Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alt aber gesund

06.04.2011
Schutzmechanismus erforscht, der vor Krebs schützt, aber zum Altern beiträgt

Abschaltung im Störfall – Stammzellen verfügen über ein raffiniertes Kontrollsystem, das vor unkontrolliertem Zellwachstum schützt.

Dieses System reduziert unser Krebsrisiko, es trägt allerdings wahrscheinlich auch wesentlich dazu bei, dass wir altern. Eine gemeinsame Forschergruppe der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und der Universität Bremen veröffentlicht Anfang April im Fachmagazin Genes, Chromosomes an Cancer http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21456046 einen wichtigen Teil des Mechanismus, mit dem Stammzellen dieses Kontrollsystem aktivieren.

„Wahrscheinlich altern wir, um lange leben zu können“ – mit dieser paradoxen Feststellung erläutert Professor Dr. Jörn Bullerdiek die Hintergründe der jetzt unter seiner Leitung entstandenen Forschungsergebnisse. Stammzellen sichern bei Erwachsenen das Überleben, indem sie Zellverluste ersetzen. Stirbt beispielsweise in einem Organ eine Zelle ab, sorgen die Stammzellen für Nachschub – und das ein Leben lang. Die Forschergruppe um Professor Bullerdiek hat sogenannte mesenchymale Stammzellen untersucht, die sich unter anderem in Binde- und Stützgeweben, Fett und der Muskulatur befinden.

Wird eine Zellerneuerung erforderlich, wird die ruhende Stammzelle durch das Protein HMGA-2 aktiviert. Gleichzeitig sorgt das Protein p14 dafür, dass eine Schutzkaskade hochfährt. Droht der Zelle eine instabile Situation, die zur Tumorentstehung führen könnte, so schaltet sie sich dauerhaft ab – gesteuert durch das p14-Protein. Bullerdiek und sein Team konnten zeigen, dass das Protein p14 durch HMGA-2 aktiviert wird. Diese Erkenntnis ist wichtig für das Verständnis des Tumorwachstums. „Der Mechanismus schützt uns vor bösartigen Tumoren. In der Regel ist das System sehr zuverlässig, so dass im Verhältnis relativ wenige Tumore entstehen. Wir erkaufen diese Sicherheit aber mit einem hohen Level an p14, der zu einem zunehmenden Ausfall von Stammzellen führt – ein Umstand, der wahrscheinlich zu unserem Altern beiträgt,“ erklärt Professor Bullerdiek.

Nach einer Wachstumsphase vor der Geburt sowie, geringer ausgeprägt, in Kindheit und Jugend kennzeichnet das Gleichgewicht zwischen Zellverlust und Zellaufbau große Phasen unseres Erwachsenenlebens. Den Stammzellen verdanken wir es, dass dieses Gleichgewicht über lange Zeit funktioniert, da sie über die besondere „Begabung“ verfügen, sich selbst zu erneuern, so dass der Vorrat an diesen Zellen nicht aufgebraucht wird. Ohne Störungen verläuft die Erhaltung dieses Gleichgewichts aber nicht: Man vermutet, dass dem Altern unter anderem die nachlassende Fähigkeit von Stammzellen zu Grunde liegt, den erforderlichen „Nachschub“ an Zellen zu liefern. Aber auch das Gegenteil kann Probleme bereiten: Ihre Teilungsfähigkeit macht Stammzellen zum potenziellen Ausgangspunkt für die Entstehung von Tumoren. Um die Gefahr zu reduzieren zur Tumorzelle zu werden, haben Stammzellen Kontrollsysteme, die im Falle einer drohenden „Entgleisung“ einer Zelle dafür sorgen, dass die betreffende Zelle sich nicht weiter teilen kann.

Bei Rückfragen wenden Sie sich gern an:

Professor Dr. Jörn Bullerdiek
Zentrum für Humangenetik, Universität Bremen und
Klinik für Kleintiere, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Tel.: 0421-218-61500
E-Mail: bullerd@uni-bremen.de

Sonja von Brethorst | idw
Weitere Informationen:
http://www.tiho-hannover.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Waldrand oder mittendrin: Das Erbgut von Mausmakis unterscheidet sich je nach Lebensraum
19.07.2018 | Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

nachricht Infrarotsensor als neue Methode für die Wirkstoffentwicklung
19.07.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Europaweit erste Patientin mit neuem Hybridgerät zur Strahlentherapie behandelt

19.07.2018 | Medizintechnik

Waldrand oder mittendrin: Das Erbgut von Mausmakis unterscheidet sich je nach Lebensraum

19.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Automatisiertes Befüllen von Regalen im Einzelhandel

19.07.2018 | Verkehr Logistik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics