Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bakterien können Korallen während der gefährlichen Bleiche unterstützen

03.06.2016

Eine bestimmte Gruppe von Bakterien kann gebleichten Korallen helfen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Professor Christian Wild (Marine Ökologie, Universität Bremen) kürzlich am Roten Meer durchgeführt hat. Die Studie wurde nun in der renommierten internationalen Fachzeitschrift „Environmental Microbiology“ publiziert. Dr. Ulisse Cardini, der vergangenes Jahr an der Universität Bremen promoviert hat und nun als Wissenschaftler an der Universität Wien arbeitet, ist Erstautor dieser Publikation.

Die Korallenbleiche und ihre Verknüpfung mit der Meereserwärmung


Eine der im Experiment verwendeten gebleichten Korallen mit ihren ausgestreckten Polypententakeln.

Dr. Ulisse Cardini

Warmwasser-Korallen sind Nesseltiere, die nur einen sehr engen Temperaturbereich von ca. 23-30 °C tolerieren. Übersteigt die Wassertemperatur diesen Wohlfühlbereich, kommt es oft zur sogenannten Korallenbleiche. In diesem Prozess verlieren die Korallen einen Großteil ihrer Färbung, da die Mikro-Algen, die millionenfach in ihnen leben, das Tier verlassen.

Während der Bleiche sind die Korallen nicht tot, befinden sich aber in einem Stadium großer Schwäche, da ihnen die Algen fehlen, die die Koralle mit Energie und wichtigen Nährstoffen versorgen. Daher kommt es während einer Bleiche oft zum Absterben der Korallen, insbesondere wenn eine Bleiche lange andauert. Denn: Wenn die Wassertemperaturen fallen, können Korallen die Algen wiederaufnehmen und sich erholen.

In jüngster Zeit ist es aufgrund der ansteigenden Meerestemperaturen immer wieder zu ausgedehnten Korallenbleichen gekommen mit anschließendem Massensterben von Korallen, z.B. 1998 im Indischen Ozean, 2002 im Pazifik, und 2005 in der Karibik. Im Moment erleben wir sogar eine globale und anhaltende Korallenbleiche, die alle Weltozeane betrifft.

Die wichtige Rolle von Bakterien in gebleichten Korallen

Die aktuelle Publikation von Ulisse Cardini, Christian Wild und Kollegen zeigt allerdings an, dass bestimmte Bakterien, die Stickstoff fixieren, ihrer Wirtskoralle gerade während der Korallenbleiche entscheidend helfen können, eine Bleiche zu überleben. Diese Mikroorganismen sind offensichtlich in der Lage, die Koralle mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen, die durch den Abbruch der Symbiose mit den Mikroalgen fehlen.

In einer Serie von Freiland- und Labor-Experimenten am nördlichen Roten Meer (Aqaba, Jordanien) gelang es den Forschern zu zeigen, dass die Stickstofffixierung durch unterschiedliche Korallen während der Bleiche um bis zu 300 % anstieg. Allerdings reagierten unterschiedliche Korallen auch sehr unterschiedlich.

Dies deutet darauf hin, dass zumindest einige Steinkorallen durchaus über mikrobielle Mechanismen verfügen, die sie gegen die Konsequenzen des Klimawandels schützen können. Hierbei scheint die bisher kaum untersuchte Wechselwirkung zwischen dem Nesseltier, den Mikroalgen und den Bakterien, eine ganz entscheidende Rolle zu spielen.

Publikation:
Cardini et al. (2016) Microbial dinitrogen fixation in coral holobionts exposed to thermal stress and bleaching (im Druck bei Environmental Microbiology).

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Fachbereich Biologie / Chemie
Marine Ökologie
Prof. Dr. Christian Wild
Tel. 0421 218 63367
E-Mail: christian.wild@uni-bremen.de

University of Vienna
Department of Microbiology and Ecosystem Science
Division of Microbial Ecology
Dr. Ulisse Cardini
Tel. 0043 677 61633148
E-Mail: cardini@microbial-ecology.net
www.ulissecardini.info

Eberhard Scholz | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen
19.10.2018 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

nachricht Entzündungsprozesse beeinträchtigen Nervenregeneration im Alter
19.10.2018 | Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Entzündungsprozesse beeinträchtigen Nervenregeneration im Alter

19.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

19.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Magnetische Sensoren ermöglichen richtungsabhängige Temperaturmessung

19.10.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics