Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

100 Millionen Jahre im Bernstein: Team aus Göttingen, Helsinki und New Yorkent entdeckt ältesten bekannten Schleimpilz

06.01.2020

Mit dem Begriff Bernsteineinschlüsse verbinden die meisten Menschen Insekten oder Spinnen, die lebensecht in fossilem Baumharz eingeschlossen sind. Ein internationales Forscherteam aus Paläontologen und Biologen der Universitäten Göttingen und Helsinki sowie des American Museum of Natural History in New York hat nun den bisher ältesten bekannten Schleimpilz entdeckt. Das Fossil ist etwa 100 Millionen Jahre alt und in Bernstein aus Myanmar überliefert. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Scientific Reports erschienen.

Schleimpilze, auch Myxomyceten genannt, gehören zu den sogenannten Amoebozoa. Das sind mikroskopische Organismen, welche die meiste Zeit als einzelne bewegliche Zellen verborgen im Boden oder in verrottendem Holz leben und dort Bakterien fressen.


Bernsteinstück mit Bein einer Eidechse und dem Schleimpilz (Pfeil).

Alexander Schmidt, Georg-August-Universität Göttingen und Scientific Reports.


Gruppe von mehreren etwa 2,5 Millimeter großen Fruchtkörpern eines Myxomyceten in ca. 100 Millionen Jahre altem Bernstein aus Myanmar.

Alexander Schmidt, Georg-August-Universität Göttingen und Scientific Reports.

Aber sie können sich zu sehr ästhetischen Fruchtkörpern zusammenschließen, die der Bildung und Verbreitung von Sporen dienen.

Da fossile Schleimpilze äußerst selten sind, ist das Studium ihrer Evolutionsgeschichte sehr schwierig. Bisher existierten lediglich zwei Fossilbelege von Fruchtkörpern, die 35 bis 40 Millionen Jahre alt sind. Die Funde fossiler Myxomyceten sind sehr unwahrscheinlich, da ihre Fruchtkörper äußerst kurzlebig sind.

Die Forscher zeigen sich daher beeindruckt von der Verkettung der Umstände, die offenbar zur Erhaltung des aktuell gefundenen Fossils geführt haben: „Die fragilen Fruchtkörper wurden höchstwahrscheinlich von einer Eidechse, die ebenfalls im klebrigen Baumharz gefangen wurde, von der Baumrinde gerissen und schließlich zusammen mit dem Reptil darin eingebettet“, sagt Prof. Dr. Jouko Rikkinen von der Universität Helsinki.

Die Eidechse hat die Fruchtkörper in einem relativ frühen Stadium losgelöst, als die Sporen noch nicht freigegeben wurden, was nun ein seltenes Fenster in die Evolutionsgeschichte dieser faszinierenden Organismen öffnet.

Die Forscher überraschte an dem Fund, dass der Schleimpilz ohne weiteres einer heute noch lebenden Gattung zugeordnet werden kann. „Das Fossil gibt einzigartige Einblicke in die Langlebigkeit ökologischer Anpassungen der Myxomyceten“, erläutert der Paläontologe Prof. Dr. Alexander Schmidt von der Universität Göttingen, leitender Autor der Studie.

„Wir interpretieren dies als Beleg starker umweltbedingter Auslese. Offenbar waren Schleimpilze, die sehr kleine Sporen durch den Wind verbreitet haben, im Vorteil“, so Rikkinen. Die Fähigkeit der Schleimpilze, in ihrem Lebenszyklus Dauerstadien auszubilden, die Jahre andauern können, trägt wahrscheinlich ebenfalls zur bemerkenswerten Ähnlichkeit des Fossils mit seinen nächsten heutigen Verwandten bei.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Alexander Schmidt
Georg-August-Universität Göttingen
Geowissenschaftliches Zentrum – Abteilung Geobiologie
Goldschmidtstraße 3, 37077 Göttingen
Telefon: 0551 39 7957
E-Mail: alexander.schmidt@geo.uni-goettingen.de

www.geobiologie.uni-goettingen.de/people/aschmidt/index.shtml 

Originalpublikation:

Rikkinen, J., Grimaldi, D. A. & Schmidt, A. R.. Morphological stasis in the first myxomycete from the Mesozoic, and the likely role of cryptobiosis. Scientific Reports (2019). www.nature.com/articles/s41598-019-55622-9

Thomas Richter | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Unschuldig und stark oxidierend
04.06.2020 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Atherosklerose - Wie RNA-Schnipsel die Gefäße schützen
04.06.2020 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleines Protein, große Wirkung

In Meningokokken spielt das unscheinbare Protein ProQ eine tragende Rolle. Zusammen mit RNA-Molekülen reguliert es Prozesse, die für die krankmachenden Eigenschaften der Bakterien von Bedeutung sind.

Meningokokken sind Bakterien, die lebensbedrohliche Hirnhautentzündungen und Sepsis auslösen können. Diese Krankheitserreger besitzen ein sehr kleines Protein,...

Im Focus: Small Protein, Big Impact

In meningococci, the RNA-binding protein ProQ plays a major role. Together with RNA molecules, it regulates processes that are important for pathogenic properties of the bacteria.

Meningococci are bacteria that can cause life-threatening meningitis and sepsis. These pathogens use a small protein with a large impact: The RNA-binding...

Im Focus: Magnetische Kristallschichten für den Computer von Morgen

Ist die Elektronik, so wie wir sie kennen, am Ende?

Der Einsatz moderner elektronischer Schaltkreise für immer leistungsfähigere Rechentechnik und mobile Endgeräte stößt durch die zunehmende Miniaturisierung in...

Im Focus: K-State study reveals asymmetry in spin directions of galaxies

Research also suggests the early universe could have been spinning

An analysis of more than 200,000 spiral galaxies has revealed unexpected links between spin directions of galaxies, and the structure formed by these links...

Im Focus: Neue Messung verschärft altes Problem

Seit Jahrzehnten rätseln Astrophysiker über zwei markante Röntgen-Emissionslinien von hochgeladenem Eisen: ihr gemessenes Helligkeitsverhältnis stimmt nicht mit dem berechneten überein. Das beeinträchtigt die Bestimmung der Temperatur und Dichte von Plasmen. Neue sorgfältige, hoch-präzise Messungen und Berechnungen mit modernsten Methoden schließen nun alle bisher vorgeschlagenen Erklärungen für diese Diskrepanz aus und verschärfen damit das Problem.

Heiße astrophysikalische Plasmen erfüllen den intergalaktischen Raum und leuchten hell in Sternatmosphären, aktiven Galaxienkernen und Supernova-Überresten....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Was Salz und Mensch verbindet

04.06.2020 | Veranstaltungen

Gebäudewärme mit "grünem" Wasserstoff oder "grünem" Strom?

26.05.2020 | Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Alternativer Zement - Rezeptur für Öko-Beton

04.06.2020 | Architektur Bauwesen

Was Salz und Mensch verbindet

04.06.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Unschuldig und stark oxidierend

04.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics