Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hefen mit Eierschale

11.04.2008
Künstlicher Mineralüberzug verhilft Hefezellen zu längerem Leben und neuen Eigenschaften.

Die Eierschalen der Natur inspirierten chinesische Forscher: Einem Team um Ruikang Tang von der Zhejiang University ist es gelungen, lebende Hefezellen mit einem künstlichen Mineralüberzug zu versehen. Wie in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichtet, schützen die harten anorganischen Schalen die Zellen und lassen sie längere Lagerzeiten überleben. Durch den Einbau von Eisenoxidpartikeln in die Schale gelang es zudem, die Hefen magnetisch zu machen.

Unser Frühstücksei ist eine Besonderheit der Natur: eine einzelne Zelle, die von einer dünnen mineralischen Schicht geschützt wird. Abgesehen von einer Reihe winziger Amöben und Kieselalgen, haben einzelne Zellen normalerweise keine harte Schale. Die chinesischen Forscher haben jetzt eine Strategie entwickelt, Zellen von Bäckerhefe, Saccharomyces cerevisiae, mit einer künstlichen Schale aus Calciumphosphat zu versehen. An die Zellwand der Hefezellen wird zunächst ein künstliches Polymer angelagert, etwa ein Polyacrylat. Die negativ geladenen Carboxylat-Gruppen (COO-) des Polymers ragen in Richtung der umgebenden calciumphosphathaltigen Lösung. Positiv geladene Calciumionen aus dem Medium binden daran, ziehen nun ihrerseits negativ geladene Phosphationen an und bilden so die Keime für das Wachstum von Calciumphosphaten. Im Zuge der fortschreitenden Mineralisation werden die Hefezellen vollständig von einer anorganischen Schicht eingekapselt.

Dabei bleiben die Zellen lebensfähig; sie treten in eine Ruhephase ein, in der sie auch bei Nährstoffmangel verharren, was üblicherweise zur Lagerung von Hefe genutzt wird - mit Schale halten sie diesen Zustand aber wesentlich länger aus: Während nach einem Monat normalerweise maximal noch 20% der Hefezellen lebensfähig sind, überleben dies 85% der Hefen mit Schale. Die Schale schützt die Zellen zudem gegen ungünstige äußere Bedingungen, sogar gegen den Angriff von Enzymen, die Zellwände auflösen. Wird die Schale durch leicht saure Bedingungen oder Ultraschall zerstört, nehmen die Hefezellen ihren normalen Zellzyklus wieder auf.

... mehr zu:
»Calciumphosphat

Genetisch veränderte Hefen produzieren wichtige pharmazeutische Wirkstoffe, wie Interferon und Insulin, sowie Impfstoffe. In der molekularbiologischen Forschung setzt man die sehr einfach kultivierbaren Hefen oft für grundlegende Untersuchungen zellulärer Vorgänge ein und nutzt sie für die Diagnostik menschlicher Erkrankungen. Schutz und verbesserte Lagerfähigkeiten durch eine Schale könnten hier neue Möglichkeiten eröffnen. Zudem kann die Schale als Gerüst für die Modifizierung chemischer und biologischer Eigenschaften dienen: So gelang es dem Team, durch den Einbau von Eisenoxid-Nanopartikeln in die Schale magnetische Hefezellen zu erzeugen.

Angewandte Chemie: Presseinfo 13/2008

Autor: Ruikang Tang, Zhejiang University, Hangzhou (China), http://www.chem.zju.edu.cn/en/teacher.asp?Num=192

Angewandte Chemie, doi: 10.1002/ange.200704718

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69495 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de
http://www.chem.zju.edu.cn/en/teacher.asp?Num=192

Weitere Berichte zu: Calciumphosphat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht IMMUNOQUANT: Bessere Krebstherapien als Ziel
19.10.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen
19.10.2018 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ultraleichte und belastbare HighEnd-Kunststoffe ermöglichen den energieeffizienten Verkehr

19.10.2018 | Materialwissenschaften

IMMUNOQUANT: Bessere Krebstherapien als Ziel

19.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Raum für Bildung: Physik völlig schwerelos

19.10.2018 | Bildung Wissenschaft

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics