Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alle Hundertfüßer-Gene entziffert

25.11.2014

Rostocker Genetiker an internationalem Forscherteam beteiligt

Am 25.11.2014 wird in der internationalen Zeitschrift PLoS-Biology eine Studie veröffentlicht, in der ein internationales Team die Beschreibung aller Gene einer schottischen Hundertfüßer-Art präsentiert, die mit wissenschaftlichem Namen Strigamia heißt. Es ist nun u.a. möglich, den Startpunkt aller heute lebenden Gliedertiere zu rekonstruieren.


Strigamia

(Foto: Dr. Carlo Brena/Univ. of Cambridge)

Tausendfüßer sieht man in der freien Natur nur, wenn man genauer hinschaut. In einigen Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz treten sie jedoch mitunter massenhaft auf, überschwemmen plagenhaft Gärten und Straßen und kriechen die Hauswände hoch.

Zudem verbreiten sie einen beißenden Geruch der von blausäurehaltigen Abwehrstoffen stammt, den sie produzieren, wenn sie sich gestört fühlen. Nahe verwandt mit den rein vegetarischen Tausendfüßern sind die räuberisch lebenden Hundertfüßer. Sie zählen zu den Myriapoden, die mit den Insekten, Krebsen und Spinnentieren zum Stamm der Gliedertiere (Arthropoden) gehören. Myriapoden zählen zu den ältesten noch heute lebenden Tierklassen.

Warum ist es so spannend, alle Gene eines Hundertfüßers zu identifizieren? Gerade weil diese Tiergruppe so alt ist, besteht die einmalige Chance, durch den Vergleich der schon vorhandenen Gen-Sequenzen von Insekten, Spinnen und Krebsen die Verwandtschaftsverhältnisse der Gliedertiere besser zu verstehen. Gleichzeitig ist es nun möglich, die Gen-Ausstattung des gemeinsamen Vorfahren und damit den Startpunkt aller heute lebenden Gliedertiere zu rekonstruieren.

"Solche Großvorhaben kosten eine Menge Geld, viel Zeit und benötigen vielfältiges know-how", sagte Prof. Dr. Reinhard Schröder von der Universität Rostock, einer der Beteiligten des internationalen Konsortiums, das in den letzten drei Jahren die ca. 15000 Gene eines Hundertfüßers gelesen und identifiziert hat. Dazu bedurfte es ein Team von mehr als 100 Wissenschaftlern von 44 Institutionen aus 15 Ländern.

Das "Lesen" aller Buchstaben der Erbsubstanz war der erste Schritt und wurde in den USA am Baylor College of Medicine in Houston durchgeführt. Dieses Institut war bereits an der Identifizierung der Gene des Menschen beteiligt und hat inzwischen die gesamten Gene vieler anderer Arten sequenziert. In einem zweiten Schritt musste aus den Buchstabenfolgen der Sinn ausgelesen werden. Dazu durchforsteten Spezialisten für die einzelnen Gen-Gruppen die in einer Datenbank bereitgestellten Sequenzen.

Der Hundertfüßer Strigamia wurde gewählt, da die Eier leicht zu finden sind und daher deren Embryonen gut untersucht werden können. Hervorzuheben ist, dass die Fähigkeit, Gerüche wahrzunehmen, in Myriapoden von anderen Molekülen vermittelt wird als bei Insekten. Dies gilt auch als ein Beleg dafür, dass beide Tier-Klassen unabhängig voneinander das Land besiedelt haben.

Eine andere Entdeckung ist, dass bei dem blinden Strigamia zwar die Gene für Farbwahrnehmung und für die "innere Uhr" verloren gegangen sind, die Fähigkeit auf Licht zu reagieren jedoch erhalten blieb. Wie dies funktioniert, haben die Gene bisher noch nicht verraten.

Allerdings: Die sofortige Hilfe zur Bekämpfung der Tausendfüßer-Plage verspricht die jetzt veröffentlichte genetische Analyse nicht. Eine 30cm hohe Blechwand um den betroffenen Ortsteil hat sich als das beste Mittel herausgestellt. Diese Barriere können die Tiere nicht überwinden und werden dort einmal täglich abgesammelt.

Kontakt:
Prof. Dr. Reinhard Schröder
Universität Rostock
Institut für Biowissenschaften
Abt. Genetik
Tel: +49-381-498 6330
reinhard.schroeder@uni-rostock.de
www.genetik.uni-rostock.de 

Ingrid Rieck | Universität Rostock

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Aus-Schalter für Nebenwirkungen
22.06.2018 | Max-Planck-Institut für Biochemie

nachricht Ein Fall von „Kiss and Tell“: Chromosomales Kissing wird fassbarer
22.06.2018 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics