Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf der Suche nach Immunität gegenüber HIV analysieren Forscher Meerkatzen-Erbgut

20.10.2015

Eine Infektion mit dem HI-Virus (HIV) führt bei Menschen unbehandelt zum erworbenen Immundefektsyndrom, besser bekannt als AIDS. Das Vorläufer-Virus von HIV tritt bei afrikanischen Affen auf, führt dort meist jedoch nicht zu schweren Erkrankungen. Was haben die Tiere den Menschen voraus und was lässt sich daraus eventuell für die Medizin lernen? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, hat ein internationales Forscherteam das Genom der Äthiopischen Grünmeerkatze entschlüsselt. Beteiligt waren auch Forscher der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Von einer Tierinfektion zur globalen Geißel: Seit den frühen 1980er Jahren hat das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) rund 39 Millionen Menschenleben gefordert. Unbehandelt führt HIV zum erworbenen Immundefektsyndrom, besser bekannt als AIDS: Betroffene sterben wegen ihres geschwächten Immunsystems häufig an sonst harmlosen Infektionen.


Dr. Angela Noll, Privatdozent Dr. Jürgen Schmitz und Dr. Gennady Churakov (v.l.) bilden das münstersche Team des Meerkatzen-Projektes (Fotomontage)

Originalfoto: privat; Primatenzeichnung: Jon Baldur Hlioberg

Bei den meisten afrikanischen Affen führt das Vorläufervirus nicht zu schweren Erkrankungen. Was haben die Tiere den Menschen voraus und was lässt sich daraus eventuell für die Medizin lernen? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, hat ein internationales Forscherteam das Genom der Äthiopischen Grünmeerkatze entschlüsselt – beteiligt waren auch Forscher der Universität Münster.

Dass der Ursprung des HI-Virus beim Affen liegt, konnten Wissenschaftler vor zehn Jahren nachweisen. Wahrscheinlich steckten sich Menschen in Afrika vor etwa 100 Jahren erstmals durch den Verzehr von infiziertem Schimpansenfleisch mit SIV an, dem Simianen Immundefizienz-Virus und Vorläufer des HI-Virus.

Die Betrachtung unterschiedlicher SIV-Stämme und Berechnungen auf Grundlage der Mutationsrate zeigten: Afrikanische Primaten tragen das Virus bereits seit 32.000 bis 78.000 Jahren in sich. „Seit zehntausenden Jahren passen sich Wirt und Parasit einander an“, sagt Privatdozent Dr. Jürgen Schmitz vom Institut für Experimentelle Pathologie. „Wegen dieser erfolgreichen Koevolution führt SIV bei den meisten Primaten nicht zur Immundefizienz.“

Die Hoffnung der Wissenschaftler: Wenn sie die Prozesse einer erfolgreichen Wirt-Parasit-Koevolution besser verstehen, könnte das helfen, die schädlichen Wechselwirkungen beim Menschen nachzuvollziehen – und damit zu den Grundlagen neuer Therapien beitragen.

Unter Leitung von Dr. Wesley Warren vom McDonnell Genome Institute Washington sequenzierten sie das Erbgut eines Modellorganismus: Die Äthiopische Grünmeerkatze (Chlorocebus aethiops sabaeus) ist die häufigste natürlich vorkommende Wirtsspezies von SIV – und gänzlich immun dagegen. Das entschlüsselte Genom und die erste Analyse schaffen daher nun eine wichtige Grundlage, um die Virus-Immunität in Primaten zu verstehen.

Das Team um Schmitz, bestehend aus Forschern aus dem Institut für Experimentelle Pathologie sowie dem Institut für Evolution und Biodiversität, suchte im Meerkatzenerbgut nach Spuren von springenden Genen, fachsprachlich Transposons – das sind DNA-Abschnitte, die ihre Position und Anzahl im Genom verändern können.

Die Forscher fanden heraus, dass mindestens 48 Prozent der gesamten Erbsubstanz aus springenden Genen entstanden sind. Weil Transposons besonders stark zur Neukombination von genetischen Merkmalen beitragen, spielen sie mutmaßlich eine wichtige Rolle in der Evolution der Grünmeerkatze. Die Ergebnisse des Genomprojekts wurden nun in der Onlineausgabe des renommierten Journals „Genome Research“ publiziert und werden ab November auch in der gedruckten Version zu lesen sein.

Redaktion:

Dr. Thomas Bauer
Referent für Forschung und Lehre
Medizinische Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

Telefon: 0251 83-58937
E-Mail: thbauer@uni-muenster.de

Originalpublikation:

Warren, Wesley C. et al (2015): The genome of the vervet (Chlorocebus aethiops sabaeus). In: Genome Research, online publiziert am 16. September 2015. doi: 10.1101/gr.192922.115

Weitere Informationen:

http://genome.cshlp.org/content/early/2015/09/16/gr.192922.115 Link zur Originalpublikation

Dr. Christina Heimken | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Evolution Genom Genome Research HI-Virus HIV Immundefizienz-Virus Immunität SIV Transposons

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ein gestörter Geruchssinn hindert Tabakschwärmer an der Futtersuche, nicht aber an der Eiablage
19.07.2019 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

nachricht Wenn Maschinen riechen könnten …
18.07.2019 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bessere Wärmeleitfähigkeit durch geänderte Atomanordnung

Die Anpassung der Wärmeleitfähigkeit von Materialien ist eine aktuelle Herausforderung in den Nanowissenschaften. Forschende der Universität Basel haben mit Kolleginnen und Kollegen aus den Niederlanden und Spanien gezeigt, dass sich allein durch die Anordnung von Atomen in Nanodrähten atomare Vibrationen steuern lassen, welche die Wärmeleitfähigkeit bestimmen. Die Wissenschaftler veröffentlichten die Ergebnisse kürzlich im Fachblatt «Nano Letters».

In der Elektronik- und Computerindustrie werden die Komponenten immer kleiner und leistungsfähiger. Problematisch ist dabei die Wärmeentwicklung, die durch...

Im Focus: Better thermal conductivity by adjusting the arrangement of atoms

Adjusting the thermal conductivity of materials is one of the challenges nanoscience is currently facing. Together with colleagues from the Netherlands and Spain, researchers from the University of Basel have shown that the atomic vibrations that determine heat generation in nanowires can be controlled through the arrangement of atoms alone. The scientists will publish the results shortly in the journal Nano Letters.

In the electronics and computer industry, components are becoming ever smaller and more powerful. However, there are problems with the heat generation. It is...

Im Focus: Nanopartikel mit neuartigen elektronischen Eigenschaften

Forscher der FAU haben Konzept zur Steuerung von Nanopartikeln entwickelt

Die optischen und elektronischen Eigenschaften von Aluminiumoxid-Nanopartikeln, die eigentlich elektronisch inert und optisch inaktiv sind, können gesteuert...

Im Focus: First-ever visualizations of electrical gating effects on electronic structure

Scientists have visualised the electronic structure in a microelectronic device for the first time, opening up opportunities for finely-tuned high performance electronic devices.

Physicists from the University of Warwick and the University of Washington have developed a technique to measure the energy and momentum of electrons in...

Im Focus: Neues Verfahren für den Kampf gegen Viren

Forschende der Fraunhofer-Gesellschaft in Sulzbach und Regensburg arbeiten im Projekt ViroSens gemeinsam mit Industriepartnern an einem neuartigen Analyseverfahren, um die Wirksamkeitsprüfung von Impfstoffen effizienter und kostengünstiger zu machen. Die Methode kombiniert elektrochemische Sensorik und Biotechnologie und ermöglicht erstmals eine komplett automatisierte Analyse des Infektionszustands von Testzellen.

Die Meisten sehen Impfungen als einen Segen der modernen Medizin, da sie vor gefährlichen Viruserkrankungen schützen. Doch bevor es ein Impfstoff in die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Testzone für die KI-gestützte Produktion

18.07.2019 | Veranstaltungen

„World Brain Day“ zum Thema Migräne: individualisierte Therapie statt Schmerzmittelübergebrauch

18.07.2019 | Veranstaltungen

Kosmos-Konferenz: Navigating the Sustainability Transformation in the 21st Century

17.07.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ein gestörter Geruchssinn hindert Tabakschwärmer an der Futtersuche, nicht aber an der Eiablage

19.07.2019 | Biowissenschaften Chemie

Testzone für die KI-gestützte Produktion

18.07.2019 | Veranstaltungsnachrichten

„World Brain Day“ zum Thema Migräne: individualisierte Therapie statt Schmerzmittelübergebrauch

18.07.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics