Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lebendes Fossil zeigt schnellste evolutionäre Entwicklung

01.04.2008
Neuseeländische Tuatara: Zehn Mal schneller als andere Tiere

Die Brückenechse - auch Tuatara genannt - ist nach jüngsten Forschungsberichten das Lebewesen mit der schnellsten evolutionären Entwicklung. Für die Forscher um David Lambert vom Allan Wilson Centre der Massey University in Palmerston North ist das erstaunlich, da die Echse, die ausschließlich auf den kleinen Eilanden vor der Küste Neuseelands lebt, sich seit den Zeiten der Dinosaurier nicht mehr verändert hat - zumindest laut Lehrbuch. Offensichtlich trifft das auf die DNA allerdings nicht zu, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist in seiner Online-Ausgabe.

Das Forscherteam um Lambert hat die mitochondriale DNA von verschiedenen Brückenechsenfunden, die zwischen 650 und 8.000 Jahre alt waren, mit jener der noch heute lebenden Nachkommen der Tiere verglichen. Dabei stellten die Forscher fest, dass die Akkumulationsrate von 1,37 Substitutionen pro Base pro Million Jahre den Durchschnitt der meisten Tiere von 0,2 deutlich übertraf. Für die Forscher war das eine Sensation.

Das Besondere an der Brückenechse ist, dass sie nicht zur Ordnung der Echsen zählt, sondern der letzte verbliebene Vertreter der Ordnung Sphenodontia ist. Die etwa 65 Zentimeter lange Tuatara - so nennen sie die Ureinwohner Neuseelands - weist im Vergleich zu herkömmlichen Echsen einige Besonderheiten auf. Dazu gehören das vollständige Fehlen eines Kopulationsorgans und die beiden knöchernen Schläfenbogen am Schädel. Selbst im Vergleich zu anderen Echsen ist die Tuatara ein sexueller "Spätzünder", da sie erst mit 15 Jahren geschlechtsreif wird und auch dann nur alle zwei bis fünf Jahre Nachwuchs hervorbringt. Zudem läuft der gesamte Metabolismus des Tieres sehr langsam ab. Experten gehen davon aus, dass die Tuatara bis zu 120 Jahre alt werden kann. Andere Angaben sprechen sogar von 150 Jahren.

... mehr zu:
»DNA »Echse »Fossil

"Dass man die Tiere als lebende Fossilien bezeichnet, ebenso wie etwa den Quastenflosser, hat den Grund, dass sie sich morphologisch seit Millionen von Jahren kaum verändert haben", erklärt der Evolutionsbiologe Hannes Paulus von der Universität Wien gegenüber pressetext. Das bedeute aber nicht, dass es im Genom keine Veränderungen gegeben habe. Skeptisch lassen den Wissenschaftler zwei Dinge werden. "Zum einen suchen Forscher bei molekularen Analysen immer nach solchen Sequenzen, die sich kaum verändert haben und errechnen daraus die Mutationsgeschwindigkeit." Der zweite Faktor sei die so genannte molekulare Uhr. Hier gehe man viel zu oft davon aus, dass diese kontinuierlich gelaufen sei. "Das trifft in den meisten Fällen aber nicht zu, denn die molekulare Uhr läuft nicht konstant", meint der Forscher. Es werde sich sehr bald zeigen, ob die Forschungsergebnisse tatsächlich bahnbrechende Erkenntnisse geliefert haben oder nicht.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://awcmee.massey.ac.nz
http://www.univie.ac.at/evolutionsbiologie

Weitere Berichte zu: DNA Echse Fossil

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzen stoßen das Treibhausgas Lachgas in klimarelevanten Mengen aus
18.10.2018 | Universität Heidelberg

nachricht Sinneswahrnehmung ist keine Einbahnstraße
17.10.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Im Focus: Chemiker der Universitäten Rostock und Yale zeigen erstmals Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen

Die Forschungskooperation zwischen der Universität Yale und der Universität Rostock hat neue wissenschaftliche Ergebnisse hervorgebracht. In der renommierten Zeitschrift „Angewandte Chemie“ berichten die Wissenschaftler über eine Dreierkette aus Ionen gleicher Ladung, die durch sogenannte Wasserstoffbrücken zusammengehalten werden. Damit zeigen die Forscher zum ersten Mal eine Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen, die sich im Grunde abstoßen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Professoren Mark Johnson, einem weltbekannten Cluster-Forscher, und Ralf Ludwig aus der Physikalischen Chemie der...

Im Focus: Storage & Transport of highly volatile Gases made safer & cheaper by the use of “Kinetic Trapping"

Augsburg chemists present a new technology for compressing, storing and transporting highly volatile gases in porous frameworks/New prospects for gas-powered vehicles

Storage of highly volatile gases has always been a major technological challenge, not least for use in the automotive sector, for, for example, methane or...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2018

16.10.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz in der Medizin

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Fehlerzustände frühzeitig erkennen dank innovativer akustischer Verfahren zur Qualitätsprüfung

18.10.2018 | Verfahrenstechnologie

Pflanzen stoßen das Treibhausgas Lachgas in klimarelevanten Mengen aus

18.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sinneswahrnehmung ist keine Einbahnstraße

17.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics