Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kernspintomograph hilft, Versuchstiere zu schonen

09.01.2008
Philipps-Universität Marburg erhält Zentrum für Bild gebende Verfahren in der tierexperimentellen Forschung: Das Bundesforschungsministerium (BMBF) unterstützt die Errichtung eines "Zentrums für bildgebende Verfahren in der tierexperimentellen Forschung" an der Philipps-Universität Marburg.

Die Antragsteller um die Professoren Gerhard Heldmaier und Johannes Heverhagen erhalten drei Millionen Euro, um Methoden zu etablieren, mit denen die Anzahl von Versuchstieren sowie deren Belastung reduziert werden sollen. Das Geld wird zur Anschaffung eines Kernspintomographen (MRT) für Kleinsäuger verwendet.

Der Einsatz moderner Bildgebung in tierexperimentellen Studien dient dem Tierschutz im Sinne des so genannten 3R-Konzepts ("Reduction, Refinement, Replacement", also Verminderung, Verfeinerung, Ersatz), da die erforderlichen Messungen ambulant vorgenommen werden können, ohne die Versuchstiere durch invasive Untersuchungen nachhaltig zu beeinträchtigen. "Derzeit scheitert der Einsatz schonender Verfahren häufig daran, dass die erforderlichen Geräte teuer in der Anschaffung und im Betrieb sind", sagt Heldmaier. Auch stehen zumeist keine standardisierten Mess- und Auswertungsverfahren zur Verfügung: In der Regel müssen Geräte und Software für den jeweiligen Einzelfall angepasst und weiterentwickelt werden, was großes Fachwissen und hohen Personaleinsatz erfordert.

Forschung für den Tierschutz
"Am Zentrum für bildgebende Verfahren sollen geeignete Methoden für die tierexperimentelle Forschung entwickelt und standardisiert werden", erläutert Heldmaiers Kollege Heverhagen. Dazu zählen Verfahren, mit denen sich Informationen über Morphologie, Funktion und Stoffwechsel gewinnen lassen, ohne dass zu diesem Zweck Versuchstiere getötet oder belastenden Untersuchungen ausgesetzt werden müssen. Der beantragte Kernspintomograph wird in diesem Zusammenhang Daten über Weichteilgewebe generieren, zum Beispiel von Tumoren und großen Organen. Zusätzlich soll mit Unterstützung des Landes ein Positronen-Emissionstomograph/Computertomograph (PET/CT) angeschafft werden, um Informationen aus luftgefüllten Strukturen zu liefern, etwa aus der Lunge. Das Gerät erlaubt außerdem Aussagen über Stoffwechselvorgänge mit geringen Stoffkonzentrationen, wie den Glukoseumsatz oder die Dichte von Neurorezeptoren in Gehirn.
Geeigneter Standort
Marburg ist ein besonders geeigneter Standort für die Einführung von tierschonenden Bildgebungsverfahren, weil in der Tumor-, Entzündungs- und neurologischen Forschung der Philipps-Universität eine große Zahl von Tierversuchen durchgeführt wird. So verwendet die Krebsforschung vor allem Mäuse, um den Verlauf von Tumorerkrankungen zu untersuchen und die Wirksamkeit von Therapien in vivo zu erproben. Diese Forschungsarbeiten können mit erheblichen Belastungen für die Tiere verbunden sein.
Verminderter Verbrauch von Versuchstieren
Die Vorteile Bild gebender Verfahren sind vielfältig: Sie erlauben eine verhältnismäßig frühe Diagnose von Tumoren, ehe die Krankheitsfolgen für die Versuchstiere gravierend werden. Demgegenüber muss bei der herkömmlichen Vorgehensweise eine deutliche Ausprägung der Wucherungen abgewartet werden. Moderne Bildgebung ermöglicht darüber hinaus, den Krankheitsverlauf an einzelnen Individuen zu verfolgen, anstatt Gruppen von Mäusen in verschiedenen Phasen der Entwicklung zu töten. Dadurch verringert sich die Anzahl der benötigten Tiere erheblich. Ein weiterer Fortschritt ist bei der Identifizierung von bösartigen Tochtergeschwulsten zu erwarten, die sich künftig durch einen "Blick ins Innere" der Versuchstiere erkennen lassen. Bislang müssen diese getötet werden, um überhaupt festzustellen, ob eine derartige Metastasierung vorhanden ist.
Technische Entwicklungsarbeit
Neben der Erforschung von bösartigen Tumoren besteht eine Reihe weiterer Projekte, die am Zentrum für bildgebende Verfahren verfolgt werden. Dazu zählt die Analyse von weit verbreiteten Lungenkrankheiten wie Asthma oder Emphysem, außerdem die nicht-invasive Untersuchung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Morbus Alzheimer sowie die Analyse von Stoffwechselvorgängen. Das Zentrum soll außerdem mit eigenen Anstrengungen zum rasanten technischen Fortschritt der bildgebenden Verfahren beitragen. Die Antragsteller haben hierzu bereits erfolgreiche Vorarbeiten geleistet. "Wir konnten ein Kernspin-Verfahren entwickeln, mit dem in verschiedenen Geweben des Körpers simultan die Temperatur gemessen wird", so Heverhagen. "Dies erspart die Implantation von Temperaturfühlern und erlaubt außerdem eine Topologie der Wärmeverteilung und Wärmebildung, wie das bisher mit Temperaturfühlern gar nicht möglich war."
Breites Nutzerspektrum
Die Geräte des Zentrums sollen von allen Arbeitsgruppen der Philipps-Universität und des Klinikums Gießen-Marburg genutzt werden können, die tierexperimentell arbeiten und eine Verbesserung im Sinne der 3R-Konzeption erzielen können. Die Neuanschaffungen stehen auch externen Nutzern zur Verfügung, zum Beispiel aus anderen Hochschulen oder aus der forschenden Pharmaindustrie.
Weitere Informationen:
Ansprechpartner: Prof. Dr. Dr. Johannes T. Heverhagen
Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Medizin
Klinik für Strahlendiagnostik
Baldingerstr., 35033 Marburg
Tel.: 06421 28-65916, Fax: 06421 28-68959
E-Mail: heverhag@mailer.uni-marburg.de
Prof. Dr. Gerhard Heldmaier
Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Biologie, Tierphysiologie
Karl von Frisch Str. 6, 35032 Marburg
Tel.: 06421 28-23410, Fax.: 06421 28-28937
E-Mail: heldmaier@staff.uni-marburg.de

Dr. Viola Düwert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-marburg.de

Weitere Berichte zu: Kernspintomograph Mäuse Versuchstier

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Struktur und Funktion von Lichtrezeptor bei Cyanobakterien aufgeklärt
29.01.2020 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Künstlicher Wirkstoff hemmt Coronaviren
29.01.2020 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Struktur und Funktion von Lichtrezeptor bei Cyanobakterien aufgeklärt

Chemie: Veröffentlichung in PNAS

Bestimmte Proteine dienen Pflanzen und auch Cyanobakterien als Lichtrezeptoren. Das Team des Center for Structural Studies (CSS) der Heinrich-Heine-Universität...

Im Focus: Protein pores packed in polymers make super-efficient filtration membranes

A multidisciplinary team of engineers and scientists has developed a new class of filtration membranes for a variety of applications, from water purification to small-molecule separations to contaminant-removal processes, that are faster to produce and higher performing than current technology. This could reduce energy consumption, operational costs and production time in industrial separations.

Led by Manish Kumar, associate professor in the Cockrell School of Engineering at The University of Texas at Austin, the research team describes their new...

Im Focus: Schnellster hochpräziser 3D-Drucker

3D-Drucker, die im Millimeterbereich und größer drucken, finden derzeit Eingang in die unterschiedlichsten industriellen Produktionsprozesse. Viele Anwendungen benötigen jedoch einen präzisen Druck im Mikrometermaßstab und eine deutlich höhere Druckgeschwindigkeit. Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben ein System entwickelt, mit dem sich in bisher noch nicht erreichter Geschwindigkeit hochpräzise, zentimetergroße Objekte mit submikrometergroßen Details drucken lassen. Dieses System präsentieren sie in einem Sonderband der Zeitschrift Advanced Functional Materials. (DOI: 10.1002/adfm.201907795).

Um nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Zuverlässigkeit ihres Aufbaus zu demonstrieren, haben die Forscherinnen und Forscher eine 60 Kubikmillimeter...

Im Focus: Wie man ein Bild von einem Lichtpuls macht

Um die Form von Lichtpulsen zu messen, brauchte man bisher komplizierte Messanlagen. Ein Team von MPI Garching, LMU München und TU Wien schafft das nun viel einfacher.

Mit modernen Lasern lassen sich heute extrem kurze Lichtpulse erzeugen, mit denen man dann Materialien untersuchen oder sogar medizinische Diagnosen erstellen...

Im Focus: Ein ultraschnelles Mikroskop für die Quantenwelt

Was in winzigen elektronischen Bauteilen oder in Molekülen geschieht, lässt sich nun auf einige 100 Attosekunden und ein Atom genau filmen

Wie Bauteile für künftige Computer arbeiten, lässt sich jetzt gewissermaßen in HD-Qualität filmen. Manish Garg und Klaus Kern, die am Max-Planck-Institut für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

HDT-Tagung: Sensortechnologien im Automobil

24.01.2020 | Veranstaltungen

Tagung befasst sich mit der Zukunft der Mobilität

22.01.2020 | Veranstaltungen

ENERGIE – Wende. Wandel. Wissen.

22.01.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Intelligentes Robotersystem an der TU Bergakademie Freiberg verbessert Trinkwasserkontrolle in Binnengewässern

29.01.2020 | Informationstechnologie

Struktur und Funktion von Lichtrezeptor bei Cyanobakterien aufgeklärt

29.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

Unerwartetes Materialverhalten: Vom 2D-Kristall zum 1D-Draht

29.01.2020 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics