Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues europäisches COST-Netzwerk "Systems Chemistry" unter Bochumer Koordination

16.04.2008
In der lebenden Zelle spielen sich eine Vielzahl von Reaktionen ab, die in hochkomplexen Netzwerken organisiert sind, welche die Systembiologie erforscht.

Kennzeichnend sind häufig intrazelluläre Rückkopplungsprozesse, bei denen Zellprodukte ihre eigene Synthese entweder verstärken oder abschwächen. Auch bei der Entstehung des Lebens aus unbelebten chemischen Vorläufersystemen haben solche Netzwerke vermutlich eine Rolle gespielt.

Ihre Untersuchung ist wissenschaftliches Neuland und Ziel des Forschungsgebiets "Systems Chemistry". Wissenschaftler aus elf europäischen Ländern haben sich auf diesem Gebiet in einem europäischen Netzwerk zusammengeschlossen, das ab April 2008 für vier Jahre im EU-Förderprogramm COST (European Cooperation in the field of Scientific and Technical Research) gefördert wird.

Die Koordination des Netzwerks liegt bei Chairman Prof. Dr. Günter von Kiedrowski (Lehrstuhl für Organische Chemie I der Ruhr-Universität Bochum).

Fernziel: Evolution im Reagenzglas

Das Fernziel der COST-Aktion ist die Herstellung von chemischen Systemen, die erstmals die Fähigkeit zur Evolution im Sinne Darwins zeigen. Ansatzpunkte dafür gibt es in Europa viele: So haben Forscher es bereits geschafft, dass einfache DNA-ähnliche Moleküle sich selbsttätig vermehren oder zu nanoskaligen Objekten zusammenbauen können.

Was noch fehlt, sei die Verallgemeinerung synthetischer Methoden, die auf der Selbstorganisation und molekularen Informationsverarbeitung basieren, und die Anwendbarkeit dieser Methoden nicht nur auf der Nano-, sondern auch auf der Mesoebene, heißt es im Memorandum of Understanding, das die elf EU-Staaten unterzeichnet haben. Das COST-Netzwerk "Systems Chemistry" solle die Initialzündung für ein Forschungsfeld sein, das heute noch in den Kinderschuhen stecke, dessen Potenziale aber unübersehbar seien.

Systems Chemistry an der Ruhr-Universität

An der Ruhr-Universität hat sich die Systemchemie an Oberflächen und Grenzschichten als neues Forschungsgebiet etabliert. Insbesondere das von der Ruhr-Universität koordinierte Integrierte Projekt PACE "Programmable Artificial Cell Evolution" hat dazu beigetragen. Überdies hat die Struktur und Dynamik von Selbstorganisationsprozessen an der Ruhr-Universität eine lange Tradition und gehört zu den Forschungsschwerpunkten:

Zwei Sonderforschungsbereiche SFB 558 "Metall-Substrat-Wechselwirkungen in der heterogenen Katalyse", SFB 459 "Formgedächtnistechnik. Grundlagen, Konstruktion, Fertigung", drei Forschergruppen (FG 618 "Die Aggregation kleiner Moleküle mit präzisen Methoden verstehen - Experiment und Theorie im Wechselspiel", FG 630 "Biologische Funktion von Organometallverbindungen", FG 436 "Polymorphismus, Dynamik und Funktion von Wasser an molekularen Grenzflächen") und mehrere EU-Projekte (Graduiertenkolleg INTCHEM "Non-Covalent Interactions in Chemistry and Biochemistry", Projekt SURMOF "Anchoring of metal-organic frameworks, MOFs, to surfaces") befassen sich mit solchen chemischen Prozessen insbesondere an Oberflächen.

Auswahl der Teilnehmer durch nationale Kontaktstellen

Fünf Arbeitsgruppen werden sich mich unterschiedlichen Teilbereichen der Systems Chemistry befassen. Aus dem COST-Programm können unter anderem Reisekosten und die Organisation und Durchführung von Arbeitstreffen finanziert werden, was den Austausch unter den beteiligten Wissenschaftlern erleichtern soll. COST-Netzwerke werden von Regierungsseite zu viel versprechenden Forschungsgebieten eingerichtet; die entsprechenden Regierungsvertreter unterzeichnen ein Memorandum, das den wissenschaftlichen Inhalt des Feldes festlegt. Die Teilnehmer der Netzwerke werden durch nationale Kontaktstellen ausgewählt.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Günter von Kiedrowski, Lehrstuhl für Organische Chemie I, Fakultät für Chemie und Biochemie der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-23218, E-Mail: kiedro@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.cost.esf.org/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Experimentelles Tumormodell offenbart neue Ansätze für die Immuntherapie bei Glioblastom-Patienten
18.02.2020 | Universitätsmedizin Mannheim

nachricht Kleber für gebrochene Herzen
18.02.2020 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lichtpulse bewegen Spins von Atom zu Atom

Forscher des Max-Born-Instituts für Nichtlineare Optik und Kurzpulsspektroskopie (MBI) und des Max-Planck-Instituts für Mikrostrukturphysik haben durch die Kombination von Experiment und Theorie die Frage gelöst, wie Laserpulse die Magnetisierung durch ultraschnellen Elektronentransfer zwischen verschiedenen Atomen manipulieren können.

Wenige nanometerdünne Filme aus magnetischen Materialien sind ideale Testobjekte, um grundlegende Fragestellungen des Magnetismus zu untersuchen. Darüber...

Im Focus: Freiburg researcher investigate the origins of surface texture

Most natural and artificial surfaces are rough: metals and even glasses that appear smooth to the naked eye can look like jagged mountain ranges under the microscope. There is currently no uniform theory about the origin of this roughness despite it being observed on all scales, from the atomic to the tectonic. Scientists suspect that the rough surface is formed by irreversible plastic deformation that occurs in many processes of mechanical machining of components such as milling.

Prof. Dr. Lars Pastewka from the Simulation group at the Department of Microsystems Engineering at the University of Freiburg and his team have simulated such...

Im Focus: Transparente menschliche Organe ermöglichen dreidimensionale Kartierungen auf Zellebene

Erstmals gelang es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, intakte menschliche Organe durchsichtig zu machen. Mittels mikroskopischer Bildgebung konnten sie die zugrunde liegenden komplexen Strukturen der durchsichtigen Organe auf zellulärer Ebene sichtbar machen. Solche strukturellen Kartierungen von Organen bergen das Potenzial, künftig als Vorlage für 3D-Bioprinting-Technologien zum Einsatz zu kommen. Das wäre ein wichtiger Schritt, um in Zukunft künstliche Alternativen als Ersatz für benötigte Spenderorgane erzeugen zu können. Dies sind die Ergebnisse des Helmholtz Zentrums München, der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität München (TUM).

In der biomedizinischen Forschung gilt „seeing is believing“. Die Entschlüsselung der strukturellen Komplexität menschlicher Organe war schon immer eine große...

Im Focus: Skyrmions like it hot: Spin structures are controllable even at high temperatures

Investigation of the temperature dependence of the skyrmion Hall effect reveals further insights into possible new data storage devices

The joint research project of Johannes Gutenberg University Mainz (JGU) and the Massachusetts Institute of Technology (MIT) that had previously demonstrated...

Im Focus: Skyrmionen mögen es heiß – Spinstrukturen auch bei hohen Temperaturen steuerbar

Neue Spinstrukturen für zukünftige Magnetspeicher: Die Untersuchung der Temperaturabhängigkeit des Skyrmion-Hall-Effekts liefert weitere Einblicke in mögliche neue Datenspeichergeräte

Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat einen weiteren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

4. Fachtagung Fahrzeugklimatisierung am 13.-14. Mai 2020 in Stuttgart

10.02.2020 | Veranstaltungen

Alternative Antriebskonzepte, technische Innovationen und Brandschutz im Schienenfahrzeugbau

07.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Höhere Treibhausgasemissionen durch schnelles Auftauen des Permafrostes

18.02.2020 | Geowissenschaften

Supermagnete aus dem 3D-Drucker

18.02.2020 | Maschinenbau

Warum Lebewesen schrumpfen

18.02.2020 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics