Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entsteht gerade eine neue Elefantenart?

08.04.2008
Forscher des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) haben in einer Studie Anhaltspunkte dafür gefunden, dass sich der Asiatische Elefant in zwei Spezies entwickeln könnte.

Nach der Untersuchung des Erbguts von 78 thailändischen Elefanten (Elephas maximus) habe sich eine Auseinanderentwicklung des Genpools gezeigt, die bei Elefantenbullen zu erkennen sei, erläutert Studienleiter Dr. Jörns Fickel vom IZW.

„Das steht im Einklang mit der Lehrmeinung, wonach sich genetische Entwicklungen bei Säugetieren immer zuerst bei den Männchen manifestieren.“ Er fügt hinzu: „Dass wir eine Spezies in genau diesem Stadium untersuchen können, ist eine absolute Seltenheit.“ Die Studie entstand in Kooperation mit thailändischen Kollegen der Faculty of Veterinary Science der Mahidol University in Salaya.

Asiatische Elefanten haben sich in den letzten Jahrhunderten aus weiten Teilen des asiatischen Kontinents entweder zurückgezogen oder wurden verdrängt und kommen in großer Zahl nur noch in Indien und südostasiatischen Ländern wie Thailand oder Laos vor. Aktuell leben noch ungefähr 50.000 Tiere in freier Wildbahn, doch Jagd auf Elfenbein und Zerstörung des Lebensraumes machen Elephas maximus zu einer stark bedrohten Art.

... mehr zu:
»Genpool »Spezie

Bilden sich räumlich isolierte Populationen, können sich zusätzlich Fortpflanzungsprobleme durch ein Auseinanderdriften des Genpools einstellen. Die Berliner Forscher haben in einem Forschungsprojekt zur Ausbreitung und Stammesentwicklung des Asiatischen Elefanten nachgewiesen, dass diese schleichende Auseinanderentwicklung der Art auch bei durchmischten Herden ohne räumliche Trennung geschieht, der Asiatische Elefant also auf dem Weg zur Teilung in zwei Spezies sein könnte.

Tiere wie auch Menschen haben zwei Träger des Erbgutes in ihren Zellen, die Mitochondrien und den Zellkern. Seit längerem ist bekannt, dass sich die asiatischen Elefanten bezüglich der DNS der Mitochondrien in zwei Gruppen teilen lassen. Die Zellkern-DNS, der eigentliche Genpool der Art, galt aber bisher als weitgehend homogen. Die Forscher um Evolutionsgenetiker Dr. Jörns Fickel untersuchten die Kern-DNS auf so genannte Mikrosatelliten, sich häufig wiederholende Gensequenzen von kleiner Länge. Sie stellten Erstaunliches fest: „Wir haben die Ergebnisse in die beiden bekannten Gruppen der mitochondrialen DNS sortiert und konnten erst keine signifikanten Unterschiede im Genotyp feststellen“, erläutert Fickel.

„Vergleicht man aber die weiblichen und männlichen Tiere getrennt, ist bei den Männchen der Unterschied plötzlich offensichtlich.“ Die männlichen Tiere verpaarten sich statistisch deutlich häufiger innerhalb der genetischen Untergruppe und begannen somit, zwei auseinander driftende Genpools zu bilden. Dies gilt unter Wissenschaftlern als Bestätigung des Beginns der Artbildung.

Dies ist die gekürzte Version eines Beitrages, der im aktuellen Leibniz-Journal erschienen ist. Das Heft ist im Internet als PDF verfügbar (www.leibniz-gemeinschaft.de > Aktuelles/Presse > Publikationen). Auf Wunsch senden wir Ihnen ein Exemplar des Journals zu. Titelthema des neuen Journals ist die Biodiversität. Weitere Beiträge befassen sich mit der Pflanzen-Samenbank in Gatersleben, der Entdeckung von neuen (Spinnen-)Arten und großen Naturkundemuseen.

Quelle: J. Fickel et al.: “Distribution of haplotypes and microsatellite alleles among Asian elephants (Elephas maximus) in Thailand”, in: European Journal of Wildlife Research (2007) 53:298–303.

Medienkontakt des IZW:
Steven Seet, 030 / 51 68-108
Mail: seet@izw-berlin.de
Kontakt zum Studienautor Dr. Jörns Fickel: (030) 51 68-314 Mail des Wissenschaftlers: fickel@izw-berlin.de

Josef Zens | Leibniz-Gemeinschaft
Weitere Informationen:
http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Weitere Berichte zu: Genpool Spezie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Optische Kontrolle von Herzfrequenz oder Insulinsekretion durch lichtschaltbaren Wirkstoff
17.07.2018 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Künstliche neuronale Netze helfen, das Gehirn zu kartieren
17.07.2018 | Max-Planck-Institut für Neurobiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Optische Kontrolle von Herzfrequenz oder Insulinsekretion durch lichtschaltbaren Wirkstoff

17.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umweltressourcen nachhaltig nutzen

17.07.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Textilien 4.0: Smarte Kleidung und Wearables als Innovation

17.07.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics