Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ältester Nachweis von Pilzen als Nahrungsmittel

17.04.2015

Untersuchungen von altem Zahnstein ergaben, dass Menschen bereits in der Altsteinzeit Pflanzen und Pilze konsumierten

Über die Nahrungsgewohnheiten der Menschen, die im Jungpaläolithikum, dem jüngeren Abschnitt der Altsteinzeit vor 18.000 bis 12.000 Jahren während der archäologischen Kulturstufe des Magdaléniens lebten, ist nur wenig bekannt. Besonders schwer lassen sich pflanzliche Nahrungsstoffe nachweisen, denn sie hinterlassen nur geringe Spuren im menschlichen Körper.


Pflanzenfragment aus dem Zahnstein eines Menschen aus der El Mirón Höhle.

MPI f. evolutionäre Anthropologie/ R. Power

Unter der Leitung von Robert Power vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat ein internationales Forscherteam den uralten Zahnstein von Menschen aus dem Magdalénien untersucht, deren Überreste man in der El Mirón-Höhle in Spanien ausgegraben hatte.

Die Forscher konnten nachweisen, dass diese Menschen bereits im Jungpaläolithikum zusätzlich zu anderen Nahrungsbestandteilen auch verschiedene pflanzliche Nahrungsstoffe und Pilze auf der Speisekarte hatten.

Das Magdalénien ist im größten Teil Nordwesteuropas als Epoche der “Rentierjäger” bekannt. Das dürfte auf die Iberische Halbinsel jedoch nicht zugetroffen haben: Dort standen hauptsächlich Rotwild und Steinbock als Fleischlieferanten auf dem Speiseplan. Bisher war jedoch unklar, ob schon damals auch Pflanzen zum Nahrungsspektrum der Iberer gehörten.

Robert Power, Doktorand in der Max-Planck-Forschungsgruppe für Pflanzliche Nahrungsstoffe und Nahrungsökologie von Homininen, und seine Kollegen haben den fossilen Überresten von in der El Mirón-Höhle in Kantabrien, Spanien, ausgegrabenen Altsteinzeit-Menschen Zahnsteinproben entnommen.

Mithilfe von optischer und Rasterelektronenmikroskopie mit energiedispersiver Röntgenspektroskopie (EDS) konnten die Forscher im Zahnstein eine Vielfalt winzigster Nahrungsrückstände identifizieren. Diese Mikrorückstände von Pflanzen, Pilzen, Tieren und Mineralien lassen Rückschlüsse auf die Nahrungsgewohnheiten der Menschen während des Magdaléniens zu.

„Die Mikrorückstände zeigen, dass die Menschen aus El Mirón neben anderen Nahrungsmitteln auch eine Vielfalt von Pflanzen aus unterschiedlichen Umgebungen zu sich genommen haben. Auch Pilze standen auf dem Speiseplan“, sagt Robert Power.

Archäologen ist zur frühen Nutzung von Pilzen nur wenig bekannt. Obwohl dies keinen direkten Aufschluss über vorgeschichtliche Konsumgewohnheiten gibt, beobachten Ethnografen, dass heute lebende Jäger und Sammler Pilze häufig als Nahrungs- und Würzmittel oder als Medizin nutzen. Für die Kupferzeit, den jüngsten Abschnitt der Jungsteinzeit in Mitteleuropa, konnte der Gebrauch von Pilzen sicher nachgewiesen werden:

„Ötzi“, der aus der Kupferzeit stammende Tiroler „Mann aus dem Eis“, hatte verschiedene Arten von Pilzen bei sich. „Der Fund aus El Mirón ist der derzeit älteste bekannte Beleg dafür, dass Menschen bereits während des Jungpaläolithikums Pilze nutzten oder konsumierten“, sagt Robert Power.

Originalpublikation:
Robert C. Power, Domingo C. Salazar-García, Lawrence G. Straus, Manuel R. González Morales, Amanda G. Henry
Microremains from El Mirón Cave human dental calculus suggest a mixed plant-animal subsistence economy during the Magdalenian in Northern Iberia
Journal of Archaeological Science; April 16, 2015, DOI 10.1016/j.jas.2015.04.003

Ansprechpartner:
Robert C. Power
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
Telefon:+49 341 3550-789
E-Mail:robert_power@eva.mpg.de

Dr. Amanda Henry
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
Telefon:+49 341 3550-381
E-Mail:amanda_henry@eva.mpg.de

Sandra Jacob
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
Telefon:+49 341 3550-122
E-Mail:jacob@eva.mpg.de

Dr Harald Rösch | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.
Weitere Informationen:
http://www.eva.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Freund oder Feind?
14.07.2020 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Selbst bei Bakterien können sich Geschwister unterscheiden
14.07.2020 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hammer-on – wie man Atome schneller schwingen lässt

Schwingungen von Atomen in einem Kristall des Halbleiters Galliumarsenid (GaAs) lassen sich durch einen optisch erzeugten Strom impulsiv zu höherer Frequenz verschieben. Die mit dem Strom verknüpfte Ladungsverschiebung zwischen Gallium- und Arsen-Atomen wirkt über elektrische Wechselwirkungen zurück auf die Schwingungen.

Hammer-on ist eine von vielen Rockmusikern benutzte Technik, um mit der Gitarre schnelle Tonfolgen zu spielen und zu verbinden. Dabei wird eine schwingende...

Im Focus: Kryoelektronenmikroskopie: Hochauflösende Bilder mit günstiger Technik

Mit einem Standard-Kryoelektronenmikroskop erzielen Biochemiker der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) erstaunlich gute Aufnahmen, die mit denen weit teurerer Geräte mithalten können. Es ist ihnen gelungen, die Struktur eines Eisenspeicherproteins fast bis auf Atomebene aufzuklären. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "PLOS One" veröffentlicht.

Kryoelektronenmikroskopie hat in den vergangenen Jahren entscheidend an Bedeutung gewonnen, besonders um die Struktur von Proteinen aufzuklären. Die Entwickler...

Im Focus: Electron cryo-microscopy: Using inexpensive technology to produce high-resolution images

Biochemists at Martin Luther University Halle-Wittenberg (MLU) have used a standard electron cryo-microscope to achieve surprisingly good images that are on par with those taken by far more sophisticated equipment. They have succeeded in determining the structure of ferritin almost at the atomic level. Their results were published in the journal "PLOS ONE".

Electron cryo-microscopy has become increasingly important in recent years, especially in shedding light on protein structures. The developers of the new...

Im Focus: Neue Schlankheitstipps für Computerchips

Lange Zeit hat man in der Elektronik etwas Wichtiges vernachlässigt: Wenn man elektronische Bauteile immer kleiner machen will, braucht man dafür auch die passenden Isolator-Materialien.

Immer kleiner und immer kompakter – das ist die Richtung, in die sich Computerchips getrieben von der Industrie entwickeln. Daher gelten sogenannte...

Im Focus: Elektrische Spannung aus Elektronenspin – Batterie der Zukunft?

Forschern der Technischen Universität Ilmenau ist es gelungen, sich den Eigendrehimpuls von Elektronen – den sogenannten Elektronenspin, kurz: Spin – zunutze zu machen, um elektrische Spannung zu erzeugen. Noch sind die gemessenen Spannungen winzig klein, doch hoffen die Wissenschaftler, auf der Basis ihrer Arbeiten hochleistungsfähige Batterien der Zukunft möglich zu machen. Die Forschungsarbeiten des Teams um Prof. Christian Cierpka und Prof. Jörg Schumacher vom Institut für Thermo- und Fluiddynamik wurden soeben im renommierten Journal Physical Review Applied veröffentlicht.

Laptop- und Handyspeicher der neuesten Generation nutzen Erkenntnisse eines der jüngsten Forschungsgebiete der Nanoelektronik: der Spintronik. Die heutige...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wind trägt Mikroplastik in die Arktis

14.07.2020 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Nanoelektronik lernt wie das Gehirn

14.07.2020 | Informationstechnologie

Anwendungslabor Industrie 4.0 der THD: Smarte Lösungen für die Unikatproduktion

14.07.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics