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Nur wer den Feind kennt, kann ihn bekämpfen

25.01.2008
Um neue gezielte Therapien für die verschiedenen Tumorerkrankungen zu entwickeln, muss man wissen welche molekularen Veränderungen bei einem bestimmten Tumortyp ursächlich sind.

Für das Merkelzellkarzinom, einen besonders aggressiven, häufig tödlichen Hauttumor, gibt es noch keine Erkenntnisse, welche veränderten Signale die Zellen entarten lassen. Dies soll in der Arbeitsgruppe des Würzburger Dermatologen Jürgen Becker nun untersucht werden. Die Wilhelm-Sander-Stiftung unterstützt dieses Vorhaben.

Das Schicksal der Zellen in unserem Körper, ob sie sich teilen und vermehren, ob sie sich verändern oder ob sie im Dienste des Gesamtorganismus geregelt zugrunde gehen, wird durch ein hochkomplexes intrazelluläres Regulationsnetzwerk gesteuert. Hunderte verschiedener Proteine arbeiten dabei als molekulare Schalter in einer Vielzahl vernetzter Signaltransduktionswege.

Störungen in diesen Signaltransduktionswegen sind ursächlich für die Entstehung von Krebs. Dies hat dazu geführt, dass ein Schwerpunkt der pharmazeutischen Forschung zur Krebsbekämpfung heute die Entwicklung und Erprobung von Substanzen ist, die gezielt diese gestörten Signalwege modulieren. Allerdings unterscheiden sich die verschiedenen Tumorformen.

Bei einer bestimmten Leukämieform, beispielsweise der sogenannten chronischen myeloischen Leukämie findet sich fast immer eine bestimmte chromosomale Veränderung, das sogenannte Philadelphia-Chromosom. Dabei wird das ABL Gen mit dem BCR-Gen verknüpft, was zu der Entstehung eines neuen "molekularen Schalters" (BCR-ABL) führt, der eine viel höhere Aktivität hat als ABL allein. Imatinib, ein Stoff der gezielt BCR-ABL hemmt, wird heute sehr erfolgreich zur Kontrolle der chronischen myeloischen Leukämie eingesetzt. Dies ist ein schönes Beispiel dafür, wie das Verständnis der Signaltransduktionsstörung zur Entwicklung einer effektiven Therapie geführt hat.

Das Merkelzellkarzinom (MCC) ist ein besonders aggressiver Tumor der Haut. Bei über 30% der Fälle kommt es im Verlauf der Erkrankung zur Bildung von Fernmetastasen, was dann in der Regel den Tod der Patienten innerhalb weniger Monate zur Folge hat. Weil es mit einer Häufigkeit von nur 0,1 bis 0,3 Neuerkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr zu den seltenen Tumoren gehört, ist das Merkelzellkarzinom noch wenig untersucht und welche Signaltransduktionswege gestört sind, ist noch weitgehend unbekannt.

Prof. Becker aus der Würzburger Hautklinik hat in nationalen und internationalen Kooperationen eine umfangreiche Sammlung an Gewebeproben von Merkelzellkarzinomen archiviert, mit denen es möglich sein könnte dem 'molekularen Schalter' dieses Tumors aufzudecken. Dabei kommt Dr. Roland Houben, der seit Jahren im Gebiet der Signaltransduktion arbeitet, eine tragende Rolle zu. Durch Färbemethoden, bei denen phospho-spezifische Antikörper eingesetzt werden, sollen an diesen Tumorproben der Aktivitätszustand der verschiedenen Signaltransduktionswege sichtbar gemacht werden. Gefundene Auffälligkeiten werden dann an Zelllinien des Merkelzellkarzinoms näher charakterisiert. Hierzu wird u.a. die Expression kritischer Gene entweder ausgeschalten oder erhöht und dadurch ihre Bedeutung für die Eigenschaften der Tumorzelle überprüft.

Kontakt: Prof. Dr. Jürgen C. Becker, Würzburg
Tel.: 0049 (0)931 20129396 e-mail: Becker_JC@klinik.uni-wuerzburg.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt über einen Zeitraum von 2 Jahren mit über 170.000 €. Über diese Förderung wird unter anderem die Stelle von Dr. Houben finanziert. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinik.uni-wuerzburg.de

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