache unterscheidet. Das berichtet die Online-Fachzeitschrift PLOS-one in ihrer neuen Ausgabe.

Seit den Arbeiten des Bienenforschers Karl von Frisch (1886-1982) ist bekannt, dass die Mitglieder einer Bienenkolonie es sich gegenseitig mitteilen, wo sie neue Futterquellen, Wassersammelstellen oder Nistplätze gefunden haben. Die Entdeckerinnen führen dazu vor den anderen Sammelbienen im Stock einen Tanz auf, der Informationen über die Position der Ziele enthält. Die Detailangaben stecken in der so genannten Schwänzelphase: Dieser Teil des Bienenballetts dauert umso länger, je weiter das Ziel vom Bienenstock entfernt ist.

Weltweit gibt es neun Arten von Honigbienen. Sie haben sich im Lauf der Evolution vor 30 bis 50 Millionen Jahren voneinander getrennt und danach eigene Tanzsprachen-Dialekte entwickelt. "Die Inhalte der Botschaften sind bei allen Arten gleich, aber die Kodierung der Nachrichten in Form der Tanzsprachen unterscheidet sich jeweils", sagt der Würzburger Professor Jürgen Tautz. So schwänzeln zum Beispiel europäische Honigbienen deutlich kürzer als ihre asiatischen Verwandten, um identische Entfernungen mitzuteilen. Diese beiden Arten, die asiatische Honigbiene Apis cerana und die europäische Honigbiene Apis mellifera, sind diejenigen, die geographisch am weitesten voneinander entfernt leben. Dementsprechend weit haben sich auch ihre Sprachen auseinanderentwickelt.

Dem Würzburger Bienenforscher ist es mit seinem Kollegen Songkun Su von der Zhejiang-Universität in China und Shaowu Zhang von der Australian National University Canberra jetzt erstmals gelungen, die europäischen und die asiatischen Bienen zu funktionierenden Bienenvölkern zu vereinigen. "Das haben vor uns schon viele Wissenschaftler versucht", sagt Tautz. Bislang sei das nicht geglückt, weil fremde Bienen sich sofort nach dem Zusammensperren töten. "Wenn man aber die spezifischen Erkennungsdüfte durch einen dritten, künstlichen Geruch überdeckt (der nach kurzer Zeit wieder wegfallen kann) und den Bienen ein paar Tage Eingewöhnungszeit lässt, dann klappt es mit dem Zusammenleben", so der Wissenschaftler.

Dieser neue Ansatz der Verhaltensforschung hat als erstes Resultat gezeigt, dass sich die beiden Bienenarten trotz verschiedener Tanzsprachen verständigen und gemeinsam Futterquellen ausbeuten können: Nach wenigen Stunden Eingewöhnung folgen die Asiatinnen den Tänzen der Europäerinnen und deuten deren Sprache richtig. Erkennbar ist das daran, dass sie genau an den Zielen in der Landschaft auftauchen, die ihnen die europäischen Bienen zuvor angezeigt haben.

"Das Kommunikationssystem der Bienen ist also sehr anpassungsfähig und keineswegs unflexibel, wie man es für Insekten eigentlich erwarten sollte", so das Fazit der Forscher. Mit Hilfe ihres gemischten Bienenvolks wollen sie jetzt die Grenzen dieser Anpassungsfähigkeit und deren Grundlagen ausloten. Wie viel davon ist genetisch festgelegt, wie viel erlernt? "Die gemischten Völker sind ein ideales Werkzeug, um diese Fragen anzugehen", so Tautz.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Jürgen Tautz, T (0931) 888-4319, tautz@biozentrum.uni-wuerzburg.de und unter http://www.beegroup.de

"East learns from west: Asiatic honeybees can understand dance language of European honeybees", Songkun Su, Fang Cai, Aung Si, Shaowu Zhang, Jürgen Tautz and Shenglu Chen, PLOS-one,online unter http://www.plosone.org/doi/pone.0002365.

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg
http://www.beegroup.de
http://www.plosone.org/doi/pone.0002365.

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht RNA-Modifikation - Umbau unter Druck
06.12.2019 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Verstopfung in Abwehrzellen löst Entzündung aus
06.12.2019 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Im Focus: Developing a digital twin

University of Texas and MIT researchers create virtual UAVs that can predict vehicle health, enable autonomous decision-making

In the not too distant future, we can expect to see our skies filled with unmanned aerial vehicles (UAVs) delivering packages, maybe even people, from location...

Im Focus: Freiformflächen bis zu 80 Prozent schneller schlichten: Neue Werkzeuge und Algorithmen für die Fräsbearbeitung

Beim Schlichtfräsen komplexer Freiformflächen können Kreissegment- oder Tonnenfräswerkzeuge jetzt ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Werkzeugen mit Kugelkopf besser ausspielen: Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen entwickelte im Forschungsprojekt »FlexiMILL« gemeinsam mit vier Industriepartnern passende flexible Bearbeitungsstrategien und implementierte diese in eine CAM-Software. Auf diese Weise lassen sich große frei geformte Oberflächen nun bis zu 80 Prozent schneller bearbeiten.

Ziel im Projekt »FlexiMILL« war es, für die Bearbeitung mit Tonnenfräswerkzeugen nicht nur neue, verbesserte Werkzeuggeometrien zu entwickeln, sondern auch...

Im Focus: Bis zu 30 Prozent mehr Kapazität für Lithium-Ionen-Akkus

Durch Untersuchungen struktureller Veränderungen während der Synthese von Kathodenmaterialen für zukünftige Hochenergie-Lithium-Ionen-Akkus haben Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und kooperierender Einrichtungen neue und wesentliche Erkenntnisse über Degradationsmechanismen gewonnen. Diese könnten zur Entwicklung von Akkus mit deutlich erhöhter Kapazität beitragen, die etwa bei Elektrofahrzeugen eine größere Reichweite möglich machen. Über die Ergebnisse berichtet das Team in der Zeitschrift Nature Communications. (DOI 10.1038/s41467-019-13240-z)

Ein Durchbruch der Elektromobilität wird bislang unter anderem durch ungenügende Reichweiten der Fahrzeuge behindert. Helfen könnten Lithium-Ionen-Akkus mit...

Im Focus: Neue Klimadaten dank kompaktem Alexandritlaser

Höhere Atmosphärenschichten werden für Klimaforscher immer interessanter. Bereiche oberhalb von 40 km sind allerdings nur mit Höhenforschungsraketen direkt zugänglich. Ein LIDAR-System (Light Detection and Ranging) mit einem diodengepumpten Alexandritlaser schafft jetzt neue Möglichkeiten. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik (IAP) und des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT entwickeln ein System, das leicht zu transportieren ist und autark arbeitet. Damit kann in Zukunft ein LIDAR-Netzwerk kontinuierlich und weiträumig Daten aus der Atmosphäre liefern.

Der Klimawandel ist in diesen Tagen ein heißes Thema. Eine wichtige wissenschaftliche Grundlage zum Verständnis der Phänomene sind valide Modelle zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

RNA-Modifikation - Umbau unter Druck

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Verstopfung in Abwehrzellen löst Entzündung aus

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Der Versteppung vorbeugen

06.12.2019 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics