Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Und sie hatten doch Recht

01.02.2008
Umstrittene Chinin-Totalsynthese von Woodward und Doering bestätigt
Wirkstoffe aus der Chinarinde, sogenannte Cinchona-Alkaloide, werden seit alters her in der Heilkunde verwendet.

Prominentester Vertreter ist Chinin, ein bitterer Stoff, der in Getränken wie Tonic Water enthalten ist und in der modernen Medizin beispielsweise als Malaria-Mittel eingesetzt wird.

Bereits 1945 hatten Robert Burns Woodward und William von Eggers Doering (Harvard University) beschrieben, wie sich Chinin im Labor nachbauen lassen könnte. Der letzte Schritt dieser "formalen" Totalsynthese, eine von Paul Rabe und Karl Kindler bereits 1918 beschriebene dreistufige Reaktionsfolge, ist bis heute Gegenstand heftiger Kontroversen.

Aaron C.Smith und Robert M. Williams von der Colorado State University (USA) haben das Rabe-Kindlersche Protokoll jetzt erfolgreich "nachgekocht". Wie sie in einem Doering zum 90. Geburtstag gewidmeten Artikel in der Angewandten Chemie berichten, wiederholten sie die komplette Prozedur - ohne den Einsatz moderner Methoden.

... mehr zu:
»Chinin »Totalsynthese

Hatten sie's oder hatten sie's nicht, das war jahrzehntelang die Frage. Woodward und Doering veröffentlichten 1944 die Synthese von d-Chinotoxin. Aus einer 1918 von Rabe und Kindler beschriebenen Umwandlung von d-Chinotoxin in Chinin leiteten sie einen Anspruch auf die Totalsynthese von Chinin ab, hatten diesen letzten Schritt jedoch in den Arbeiten zu ihrer berühmten Veröffentlichung gar nicht nachgekocht. Ihre "formale" Totalsynthese wurde stark angezweifelt und in 2001 von Gilbert Stork (Columbia University) gar als "Mythos" abgetan.

"Chinin und Cinchona-Alkaloide spielen eine wichtige Rolle in der modernen Medizin. Daher ist es verwunderlich, dass noch keine Versuche veröffentlicht sind, die Rabe-Kindler-Umsetzung von Chinotoxin zu Chinin zu wiederholen," wundert sich Williams. Smith und Williams haben sich die alten Unterlagen durchgesehen, weitere Referenzen recherchiert und sich daran gemacht, die von Rabe und Kindler aufgezeichneten Versuchsanleitungen nachzuahmen - und zwar ausschließlich mit damals bereits zur Verfügung stehenden Techniken. Zunächts stießen sie auf Schwierigkeiten, die Ausbeute an Chinin war viel zu gering. Als Knackpunkt erwies sich das im letzten Reaktionsschritt als Reduktionsmittel eingesetzte Aluminiumpulver: Es darf nicht frisch sein, sondern muss bereits eine Weile an der Luft gealtert sein, damit ein wenig Aluminiumoxid entstehen kann. Dann klappt es auch mit dem Chinin in Ausbeuten, wie in den alten Veröffentlichungen beschrieben.

"Analytisch reines Chinon lässt sich daraus isolieren durch eine selektive Kristallisation der entsprechenden Tartratsalze, so wie Rabe das 1939 beschrieben hat," sagt Williams. "Damit haben wir die 1918er Veröffentlichung von Rabe und Kindler bestätigt. Diese Reaktionsfolge hätte theoretisch auch 1944 von Woodward und Doering nachgekocht werden können."

Angewandte Chemie: Presseinfo 05/2008

Autor: Robert M. Williams, Colorado State University (USA), http://rwindigo1.chm.colostate.edu/

Angewandte Chemie, doi: 10.1002/ange.200705421

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69495 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de
http://rwindigo1.chm.colostate.edu/

Weitere Berichte zu: Chinin Totalsynthese

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht IMMUNOQUANT: Bessere Krebstherapien als Ziel
19.10.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen
19.10.2018 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ultraleichte und belastbare HighEnd-Kunststoffe ermöglichen den energieeffizienten Verkehr

19.10.2018 | Materialwissenschaften

IMMUNOQUANT: Bessere Krebstherapien als Ziel

19.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Raum für Bildung: Physik völlig schwerelos

19.10.2018 | Bildung Wissenschaft

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics