Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltraumkrankheit: "Wir wollen von Fischen lernen"

13.02.2008
Antworten aus der Forschung: Gravitationsbiologe PD Dr. Ralf Anken von der Universität Hohenheim zur Weltraumkrankheit kurz vor dem Raketenstart mit Forschungsfischen

Der Weltraum-Ausflug des deutschen Astronauten Hans Schlegel musste wegen persönlicher Unpässlichkeiten verschoben werden. Dr. Ralf Anken, Sie planen für Samstag, den 16.02.2008, in Schweden einen Raketenstart mit Fischen, um Mechanismen und Therapien der Weltraumkrankheit zu erforschen. Warum wird es Menschen im Weltall überhaupt schlecht?

PD Dr. Ralf Anken: In der Schwerelosigkeit stimmen die Eindrücke von Auge und Gleichgewichtsorgan nicht mehr überein. Das Gehirn wird also mit unsinnigen Informationen geflutet.

Und das verursacht Übelkeit?

PD Dr. Ralf Anken: Ein Beispiel aus dem Alltag: Sie sitzen im stehenden Zug, der Nachbarzug fährt los. Die Augen sehen und melden dem Gehirn: Wir fahren. Das Gleichgewicht hingegen merkt durch die fehlende Beschleunigung: Wir fahren nicht. Der Körper reagiert mit einem schummrigen Gefühl und es dauert einen Moment, bis das Gehirn die richtige Information annimmt. Schlecht wird es dem Menschen, wenn das Gehirn diesen Informationskonflikt nicht lösen kann. Es begreift nur, dass etwas im Körper nicht stimmt und nimmt zum Schutz an, der Körper sei vergiftet. Folge: Der Mageninhalt muss raus. Ähnliche Reaktionen spielen sich bei der Weltraumkrankheit ab.

Was wollen Sie denn mit dem Raketenstart für Fische herausfinden?

PD Dr. Ralf Anken: In unserer Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Reinhard Hilbig haben wir in frühren Experimenten herausgefunden, dass Fische unterschiedlich lange brauchen, um sich an die Schwerelosigkeit zu gewöhnen. Wir haben die Theorie, dass das an kleinen Schweresteinchen im Innenohr liegt, den sogenannten Otolithen. Wir nehmen an, dass eine Asymmetrie, also Größenunterschiede der linken gegenüber den rechten Steinen, Schuld ist, dass manche Fische länger brauchen, um sich an die Schwerelosigkeit anzupassen. Eine fehlerhafte Mineralisierung dieser Steinchen könnte auch der Schlüssel für die Ursache von einer Reihe Gleichgewichts-Krankheiten des Menschen sein.

Für welche?

PD Dr. Ralf Anken: Zum Beispiel für bisher weitgehend unerklärbare Krankheiten wie das Menière'sche Syndrom, von dem laut Schätzungen mehr als ein Prozent der Menschen betroffen sind. Bei dieser Krankheit leiden die Patienten unter schlagartig auftretendem Schwindel und Orientierungslosigkeit. Wir selbst befassen uns derzeit aber noch mit dem Phänomen Gleichgewichtsstörung als solches.

Und wie ist der Forschungsstand bei Therapien für die Weltraumkrankheit?

PD Dr. Ralf Anken: Es gibt zwar Tabletten, aber eine Therapiemöglichkeit ist bislang noch nicht bekannt - grundsätzlich muss das Gehirn lernen, sich auf visuelle Informationen zu verlassen. Da geht es den Menschen wie unseren Fischen: Auch die lernen schließlich, sich auf ihre Augen zu verlassen anstatt auf das Gleichgewicht.

Fragen: Sandra Leppin

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de/

Weitere Berichte zu: Gleichgewicht Schwerelosigkeit Weltraumkrankheit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht IMMUNOQUANT: Bessere Krebstherapien als Ziel
19.10.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen
19.10.2018 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ultraleichte und belastbare HighEnd-Kunststoffe ermöglichen den energieeffizienten Verkehr

19.10.2018 | Materialwissenschaften

IMMUNOQUANT: Bessere Krebstherapien als Ziel

19.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Raum für Bildung: Physik völlig schwerelos

19.10.2018 | Bildung Wissenschaft

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics