Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem alternden Immunsystem auf die Sprünge helfen

26.01.2010
HZI-Forscher untersuchen Therapieansätze, um das Immunsystem zu verjüngen und so ältere Menschen besser vor Infektionen zu schützen.

Der Mensch lebt immer länger. Der Preis dafür: Unsere Organe funktionieren im Alter schlechter und wir werden anfälliger für Infektionen. Die Arbeitsgruppe "Infektionsimmunologie" des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig hat diesen Aspekt des Alterns genauer untersucht.

Sie verglichen die Immunantworten von jungen und alten Mäusen auf eine Bakterieninfektion und schauten dabei besonders auf Fresszellen. Diese Immunzellen sind fest in unserem Gewebe verankert und spielen eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung von Bakterien. Mit dem Alter nimmt ihre Zahl rapide ab - und damit wird unsere Abwehr schwächer. Die Forscher haben es geschafft, dem Immunsystem mit einem Wachstumsfaktor wieder auf die Sprünge zu helfen. Wachstumsfaktoren regen die Fresszellen an, sich zu vermehren und steigern die Immunantwort in den alten Mäusen erheblich. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler jetzt in der aktuellen Ausgabe des "Journal of Pathology" veröffentlicht. Sie tragen dazu bei, neue Strategien zu entwickeln, das alternde Immunsystem zu kräftigen.

Die Aufgabe des Immunsystems ist es, den Körper vor eindringenden Krankheitserregern zu schützen. Dazu wirken viele verschiedene Zelltypen und Faktoren in einem komplexen Wechselspiel miteinander. Gemeinsam bilden sie eine hochwirksame, genau auf den Keim abgestimmte Verteidigungslinie. Mit zunehmendem Alter verändert sich die Immunantwort: Infektionen können sich leichter ausbreiten, einige Zelltypen reagieren schwächer, verlieren besondere Eigenschaften - kurz, das Immunsystem altert mit. "Da uns das Immunsystem vor Infektionserregern schützt, spielt es eine wichtige Rolle, wie alt wir werden und wie gesund wir im Alter sind", sagt Eva Medina, Leiterin der Arbeitsgruppe "Infektionsimmunologie" am HZI.

Die Wissenschaftler der HZI-Arbeitsgruppe untersuchten jetzt bei Mäusen die Immunantwort auf eine Infektion mit dem Bakterium Streptococcus pyogenes. Dieser Keim ist für viele gefährliche Infektionen bei alten Menschen verantwortlich. Die Forscher infizierten zwei Mäusegruppen mit der gleichen Menge Bakterien: zwei bis drei Monate alte Jungtiere und Mäuse, die älter als 20 Monate waren - dies entspricht einem Menschenalter von ungefähr 70 bis 80 Jahren. Während die Jungtiere die Infektion erfolgreich bekämpften, starben die Alttiere bereits bei einer geringen Bakteriendosis.

Anschließend untersuchten die Forscher die Zellen des Immunsystems bei der Infektion. Ein wichtiger Zelltyp der ersten Verteidigungslinie gegen Bakterien sind Fresszellen. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass alte Mäuse im Gegensatz zu den Jungtieren deutlich weniger Fresszellen im Gewebe tragen. Mithilfe eines Wachstumsfaktors, der das Wachstum von neuen Fresszellen anregt, versuchten die Forscher das Immunsystem der alten Mäuse gegen eine Bakterieninfektion zu stärken.

"Die behandelten alten Tiere überlebten die Infektion länger. Diese Erkenntnisse geben uns wertvolle Einblicke in den Alterungsprozess des Immunsystems", sagt Oliver Goldmann, Forscher in der HZI-Arbeitsgruppe. "Wir möchten die Prozesse entschlüsseln, die das alternde Immunsystem im Kampf gegen Infektionen schwächen. Damit können wir dann neue Ansätze entwickeln, dem Alterungsprozess entgegenwirken."

Originalartikel: Age-Related Susceptibility to Streptococcus pyogenes Infection in Mice: Underlying Immune Dysfunction and Strategy to Enhance Immunity. Goldmann O, Lehne S, Medina E. J Pathol (2009 Nov 17). DOI: 10.1002/path.2664

Hören Sie zu diesem Thema auch unseren Podcast unter http://www.helmholtz-hzi.de/en/news_public_relation/media/audio/

Dr. Bastian Dornbach | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-hzi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bisher unbekannter Mechanismus der Blut-Hirn-Schranke entdeckt
25.09.2018 | Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

nachricht Kupfer-Aluminium-Superatom
25.09.2018 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kupfer-Aluminium-Superatom

Äußerlich sieht der Cluster aus 55 Kupfer- und Aluminiumatomen aus wie ein Kristall, chemisch hat er jedoch die Eigenschaften eines Atoms. Das hetero-metallische Superatom, das Chemikerinnen und Chemiker der Technischen Universität München (TUM) hergestellt haben, schafft die Voraussetzung für die Entwicklung neuer, kostengünstiger Katalysatoren.

Chemie kann teuer sein. Zum Reinigen von Abgasen beispielsweise benutzt man Platin. Das Edelmetall dient als Katalysator, der chemische Reaktionen...

Im Focus: Hygiene im Handumdrehen – mit neuem Netzwerk „CleanHand“

Das Fraunhofer FEP beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Entwicklung von Prozessen und Anlagen zur Reinigung, Sterilisation und Oberflächenmodifizierung. Zur Bündelung der Kompetenzen vieler Partner wurde im Mai 2018 das Netzwerk „CleanHand“ zur Entwicklung von Systemen und Technologien für saubere Oberflächen, Materialien und Gegenstände ins Leben gerufen. Als Partner von „CleanHand“ präsentiert das Fraunhofer FEP im Rahmen der Messe parts2clean, vom 23.-25. Oktober 2018, in Stuttgart, am Stand der Fraunhofer-Allianz Reinigungstechnik (Halle 5, Stand C31), das Netzwerk sowie aktuelle Forschungsschwerpunkte des Institutes im Bereich Hygiene und Reinigung.

Besonders um die Hauptreisezeiten gehen vermehrt Testberichte und Studien über die Reinheit von europäischen Raststätten, Hotelbetten und Freibädern durch die...

Im Focus: Hygiene at your fingertips with the new CleanHand Network

The Fraunhofer FEP has been involved in developing processes and equipment for cleaning, sterilization, and surface modification for decades. The CleanHand Network for development of systems and technologies to clean surfaces, materials, and objects was established in May 2018 to bundle the expertise of many partnering organizations. As a partner in the CleanHand Network, Fraunhofer FEP will present the Network and current research topics of the Institute in the field of hygiene and cleaning at the parts2clean trade fair, October 23-25, 2018 in Stuttgart, at the booth of the Fraunhofer Cleaning Technology Alliance (Hall 5, Booth C31).

Test reports and studies on the cleanliness of European motorway rest areas, hotel beds, and outdoor pools increasingly appear in the press, especially during...

Im Focus: Neue Therapien bei Gefäßerkrankungen

Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) vom 12. bis 15. September in Münster stellten Gefäßspezialisten aus ganz Deutschland die neuesten Therapien bei Gefäßerkrankungen vor. Vor allem in den Bereichen periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) und venöse Verschlusskrankheiten wie die Tiefe Venenthrombose (TVT) gibt gute Neuigkeiten für die Patienten. Viele der 720 Gefäßspezialisten, die an der Jahrestagung teilnahmen, stellten neueste Studienergebnisse vor.

Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Gefäßerkrankungen, allein rund fünf Millionen unter der „Schaufensterkrankheit“, medizinisch periphere...

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fachkonferenz "Automatisiertes und autonomes Fahren"

25.09.2018 | Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bisher unbekannter Mechanismus der Blut-Hirn-Schranke entdeckt

25.09.2018 | Biowissenschaften Chemie

Suche nach Grundwasser im Ozean - Neues deutsch-maltesisches Forschungsprojekt gestartet

25.09.2018 | Geowissenschaften

Auf dem Weg zur Prothese der Zukunft

25.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics